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Der Orkan geht, der Schnee kommt

Xaver bringt die schwersten Sturmfluten seit Jahrzehnten, macht aber wenig Schaden – eine Analyse.

Von Stephan Schön

Bei aller Wucht des Unwetters, es ging angesichts der Stärke und vor allem der Dauer geradezu glimpflich ab. Mal hatten nur Zentimeter über Wasser und Land entschieden, wie auf einigen Halligen. Ein andermal eine Schleuse, die gerade noch so repariert werden konnte. Oft war da viel Glück dabei.

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Vor allem aber hat die langfristige Vorhersage geholfen. Der Orkan wurde dadurch zwar nicht schwächer, aber für die Vorbereitungen blieb mehr Zeit. Schon vier Tage bevor sich Xaver überhaupt als harmloses Tiefdruckgebiet bildete, hatten die Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) diesen Orkan bereits in ihren Computern gesehen. Genau für solche Langfristprognosen haben sie gestern einen weiteren Super-Computer bekommen. Dieser Rechner hätte sogar die Zugbahn von Xaver eine Woche vorher berechnen können. Xaver ist jedoch vorbei und zieht nach Russland.

Diese Sturmfluten der Nordsee waren die heftigsten seit Jahrzehnten. Ohne den Flutschutz hätte Hamburg eine ähnliche Katastrophe abbekommen wie 1962. Auftrieb bekam die Flut noch vom Neumond. Sonne, Mond und Erde in einer Reihe, das lässt die Flut auch ohne Sturm schon höher steigen als normal. Eine Springflut entsteht. Dazu kommt dann der Orkan auch noch aus der kritischsten aller Richtungen.

Während sich nun an der Nordsee die Wogen glätten, treiben in Sachsen weiterhin starke Windböen Schnee und Graupel über die Gebirge.

Immer wenn jetzt diese Schnee- und Regenschauer durchziehen, dann gelangen die etwa 120 Stundenkilometer schnellen Luftströmungen aus 2 000 Metern Höhe als Fallwinde auch auf den Erdboden. Was dort oben niemanden stört, fegt dann halt als Sturmböe übers Land. Turbulent labil nennen Meteorologen diese Luftschichtung. Im Osten Deutschlands bleibt es am längsten turbulent und labil. „Das Ganze ist dann wohl erst am Sonntag vorbei“, sagt Peter Weber, Meteorologe beim DWD in Leipzig. Er rechne mit einer erneuten Verlängerung der Unwetterwarnungen. Aber dann hätten die Windböen schon deutlich weniger Kraft. Am Montag dann kommt Regen bis hoch ins Gebirge und ab Mittwoch Sonne auf den Bergen und Nebel in den Tälern – voraussichtlich.

Jedenfalls sehen die Supercomputer vom Wetterdienst in Offenbach vorerst kein weiteres Sturmtief im Anflug. Und auch die Prognose vom europäischen Mittelfrist-Vorhersagezentrum in Reading verkündet erst einmal vorweihnachtliche Ruhe in der Atmosphäre.