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Der Nachrücker

Nach dem Tod des Aldi-Gründers ist nun Lidl-Patriarch Dieter Schwarz der reichste Deutsche.

Von Lars Radau

Sie waren sich vielleicht ähnlicher, als es Dieter Schwarz recht sein dürfte. Der Gründer der zweiten großen deutschen Discount-Kette Lidl, so sagen selbst Freunde, sei „geradezu besessen“ von dem Gedanken, die Aldi-Brüder Theo und Karl Albrecht geschäftlich zu überholen. Die sollen zuweilen despektierlich vom „Nachrücker“ und Hauptkonkurrenten auf dem deutschen Markt gesprochen haben.

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Denn Schwarz hatte das Discount-Prinzip, das die Albrecht-Brüder 1962 in Deutschland einführten, nach genauer Beobachtung adaptiert und an einigen Stellen verbessert. Der Kaufmannssohn aus Heilbronn, der das Geschäft im Lebensmittel-Handel seines Vaters von der Pike auf gelernt hatte, stieg 1973 in den Wettkampf ein. Bei Lidl gab es im Gegensatz zu Aldi von Anfang an auch Markenprodukte. Bereits 1980 soll der Umsatz der Kette bei mehr als einer Milliarde Mark gelegen haben. Seit 1984 kamen die Kaufland-Warenhäuser hinzu, der Umsatz der inzwischen in ganz Europa vertretenen und über Stiftungen gesteuerten Handelsgruppe liegt heute bei 74 Milliarden Euro.

Schwarz, der im September 75 wird und sich bereits 1999 aus dem operativen Geschäft zurückzog, gilt privat als äußerst sparsam. Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes taxiert sein Vermögen zurzeit auf rund 21,1 Milliarden Dollar, also reichlich 16 Milliarden Euro. Damit ist der Lidl-Gründer nach dem Tod von Karl Albrecht, der es auf 18 Milliarden Euro gebracht hatte, der reichste Deutsche. Gleichwohl, heißt es, sähen Hemd und Krawatte des grauhaarigen Seitenscheitelträgers auf den wenigen Bildern, die es von ihm gibt, nicht nur so aus, als kämen sie von C&A. Lieber gebe der sehr zurückgezogen lebende Manager, der seit 50 Jahren verheiratet ist und zwei Töchter hat, sein privates Geld für diverse karitative Projekte aus. In seiner Heimatstadt Heilbronn ist Dieter Schwarz auch deshalb Ehrenbürger.

Die andere Seite der Medaille: Stärker noch als Aldi gilt Lidl bei Zulieferern als Preis-Dumper. Gewerkschaften beklagen, dass Lidl mit vielen kleinen Einheiten Betriebsräte ausbremse, Mitarbeiter in den Märkten unter hohem Druck stünden. Gleichwohl: Marktbeobachter rechnen damit, dass Lidl Aldi 2016 als größten Discounter der Welt ablöst. Der Nachrücker hätte dann sein Ziel erreicht.