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Der Party-Marathon-Mann

Der zweimalige Olympiasieger Waldemar Cierpinski wird 60.

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Von Thomas Bachmann

Ohne den „langen Kanten“ geht es bei Waldemar Cierpinski nicht, selbst der heutige 60. Geburtstag wird ein Party-Marathon. „In dem Alter denkt man schon daran, dass man keine Feier auslassen sollte“, sagt Cierpinski und lächelt spitzbübisch. Die ersten Gratulationen gibt es am Morgen in seinem Sporthaus in Halle, am Abend begrüßt der zweimalige Olympiasieger über die 42,195 Kilometer noch Freunde und Geschäftspartner. Damit aber nicht genug. „Das große Fest mit Programm steigt dann am Sonnabend. Da feiern wir zusammen den 120. Geburtstag, da meine Frau Marita kürzlich ebenfalls 60 geworden ist.“

Es ist schon ein paar Jahre her, dass Cierpinski durch seine Goldmedaillen von Montreal 1976 und Moskau 1980 zur Marathon-Legende wurde. Dennoch ist er bekannter als so manch anderer Olympiasieger. Die „Schuld“ daran gibt er einem anderen. „Heinz Florian Oertel hat mich berühmt gemacht“, sagt Cierpinski bestimmend.

Als Cierpinski 1980 auf die Zielgerade einbog, war die DDR-Reporterlegende Oertel völlig aus dem Häuschen und sprach seine wohl berühmtesten Worte. „Liebe junge Väter, haben Sie Mut. Nennen Sie ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages ruhig Waldemar. Waldemar ist da!“ Bereits vier Jahre zuvor hatte Oertel Cierpinskis ersten Goldlauf kommentiert: „Jetzt kommen sie, die Heroen der Landstraße. Reißen Sie die Fenster auf! Und wenn man steht, ist die Verbeugung tiefer.“

Den früheren Marathonläufer Cierpinski und den ehemaligen Sportreporter Oertel verbindet heute eine herzliche Freundschaft. „Wir telefonieren viel und plaudern über Gott und die Welt. Ich habe großen Respekt vor dem Sprachgenie Oertel“, sagt Cierpinski. Selbstredend ist der gelobte Journalist zum großen Familienfest eingeladen.

Den Feier-Marathon wird Cierpinski trotz seiner 60 Jahre mit links meistern. Die zehn Kilometer läuft er immer noch unter 40 Minuten. Die Laufschuhe schnürt Cierpinski allerdings nur noch aus Spaß. Zwei- oder dreimal in der Woche „verdrücke ich mich in den Wald“, sagt er. Aber nur, wenn er Ruhe braucht.

Einer wie Cierpinski ist natürlich der Leichtathletik verbunden geblieben. Er betreut die Marathon-Nationalmannschaft und setzt alles daran, dass die Läufer um seinen Sohn Falk den Anschluss an die Weltspitze herstellen. Und wie es sich für einen Ehrentag gehört, darf er sich etwas wünschen: „Ich hoffe, dass Falk bei den Olympischen Spielen 2012 in London starten kann.“ (sid)