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Der Prediger aus dem Forst

Heino Wolf ist zwar religiös aufgewachsen, aber nicht der Kirchgänger. Am 9. August steht er nun auf der Kanzel.

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© Dirk Zschiedrich

Von Heike Sabel

Pirna. Ein Chemienanlagenbauer kann es. Ein Architekt hat es schon getan, auch eine Bibliothekarin. Ein Kinderarzt und ein Geschäftsführer haben es probiert. Nun versucht sich ein Forstwissenschaftler als Prediger. Heino Wolf ist am Sonntag der letzte der Sommerprediger in diesem Jahr im Gemeindezentrum auf dem Pirnaer Sonnenstein. Sein Thema: Angst und Ängste. Das beschäftigt den 57-jährigen Birkwitzer immer wieder. Ein ängstlicher Typ ist er deshalb nicht, mehr einer, der sich und sein Umfeld genau beobachtet. Angst hat so viele Gesichter. Mitarbeiter haben Angst vor Veränderung, andere vor Bindung, die nächsten vor Verlust. Doch Angst ist nicht nur negativ. Sie lässt uns auch vorsichtig sein. Deshalb ist es keine Alternative, keine Angst zu haben. Ein Weg, mit ihr umzugehen, ist für Heino Wolf, sie abzugeben und sich mit seinen Ängsten dennoch angenommen zu fühlen. Das ist für ihn Religion, dafür sei sie da.

Über persönliche Erfahrungen reden

Heino Wolf ist in der katholischen Kirche groß geworden. Inzwischen geht er nur noch selten in die Kirche. Fast dachte er, als Sommerprediger nicht religiös genug zu sein. Aber er war immer dem Rat eines Freundes gefolgt: Den Glauben kann man mal in die Ecke stellen, aber nie ganz abstellen. Das habe etwas Tröstendes. Das Organisationsteam befand Heino Wolf für religiös genug. Es dauerte jedoch eine Weile, bis sie zusammenkamen. Die mit dem ehemaligen Liebstädter Diakon Karl Brause sieben Leute hatten Wolf schon länger im Blick und auch angesprochen. Seit 2008 gibt es die Sommerpredigten von Laien. Einst als Vertretung für den Sommerurlaub von Pfarrer Andreas Günzel gedacht, finden sie nun auch statt, wenn Günzel nicht im Urlaub ist. Der Urlaub war es auch, der bisher Heino Wolfs Predigt im Weg stand. Diesmal aber wurde der Termin frühzeitig vereinbart. Dafür dauerte es, bis Heino Wolf sein Thema gefunden hatte.

Der Forstwissenschaftler und Referatsleiter im Graupaer Sachsenforst will über persönliche Erfahrungen und Begegnungen reden, über den Umgang mit Freunden und Freuden, auch mit Macht und Mächten. Er wird die eine oder andere Bibelstelle einfügen, doch eine klassische Predigt wird es nicht. Dafür sind die Sommerprediger ja auch keine Pfarrer. Das, was Wolf am Sonntag sagen will, wächst in seinem Kopf. Am Sonntagvormittag wird er es dann aufschreiben, nicht ausformuliert, das macht ihn freier. Die Erfahrung hat er. Auch die, dass er ein bisschen Druck braucht. Andere Erfahrungen hat er aus Afrika mitgebracht. Die, im Ausland aufzufallen, zum Beispiel. Angst hat ihm das nicht gemacht, denn Angst verengt manchmal auch den Blick.

Traum oder Angst?

Deshalb hat er auch keine Angst vor dem Sonntag. Die vor Vorträgen ist im Laufe vieler Jahre gewichen, er hat gelernt, damit umzugehen. Die Predigt am Sonntag sieht er als Herausforderung.

Was ihm heute wirklich Angst macht, sind Gewalt, Wutmenschen, Aggressionen. Und manchmal hat er diese Albträume, in denen er sich nicht bewegen kann und kein Wort rausbringt. Ein Traum oder eine tiefe Angst? Heino Wolf weiß es nicht.

Sommerpredigt, 9. August, 17 Uhr, Gemeindezentrum Pirna-Sonnenstein, Benno-Scholze-Straße