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Der Ossi-Versteher

Der Bayer Jochen Wolff hat die Superillu im Osten zur erfolgreichsten Zeitschrift gemacht. Jetzt will er als Chefredakteur abtreten.

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Von Heinrich Löbbers

Wenn die Republik 20 Jahre nach der Vereinigung noch irgendwo gespalten ist, dann bei der Zeitschriftenlektüre. Nach wie vor tun sich die großen bundesweiten Magazine und Zeitungen in den nicht mehr wirklich neuen Bundesländern ungemein schwer. Dafür hat im Osten die Superillu wohl mehr Leser hat als Spiegel, Stern und Focus zusammen.

Und hinter diesem Erfolg steht ausgerechnet ein Westgeborener. Seit der Gründung des bunten Blattes ist Jochen Wolff Chefredakteur der Superillu. Doch jetzt will der 61-Jährige abtreten. „Nach 20 Jahren an der Spitze ist es an der Zeit, das Blatt in jüngere Hände zu übergeben“, sagt er. Der Generationswechsel soll allerdings nicht sofort, sondern im Dezember 2011 stattfinden. Nachrücken soll dann der gebürtige Leipziger Robert Schneider. Der 34-Jährige ist derzeit stellvertretender Chefredakteur der „Bild am Sonntag“. Jochen Wolff bleibt allerdings Herausgeber.

Er wurde in der bayerischen Kleinstadt Furth im Wald nahe der tschechischen Grenze geboren. Seine Karriere begann 1972 bei der Illustrierten „Quick“, 1988 wurde er Chefredakteur des Frauen-Blattes „Neue Welt“. Im Februar 1991 kam er an die Spitze der „Superillu“.

Sein Erfolgsrezept „an der Nahtstelle der deutschen Einheit“ hat Wolff einmal so beschrieben: „Wir sind ein Stück Medienheimat für die Menschen geworden. Wir haben sie vor 20 Jahren abgeholt, auf dem Weg in die Marktwirtschaft begleitet und ihrem Alltagsleben in der DDR immer Respekt entgegengebracht.“ Die Mischung aus Aufklärung und Ratgeber, positiver Ostalgie, ostdeutschen Erfolgsgeschichten und DDR-Prominenz trifft offenbar das Lebensgefühl vieler Ostdeutscher. Mit zuletzt 420000 verkauften Exemplaren ist die Superillu reichweitenstärkste Zeitschrift im Osten, verliert aber an Auflage. Im Westen dagegen ist sie Nischenblatt geblieben.

Verleger Hubert Burda ist natürlich voll des Lobes für Wolff: „Er hat einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg der deutschen Integration geleistet und den Menschen aus der DDR geholfen, sich im vereinten Deutschland zurechtzufinden. Er hat stets die Gemeinsamkeiten betont und der Versuchung widerstanden, aus Trennendem journalistisches Kapital zu schlagen.“ Als Anerkennung für seinen Einsatz um die deutsche Vereinigung erhielt Wolff im Sommer das Bundesverdienstkreuz. Die Botschaft des Ossi-Verstehers ist simpel: „Die Ostdeutschen müssen mehr Selbstbewusstsein entwickeln.“