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Der Qualm hat sich längst verzogen

Seit zehn Jahren darf in deutschen Gaststätten nicht mehr geraucht werden. Gastwirte sehen mehr Vor- als Nachteile.

© Dietmar Thomas

Von Verena Toth und Susanne Sodan

Region Döbeln. Einen ganzen Raum hat Inhaberin Denise Klette im Old Town Pub in Döbeln für diejenigen reserviert, die es doch nicht lassen können: das Rauchen. Doch genutzt wird der Raucherraum in den vergangenen Jahren eigentlich immer seltener, stellt die Gastwirtin fest. „Die Leute gehen meist viel lieber raus. Das sind sie ohnehin jetzt so gewöhnt“, sagt sie.

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Vor zehn Jahren wurde die Diskussion um das Rauchen in Gasträumen jedoch noch äußerst hitzig geführt. Denn mit dem Inkrafttreten des Nichtraucherschutzgesetzes im Jahr 2008, das Raucher entweder in spezielle Räume oder erstmals ganz aus den Gaststuben verbannte, waren die Befürchtungen groß, dass dadurch vor allem kleinere Gaststätten und Bars dem Untergang geweiht sind. Nun, zehn Jahre später sind rauchfreie Kneipen, Diskotheken und Restaurants in Deutschland eine Selbstverständlichkeit. Wie sehr sie sich schon daran gewöhnt habe, merke sie, wenn sie in Österreich ein Lokal besucht. Dort sollte das Rauchverbot in der Gastronomie ab Mai gelten, doch die rechtspopulistische FPÖ hatte das Verbot wieder gekippt.

Denise Klette erinnert sich auch noch allzu gut an die Zeit, in der sie dem Qualm tagtäglich ausgesetzt war. „Damals war das eben so, es durfte überall geraucht werden“, erzählt sie. Alles andere als angenehm sei es für sie aber auch damals schon gewesen. „Für die eigene Gesundheit war das natürlich besonders belastend. Und die Kleidung und die Haare haben immer sehr unangenehm nach kaltem Rauch gerochen.“ Um so mehr weiß sie es heute zu schätzen, dass das Gesetz mittlerweile von allen respektiert und von den meisten auch geschätzt wird. „Das ist für uns Gastronomen und auch für alle Gäste wesentlich angenehmer und gesünder“, so Denise Klette.

Auch im Döbelner Bürgergarten hat sich das Rauchverbot längst eingebürgert. „Einen Nachteil kann ich darin überhaupt nicht sehen“, sagt Inhaber Lars Lemke, der seit 2001 im Gastroniegeschäft ist. Eher das Gegenteil sei der Fall. Vor allem in einem Speiselokal wie dem seinen, wollen die Gäste ihr Essen ohne störenden Zigarettenqualm genießen. „Für die Raucher gibt es im Außenbereich einen festen Punkt. Da hat sich auch in den vergangenen Jahren keiner darüber beschwert, nach draußen gehen zu müssen“, sagt der Gastwirt.

Seine Berufskollegin Katrin Kreyser, Chefin im Waldheimer Ratskeller, macht ganz ähnliche Erfahrungen. Doch damals, als das Gesetz eingeführt worden ist, sah es noch etwas anders aus. „Die Situation hatte sich regelrecht hochgeschaukelt, die gegensätzlichen Lager prallten aufeinander. Da gab es am Anfang durchaus einige Gäste, die nicht einsehen wollten, dass sie ihr Bier oder ihren Wein ohne die Zigarette genießen müssen“, erinnert sich die Gastwirtin.

Das habe sich mittlerweile aber gründlich geändert. „Manchmal macht der eine oder andere mal noch einen Scherz und fragt nach dem Aschenbecher. Aber generell ist das für alle jetzt normal, dass Raucher ihre Zigaretten ausschließlich draußen genießen“, sagt sie. Eine große Rolle spiele zudem die Jahreszeit und das Wetter. „Ab April wollen die Leute ohnehin draußen sitzen. Damit erledigt sich das Problem automatisch. Ein Rauchen-verboten-Schild brauche sie gar nicht mehr in der Gaststätte. „Das ist für alle heute selbstverständlich“, freut sie sich. Nicht nur für ihre eigene Gesundheit und die ihrer Mitarbeiter habe die Gesetzesänderung vor zehn Jahren einen großen Vorteil gebracht. „Früher musste der Gastraum alle zwei Jahre komplett renoviert werden. Alle Textilien haben unter dem Qualm gelitten, der Rauch hat sich überall festgesetzt. Heute sieht das viel besser aus“, freut sich Katrin Kreyser. Da reichen alle paar Jahre hier und da einige Schönheitsausbesserungen und der Geruch im Gastraum sei ebenfalls wesentlich angenehmer.

Wie viele Gastronomiebetriebe seit 2008 in Sachsen geschlossen haben – und ob das Rauchverbot schuld war – lässt sich schwer ermitteln. Die Dehoga Sachsen als Berufsorganisation des Gastgewerbes führt dazu keine Statistik. Das Statistische Landesamt Sachsen hat ermittelt, dass es 2015 im Freistaat 2 146 Schankwirtschaften, Bars und sonstige „getränkegeprägte“ Gastronomie-Einrichtungen gab. Zehn Jahre zuvor waren es in der „Getränke-Sparte“ insgesamt 3 213 Einrichtungen, allerdings wurden die Betriebe damals in anderen Kategorien erfasst, was einen Vergleich erschwert. Auch über die Gründe für Schließungen können die reinen Zahlen keine Auskunft geben. Gerade für ländliche Gastronomien ist schon seit geraumer Zeit zum Beispiel auch der Nachwuchsmangel ein großes Problem.