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Der Neue vom Schrottplatz

Die Leute können Altmetall wieder zum Schrottplatz an der Schmiede bringen – auch sonnabends.

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© Klaus-Dieter Brühl

Von Birgit Ulbricht

Großenhain. Noch kommen die Ersten samstags zaghaft schauen. Doch es dürfte sich schnell herumsprechen: Der Großenhainer Schrottplatz hat wieder durchgängig geöffnet. Werktags von 7 bis 17 Uhr und Sonnabend von 8 bis 12 Uhr. Die Walter Kunze Schrott- und Metallhandels GmbH aus Freital hat den Platz von der Firma Rüdrich zum 1. September übernommen. Der Neue vom Schrottplatz ist Sebastian Grimmer, 33 Jahre, nächste Woche verheiratet wie er lächelnd sagt, und Vater von zwei Kindern. Der junge Mann ist Betriebsleiter der Hauptniederlassung in Freital – und nun auch in Dresden und Großenhain. Schon vor zehn Jahren hat die Kunze Group ein Auge auf Großenhain geworfen. Der Schrotthandel beliefert immerhin das Riesaer Stahlwerk und hat auch hier etliche größere Kunden.

Großenhain wird blau

Da passt es gut ins Konzept, nicht mehr jeden Weg nach Freital fahren zu müssen. Zwar wird der Schrott dort weiterhin stahlwerksgerecht verarbeitet – 2500 Tonnen jeden Monat, davon 200 Tonnen Buntmetall – aber die Firma hat ein Interesse daran, so viel Schrott wie möglich in der Region zu belassen, statt alles durch die Gegend zu fahren. Die Kunze Group bringt im großen Stil die Farbe Blau nach Großenhain – ob Container, T-Shirt, Lkw oder schlicht der neue Zaun am Betriebsgelände – man wird sie bald überall sehen. Damit die Großenhainer, Zeithainer oder Riesaer einen ersten guten Eindruck von der neuen Firma in der Region bekommen, werden demnächst über 30 000 Flyer in den Briefkästen der Haushalte stecken. „Wir wollen uns den Bürgern vorstellen“, so Sebastian Grimmer. Ob Fünf-Kubikmeter- oder 40-Kubikmeter-Container. Demontage oder Selbstanlieferung, hier kann es jeder nachlesen und gleich an die Pinnwand heften.

Die neue Firma hat einiges Gewicht in Sachsen. Kunze kam 1990 aus Langenau bei Ulm nach Freital. 1996 kaufte das Unternehmen den Platz der früheren Wismut in Freital. Insgesamt hat das familiengeführte Unternehmen inzwischen fünf Niederlassungen mit 70 Mitarbeitern. Auf dem Großenhainer Platz arbeiten derzeit drei Mitarbeiter, einen Kraftfahrer und den bisherigen Platzwart hat die neue Firma übernommen. Ziel ist es, möglichst bald zwei bis drei Lkw ständig hier vor Ort zu haben und das Büro neu zu besetzen. „Wenn ich am 23. Dezember hier mit acht Leuten sitzen könnte und Stollen esse, das wäre mein Ziel“, umschreibt Grimmer seine ersten Pläne. Doch eh es soweit ist, wird erstmals etwas umgebaut und modernisiert. Im nächsten Jahr stellt sich dann auch der Großenhainer Schrottplatz einer umfassenden Zertifizierung. Um an bestimmte Großaufträge zu kommen, ein unerlässliches Kriterium.

Grimmer hat seinen Beruf von der Pike auf gelernt, als Ver- und Entsorger bei der Stadtreinigung Dresden, Spezialgebiet Eingruppierung von Sonderabfällen. „Wir haben aber auch die Prager Straße bei sengender Hitze gekehrt“, sagt er schmunzelnd. „Das ist gut für den Respekt vor der Arbeit anderer.“ Irgendwann ist Grimmer in den Vertrieb eingestiegen mit den zwei zusätzlichen Niederlassungen. Mit der dritten Niederlassung hat er sich erst mal ordentlich Arbeit aufgepackt. Aber er lächelt. Ein Blick auf seinen Unterarm verrät dabei sein Lebensmotto in chinesischen Schriftzeichen: „Es ist einfach“, steht da. Ausdruck einer gewissen Gelassenheit, zu der er sich mahnt, wenn mal wieder die zig Problemchen des Alltags über ihn schwappen.