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Der Preis ist heiß

Ein Start-up aus Meißen verrät Baufirmen, wie sie jede Ausschreibung gewinnen können.

© Hanno Hanstein

Von Stephan Hönigschmid

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Meißen. Für Inhaber von kleinen Handwerksbetrieben ist es in der Regel eine lästige Pflicht, sich spät abends noch einmal hinzusetzen und Angebote für öffentliche Ausschreibungen zu erstellen. Erschwerend hinzu kommt die Unsicherheit, mit welchen Preisen sie überhaupt kalkulieren müssen, um am Ende erfolgreich zu sein. Schnell stellen sich die Unternehmer dann die Frage, ob es sinnvoll ist, die tatsächlichen Kosten in Rechnung zu stellen oder ob sie lieber deutlich niedriger ansetzen sollten, um den Auftrag auch ja zu bekommen.

Am Ende gleicht der Vorgang dem berühmten Lesen in der Glaskugel und ist folglich wenig befriedigend. Dieser Meinung war auch Falko Zschunke (45) vom Meißner Start-up BauDV. Anstatt jedoch zu jammern, überlegte sich der Unternehmer gemeinsam mit den Informatikern Harald Wendel (38) und Tobias Rothe (39) eine vielversprechende Lösung. „Wir haben in den vergangenen zwei Jahren einen Algorithmus entwickelt, der bei sämtlichen öffentlichen Ausschreibungen in Deutschland den Vergabepreis ziemlich genau vorhersagt.

Die Abweichung liegt bei maximal 3,5 Prozent“, sagt Zschunke. 400 Gigabyte Daten aus 4 000 Ausschreibungen werden dazu gegenwärtig in Sekundenschnelle gesichtet und mit den auf www.baudv.com hochgeladenen Ausschreibungstexten verglichen.

„Jeder kann unsere Anwendung unkompliziert online nutzen, ohne dass er dafür etwas installieren muss“, so Zschunke. Möglich wurde der elektronische Vergleich der Ausschreibungsdaten, nachdem der Gemeinsame Ausschuss Elektronik im Bauwesen, kurz GAEB, in Bonn Ende der 1990er Jahre ein elektronisches Format für Bau-Ausschreibungen entwickelt hatte.

Seit dieser Zeit spukte die Idee für den Algorithmus samt eignem Start-up im Kopf von Falko Zschunke herum. „Ich kenne mich in der Branche gut aus, weil ich in den 1990er Jahren selbst eine Baufirma hatte. Die elektronische Verarbeitung der Daten habe ich sofort als Chance begriffen, weil sich diese durch den technischen Fortschritt auch in großen Mengen analysieren und sortieren lassen“, sagt der gelernte Baumeister.

Er könne sich noch gut daran erinnern, wie er früher selbst Kalkulationen erstellt habe, die sich nach Ort und Jahreszeit orientierten. „Ein guter Kalkulator wusste damals beispielsweise, dass er in Leipzig höhere Preise nehmen kann als in Dresden, weil in der Landeshauptstadt durch die große Zahl von Baufirmen aus der Lausitz die Margen niedriger waren.“ Dennoch sei das natürlich alles nicht so genau gewesen. Die Digitalisierung biete da ganz neue Möglichkeiten, so Zschunke.

Allerdings gibt der Unternehmer auch zu bedenken, dass er es bei Bauunternehmen diesbezüglich besonders schwer hat. „Die Baubranche ist irgendwie ziemlich traditionell. Die sträubt sich noch sehr gegen IT-Innovationen“, sagt der 45-Jährige. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ihm die Unternehmen aus der Region seit der offiziellen Firmengründung im Juni bisher noch nicht die Bude eingerannt haben. Und das, obwohl pro analysierter Position in einer Ausschreibung gerade einmal 20 Cent fällig werden.

„Es ist zunächst etwas schleppend angelaufen. Mittlerweile bieten wir aber Musterausschreibungen an, die immer beliebter werden. Auf diese Weise haben wir bereits einigen Firmen zu Aufträgen verholfen“, sagt Zschunke. Besonders hoch liegt die Trefferquote unter anderem bei Malerarbeiten und im Trockenbau. Mit Blick aufs Dachdecken, den Heizungsbau sowie Elektroinstallationen ist die Datenbasis indes noch recht gering.

„Diesen Firmen würden wir daher besonders gute Konditionen anbieten“, sagt Zschunke, der die Leistungen des Start-ups Schritt für Schritt ausbauen will. „Unser Ziel ist es, auch für Vergabestellen tätig zu werden. So könnten wir beispielsweise der Stadt Meißen punktgenau mitteilen, welches Budget sie für eine neue Brücke einplanen muss“, sagt Zschunke und fügt an: „Außerdem kann eine Firma, die eine Vergabe gewinnt, über unsere Plattform Subunternehmer finden.“

Herzstück soll jedoch eine Kooperation mit der Industrie werden. So ist geplant, dass die Unternehmen, die ihre Ausschreibung hochladen, ähnlich wie bei Google Werbeeinblendungen sehen. „Wenn in der Ausschreibung zum Beispiel die Position Farbe auftaucht, werden dort verschiedene Angebote angezeigt. Für jedes verkaufte Produkt bekommen wir dann eine Provision“, erklärt der 45-Jährige das Modell.

Obwohl das Geschäft von BauDV mit dem Algorithmus, der die Texte vergleicht, steht und fällt, ist er nicht geschützt. „Es handelt sich um Open Source. Wir haben aber keine Angst vor Nachahmern.“ Er und seine zwei Kompagnons, die sonst in Estland bei einer Bank und in Boston bei einer Fluggesellschaft arbeiten, hätten über zwei Jahre neben der Arbeit daran getüftelt. „Das war ein Kraftakt. So schnell macht uns das bei der Komplexität niemand nach“, so Zschunke.

www.baudv.com