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Der Plan gegen Freitals Mini-Brachen

Der Unternehmerverband will leere Läden und Werkstätten beleben – mit jungen Kreativen aus Dresden.

© privat

Von Tobias Winzer

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Freital. Der Chef des Unternehmerverbandes Weißeritztal, Chris Meyer, nennt ein paar Beispiele. Leere Gewerberäume an der Rabenauer Straße, an der Coschützer Straße, das Gelände hinter der Aral-Tankstelle an der Dresdner Straße oder die leerstehenden Geschäfte im Mühlenviertel. „Es gibt viele solcher Ecken in Freital, wo man sich denkt: Warum passiert da eigentlich nichts?“, sagt der 52-Jährige, der auch für die Bürger für Freital im Stadtrat sitzt. Da er und der Unternehmerverband das ändern wollen, ist nun eine konzertierte Aktion geplant. Auftakt ist am kommenden Dienstag mit einer öffentlichen Veranstaltung auf Schloss Burgk.

Die Grundidee dahinter: Eigentümer von leerstehenden Läden oder Geweberäumen sowie die potenziellen Nutzer sollen zusammengebracht werden. „Die Global Player gibt es in Sachsen nicht“, sagt Meyer. Wer die Wirtschaft wachsen sehen wolle, müsse deshalb etwas für den Mittelstand tun. Die Lage Freitals zwischen den beiden Universitätsstandorten in Dresden und Freiberg sieht Meyer in diesem Zusammenhang als ideal an. Vor allem in Dresden gebe es kaum noch frei Räume für Existenzgründer. „In den vergangenen Jahren haben wir in Freital viel zu wenig um solche Leute geworben“, sagt er. Junge Ingenieure, aber auch Kreative, die im Bereich zwischen Handwerk und Kunst tätig sind, will er in die Stadt locken.

Meyer glaubt, dass dafür in Freital noch jede Menge Freiraum vorhanden ist. „Es gibt doch viele Werkstätten in Hinterhöfen, die nur noch hobbymäßig gebraucht werden, aber für die Kreativen ideal wären“, sagt er. Für die Veranstaltung am 6. Februar auf Schloss Burgk hat der Unternehmerverband deshalb einen Aufruf gestartet. Eigentümer solcher Räume sollen sich vorab melden. Der Verband mit seinem Netzwerk wolle dann dafür sorgen, dass ein passender Mieter oder Käufer gefunden werde. „Wenn wir nur zehn Leute nach Freital holen könnten, wäre das schon ein Erfolg“, sagt Meyer. „Denn das würde bedeuten, dass es zehn brachliegende Räume weniger gäbe.“ Außerdem bringe das Freital Gewerbesteuereinnahmen.

Bei der Veranstaltung am 6. Februar soll es auch darum gehen, das Potenzial der Kreativwirtschaft überhaupt zu erklären. Dazu ist eine Vertreterin des Zentrums für Kultur- und Kreativwirtschaft, das vom Wirtschaftsministerium gefördert wird, vor Ort. Matthias Quendt, der im Freitaler Technologiezentrum eine Beratungsfirma für die Nahrungsmittelindustrie betreibt, wird einen Vortrag halten. „Viele denken, dass es dabei nur um Künstler geht“, so Meyer. Er hat aber auch andere im Blick und nennt zwei Beispiele: Jungunternehmer, die im Erzgebirge täuschend echte Motorengeräusche designen und damit Erfolg bei Automobilherstellern haben und ein Bastler aus Klingenberg, der innovative Snowboards herstellt.

Meyer sieht die Veranstaltung auch als kleinen Test für die Lederfabrik. Er macht sich dafür stark, dass dort ein Zentrum der Kreativwirtschaft entsteht – als eine Erweiterung des Technologiezentrums, das mittlerweile fast voll vermietet ist. „Aber die Lederfabrik ist natürlich noch einmal eine ganz andere Nummer. Da reden wir von ganz anderen Flächendimensionen.“

„Neues Unternehmertum in traditionell gewachsenen Wirtschaftsräumen“ am 6. Februar, 18 Uhr auf Schloss Burgk. Die Veranstaltung ist öffentlich.