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Der Pflege-Reformer

Der querschnittsgelähmte Schauspieler Samuel Koch will Verbesserungen in der Pflege. Um das durchzusetzen, hat er eine interessante Idee.

© dpa

Von Ira Schaible, Darmstadt

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Immer wieder hat er Schwierigkeiten, Pfleger zu finden. „Ich selbst könnte meine Pflege nicht stemmen, wenn ich nicht Familie und Freunde hätte. Aber nicht jeder hat eine so große Familie, die füreinander einspringt“, sagt Samuel Koch, der querschnittsgelähmte Schauspieler im Darmstädter Staatstheater. Als Grund sieht er die geringe Wertschätzung, die Menschen erfahren, die anderen bei körperlichen oder sonstigen Gebrechen helfen.

8 000 neue Pflegestellen, wie bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin vereinbart, seien daher nur ein „kalter Tropfen auf den kalten Stein“, kritisiert Koch. Der 30-Jährige wünscht sich ein Umdenken der Gesellschaft bei diesem „Brennpunkt-Thema“. Dabei könne die Einführung eines verpflichtenden Pflegesozialdienstes helfen – „als Notwehr gegen den Pflegenotstand“. „Es gilt zu handeln. Und ich hoffe, dass das Thema bei den Koalitionsverhandlungen anständig auf den Tisch kommt und sich in allen Köpfen festsetzt.“

Koch war im Dezember 2010 bei einer Wette in der ZDF-Show „Wetten, dass..?“ schwer gestürzt und ist seitdem querschnittgelähmt. Später beendete er seine Schauspielausbildung. Seit 2014 gehört er zum Ensemble des Staatstheaters Darmstadt. Der erste Kinofilm, in dem er eine Hauptrolle spielt („Draußen in meinem Kopf“), wurde beim Filmfestival in Saarbrücken mit dem Preis der deutsch-französischen Jugendjury ausgezeichnet.

Koch erinnert sich noch gut an das Jahr nach seinem Unfall. Er war bettlägerig. Zwar habe er das Privileg gehabt, in der Schweiz behandelt zu werden, wo viel weniger Patienten auf einen Pfleger kämen als in Deutschland, wo sich ein Pfleger nachts mitunter sogar um 50 Patienten kümmern muss.

Seit der Aussetzung der Wehrpflicht fehlten Zivildienstleistende in der Pflege, bedauert Koch. Ein Pflichtsozialdienst würde „ganz akut Menschen in den Kliniken und Altenheimen entlasten“. Zugleich könnten junge Menschen, die nach der Schule noch orientierungslos seien, feststellen, wie wichtig Pflege sei, Berührungsängste abbauen. Vielleicht könnten Vergünstigungen beim Pflegebeitrag die Motivation dazu erhöhen, regt Koch an. (dpa)