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Der neue GM-Chef hat Opel einst flott gemacht

Fritz Henderson wird neuer Vorstandschef von General Motors. Er könnte für Opel zum Glücksfall werden.

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Von Rolf Obertreis

Frankfurt am Main. Das Aufatmen war selbst Tausende Kilometer entfernt bei Opel in Rüsselsheim vernehmbar. Der Wechsel an der Spitze von General Motors (GM) von Rick Wagoner zu Fritz Henderson verbessert auch die Perspektiven von Opel. Henderson gilt als intimer Kenner des europäischen Automarktes und als Verfechter einer Eigenständigkeit von Opel.

Wirklich Zählbares springt allerdings für den angeschlagenen Autohersteller und seine rund 25000 Mitarbeiter vorerst nicht heraus. Denn die US-Regierung lehnt das bislang von GM vorgelegte Sanierungskonzept ab und hat dem neuen Chef weitere 60 Tage Zeit eingeräumt, um überzeugende Vorschläge zu präsentieren. Erst dann wird auch die Bundesregierung über Hilfen für Opel entscheiden.

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz begrüßte gestern den Wechsel auf dem Chefsessel von GM ebenso wie Auto-Experten in Frankfurt. „Ich habe mich immer gewundert, wie lange sich jemand halten kann, der den Unternehmenswert von GM um 90 Prozent gemindert hat.“ In neun Jahren an der Spitze habe Wagoner Milliarden Dollar verbrannt, allein in den vergangenen vier Jahren türmten sich die Verluste auf insgesamt mehr als 80Milliarden Dollar. Der jetzt geschasste GM-Chef stehe für eine verfehlte Modell-Politik und sei ein Symbol für das Versagen von GM, sagt auch Uwe Treckmann, AutoAnalyst bei der Dresdner Bank.

Lob aus Rüsselsheim

Für Wagoner rückt der bisherige GM-Vize Henderson an die Spitze von GM. Der 50-jährige Manager genießt bei Opel einen durchaus guten Ruf. Henderson kennt den europäischen Markt und das Geschäft von GM, Opel und der Schwestermarke Vauxhall in Europa viel besser als Wagoner. „Henderson steht zudem für dezentrales Handeln, für eine Stärkung der Marken und für die Herauslösung von Opel“, sagt Treckmann. Auch Betriebsratschef Franz findet lobende Worte für Henderson. „Er hält sich an Abmachungen.“ Der neue GM-Chef sei kein einfacher, aber ein berechenbarer Partner, sagt Franz über den etwas untersetzten Schnauzbartträger. Henderson war in den letzten Monaten auch eng in die Gespräche von Opel mit der Bundesregierung eingebunden.

Eine schnelle Hilfe des Bundes für den Autohersteller wird es allerdings durch den Wechsel in Detroit nicht geben. Denn US-Präsident Barack Obama hat GM eine weitere Gnadenfrist von 60 Tagen eingeräumt, um ein überzeugendes Sanierungskonzept auf den Tisch zu legen. So lange wird auch die Bundesregierung mit ihrer Entscheidung warten. Dies kündigte Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gestern an, und dies wird Bundeskanzlerin Angela Merkel heute bei ihrem Besuch in Rüsselsheim bestätigen. Zudem hat sich die finanzielle Lage bei Opel aufgrund des Nachfrageschubs durch die Abwrackprämie offenbar deutlich entspannt.

Tiefere Einschnitte bei Opel

Jürgen Pieper, renommierter Auto-Analyst beim Bankhaus Metzler, rechnet nicht nur mit einer längeren Hängepartie für Opel. Sollte GM innerhalb von 60 Tagen endlich ein tragfähiges Konzept für weitere US-Staatshilfen vorlegen, müsse es auch bei Opel tiefere Einschnitte geben. „Opel wird nachlegen müssen, es geht um eine tragfähige Lösung.“ Für Pieper heißt das: kein Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen und kein Ausschluss von Werksschließungen. GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster hatte schon vor Wochen betont, dass GM in Europa eigentlich drei Werke zu viel habe. Nach Ansicht von Pieper steht als erstes das Opel-Werk im belgischen Antwerpen auf der Kippe.