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Der Preis des Elektroautos

Die Batterieproduktion treibt Kobalt- und Lithiumförderung an. Unklar ist, woher die benötigten Mengen kommen sollen.

© Michael Robinson/Getty Images

Von Christian Mihatsch

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Wer vor einem Jahr sein Geld in „Kobolderz“ investiert hat, kann sich über einen Gewinn von über 100 Prozent freuen. Das nach den frechen Hausgeistern benannte Metall Kobalt hat sich innerhalb eines Jahres von 25 000 Dollar pro Tonne auf 57 500 Dollar verteuert. Dies liegt vor allem an den elektrischen Eigenschaften des Elements. Bei den meisten Lithium-Ionen-Batterien besteht die eine Elektrode aus einer Lithium-Kobalt-Legierung und die andere aus Graphit. Die Nachfrage nach diesen drei Stoffen steigt mit jeder Nachricht über Elektroautos. Der Think Tank „Bloomberg New Energy Finance“ schätzt, dass sich die globale Produktionskapazität für Batterien von heute 103 Gigawattstunden (gWh) in den nächsten vier Jahren auf 273 gWh mehr als verdoppeln wird.

Das schwächste Glied in der Lieferkette ist dabei Kobalt. Mit einem Marktanteil von knapp 60 Prozent ist die Demokratische Republik Kongo der wichtigste Lieferant von Kobalterz. Dieses wird dann in China verhüttet. China bestreitet knapp die Hälfte der globalen Produktion von 100 000 Tonnen an raffiniertem Kobalt pro Jahr. Insbesondere die Abhängigkeit von Kongo ist ein Problem: In den letzten Monaten sind dort wieder Unruhen aufgeflammt und Beobachter befürchten eine Rückkehr des Bürgerkriegs. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte bezeichnete die kongolesische Kasai-Region zuletzt als eine „Landschaft des Horrors“, nachdem dort eine Miliz Kleinkindern Gliedmaßen abgehackt und Schwangeren den Bauch aufgeschlitzt hatte. Ein weiteres Problem ist Kinderarbeit im Kleinbergbau, aus dem rund ein Fünftel der kongolesischen Kobaltproduktion stammt. Mark Dummett von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sagte zur Situation im Kongo: „Das glamouröse Marketing neuester Technologien steht im Kontrast zu Kindern, die Säcke voller Steine schleppen, und zu Bergleuten, die in engen Tunneln schwere Lungenschäden riskieren.“

Nur Spott für Elon Musk

Im Gegensatz dazu ist die Lithiumproduktion auf mehrere Länder verteilt, die politisch stabiler sind als der Kongo. Australien, Chile und Argentinien sind die wichtigsten Produzenten des Leichtmetalls. Doch auch dieses wird teurer: In den letzten zwei Jahren hat sich der Preis pro Tonne Lithiumkarbonat auf rund 20 000 Dollar mehr als verdreifacht. Die globale Jahresproduktion ist aus Bergbausicht allerdings winzig: Sie lag vorletztes Jahr bei 185 500 Tonnen Lithiumkarbonat respektive 35 000 Tonnen reinem Lithium. Letzteres entspricht einem Würfel mit 40 Meter Kantenlänge. Aus diesem Grund gibt es auch keinen eindeutigen Marktpreis, sondern nur Schätzungen von Marktbeobachtern. Dank des Preisanstiegs wird die Lithiumproduktion ausgeweitet. Analysten von The Lithium Spot erwarten, dass diese im Jahr 2018 auf knapp 300 000 Tonnen Lithiumkarbonat und im Jahr 2019 auf über 350 000 Tonnen steigen wird. Der Marktexperte Joe Lowry befürchtet aber, dass das nicht reicht und „mangelndes Lithiumangebot signifikante Probleme für die Batterie-Lieferkette im Jahr 2023 verursacht“.

Lowry spottet denn auch über Elon Musk, den Chef des Elektroautoherstellers Tesla: „Elon Musk scheint zu denken, dass, wenn er Autos baut, dann auch das Lithium kommt. Seine chaotische Lieferkette für Batterien sollte ihn aber davon überzeugen, sein kreatives Denken auf die banale Frage zu verwenden, wo die gigantischen Mengen an Lithium herkommen sollen, die er braucht.“ Musk baut derzeit die größte Batteriefabrik der Welt, die Gigafactory.

Graphit gibt’s auch in Deutschland

Der dritte Rohstoff für die Herstellung von Batterien ist kein Metall, sondern besteht aus Kohlenstoff. Der mit Abstand größte Produzent ist China mit einem Marktanteil von 80 Prozent. Graphitvorkommen sind allerdings besser über die Welt verteilt: In der Türkei und in Brasilien gibt es größere Reserven als in China. Selbst in Deutschland wird Graphit abgebaut, im bayrischen Kropfmühl. Die globale Jahresproduktion liegt bei 2,2 Millionen Tonnen. Davon wird nur ein kleiner Teil zur Herstellung von Batterien verwendet. Benchmark Mineral Intelligence (BMI) schätzt, dass der Graphitverbrauch für Batterien von 80 000 Tonnen (2015) auf 250 000 Tonnen im Jahr 2020 steigen wird. Für Batterien geeignetes Graphit kostet derzeit 3 000 Dollar pro Tonne und BMI erwartet einen Preisanstieg auf gut 4 000 Dollar. Die Buchhalter der Batteriefabrikanten wird also nicht das Graphit in ihren Bleistiften reuen, sondern die Menge an Kobalt und Lithium in ihren Produkten.