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„Der OB hat sich eingesetzt, dass ich nicht schließe“

Rasche Kehrtwende im Görlitzer Notarzt-Streit: Der tschechische Arzt Vratislav Prejzek lenkt nach einem Gespräch mit Siegfried Deinege nun doch ein. Wir haben ihn gefragt, warum.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Von Daniela Pfeiffer

Görlitz. Das hat die Gemüter Ende vergangener Woche zum Überkochen gebracht: Ein in Görlitzer praktizierender tschechischer Arzt wird als Notarzt auf dem Weg zu einem Einsatz geblitzt und soll daraufhin unter anderem ein zweimonatiges Fahrverbot bekommen. Aus Protest entschließt er sich, die Praxis Ende Juni zu schließen. Warum jetzt alles anders ist, hat der 34-Jährige, den wiram Montagvormittag in seiner tschechischen Praxis erreichen, der SZ erzählt.

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Herr Prejzek, nachdem die Stadt noch am Freitag eine Erklärung veröffentlichte, in der sie sich völlig im Recht sah und das Ordnungsamt verteidigte, folgt einen Tag später die überraschende Wende. Wie kam denn das?

Der Oberbürgermeister bat mich am Freitag um ein Gespräch. Er trat mir gegenüber sehr positiv auf und war bestens vorbereitet, er wusste über alle Einzelheiten Bescheid. Das Gespräch dauerte fast zwei Stunden und war toll. Ich konnte ausführlich erklären, warum es für mich ein Notarzteinsatz war und warum ich von akuter Gefahr für den Patienten ausgehen musste. Der OB setzte sich sehr dafür ein, dass ich die Praxis nicht schließe.

Hat er Ihnen versprochen, den Bescheid zurückzunehmen, wenn Sie doch Einspruch dagegen einlegen würden?

Nicht direkt. Aber ich glaube jetzt, gute Chancen zu haben, dass er zumindest milder ausfällt. Doch auch, wenn es beim Fahrverbot bleibt, schließe ich die Praxis nicht. Dann finde ich eine Lösung.

Ihre Patienten dürften erleichtert sein. Uns als SZ erreichten jedenfalls viele Reaktionen von Patienten.

Das war in der Praxis genauso. Es war wirklich krass, was die alles unternommen haben für mich. Ich hatte sogar Angebote, in den zwei Monaten gefahren zu werden – jeden Tag von und nach Rumburk.

Dort haben Sie Ihr anderes berufliches Standbein.

Ja, eine medizinische GmbH mit zwei Hausarztpraxen, einer internistischen Praxis und einer Hautarztpraxis. Wir öffnen neu eine endokrinologische Praxis und wollen jetzt noch eine ambulante Pflege aufbauen. Ich wollte aber nicht, dass Patienten in Görlitz denken, dass ich sie wegen anderer Patienten verlasse.

Wie schaffen Sie diese Belastung: Praxis in Görlitz, dazu Notarztdienste an Wochenende in Görlitz und die GmbH in Tschechien?

Ich teile mir die Arbeit: in Görlitz bin ich von Montag bis Donnerstag jeweils einen halben Tag, am Freitag den ganzen. Und in Tschechien arbeite ich nicht alleine, wir haben auch angestellte Ärzte, die uns unterstützen. Das Familienleben leidet schon manchmal darunter, aber gegen 18.30 Uhr bin ich meist zuhause, sodass ich meine Kinder noch sehe.“

Wie ging es Ihnen denn in den letzten Tagen, allein der Medienrummel war ja enorm?

Ja, sogar Focus und RTL haben berichtet. Ich hoffe für alle, dass es nun Ruhe einkehrt.