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Der Regen wird zum Leitmotiv

Das Wetter bleibt der Modenacht treu. Doch weder Besucher noch Models lassen sich entmutigen. Dafür sorgen heiße Rhythmen und ein Dach überm Laufsteg.

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© Claudia Hübschmann

Von Marcus Möller

Meißen. Alter Verwalter“, kommentieren die Mitarbeiter hinter dem Mischpult den unaufhörlich schüttenden Regen. Auf dem Meißner Marktplatz ist wieder Modenacht. Und wieder reihen sich die Regenschirme aneinander – ein Bild, das Modenacht-Routinier Thomas Margenberg schon vom vergangenen Jahr kennt. Gewohnt ist er es trotzdem nicht – dafür ist der Betreiber vom Pelzhaus Hempel zu perfektionistisch. Klar sei es toll, dass trotz des Regens so viele Leute zur Modenacht kommen – aber er wisse eben auch, wie viel mehr Leute bei gutem Wetter da sein könnten. Doch steuern lassen sich die Launen des Wetters nun mal nicht, nur beobachten. Und so sind sie auch dieses Jahr vor Beginn der Show wieder allgegenwärtig – die Wetterapps auf den Smartphones.

Keine Chance für Nässe und Kälte: Das Interesse für Bekleidung und Accessoires aller Art war wieder groß.
Keine Chance für Nässe und Kälte: Das Interesse für Bekleidung und Accessoires aller Art war wieder groß. © Claudia Hübschmann

Die Band Mercurius stimmt die Gäste mit berühmter Filmmusik ein. Als der optimistisch kämpferische Soundtrack aus „Fluch der Karibik“ erklingt, scheint der Mut der Meißner tatsächlich zu wachsen. Sie lassen sich die Modenacht nicht verregnen, sondern machen den Regen zur Mode.

In Vorbereitung auf das schlechte Wetter wurde der Laufsteg diesmal überdacht und dafür drei Meter verkürzt. Die Winzergenossenschaft stellt Regenschirme zur Verfügung. Unter der Woche war derweil unklar, ob die Modenacht überhaupt stattfinden könnte: „Der Wetterbericht vom Montag war dermaßen schlecht, dass wir schnell Lösungen brauchten“, sagt Andreas Krause vom Gewerbeverein. Der Gedanke, die Modeschau ins Rathaus zu verlegen, wurde schnell verworfen. Zum einen ist dort nicht genügend Platz für die Zuschauer, zum anderen würden auch die Gastronomen – seit jeher fest integriert ins Modenacht-Konzept – außen vor bleiben.

Letztes Jahr, bei ähnlicher Wetterlage, hellte der Himmel kurz vor der Show auf. Diesmal regnet es durchgängig – mal stärker, mal schwächer. Es bleibt den Models und der Mode überlassen, den Zuschauern warme Gedanken zu machen. Dass die Modenacht das kann, daran lässt sie auch dieses Jahr keinen Zweifel. Die vom Modeteam Dresden einstudierte Intro-Performance stellt mit sommerlich kraftvollen Rhythmen, symmetrischen Bewegungen und kurzer, hautenger Kleidung einen wirkungsvollen Kontrast zum Wetter da.

Das Pelzhaus Hempel macht den Auftakt mit gut zum Wetter passender Mode. Die folgenden 14 Teilnehmer sorgen für ein ausgesprochen vielseitiges Programm: Von Winterklamotten über karierte Schlafanzüge, Sommerbekleidung, schwebende Schuhe, Brillen und Handtaschen wird hier wirklich alles präsentiert, was die Meißener Modegeschäfte aufzubieten haben.

Zwischendurch läuft sogar ein „Feuerwehreinsatz“ auf dem Laufsteg, als Greenbury-Handtaschen aus alten Feuerwehrschläuchen vorgestellt werden. Die dürften garantiert wasser- und regenfest sein. Ein agiler Breakdancer springt mit ein paar Saltos über die Bühne.

Und wer geglaubt hat, bei diesem Wetter würde auf Unterwäscheshows verzichtet, der irrt. Ob die Models da nicht frieren? „Wir sind solche Dinge als Models ja gewohnt“, sagt Vivian Möbius vom Modeteam Dresden. Außerdem seien die Scheinwerfer ohnehin so warm, dass man nicht fröstele. Die 22-Jährige ist zum ersten Mal bei der Modenacht dabei, lobt die „wunderschöne Modeschau“ und ihre Händler. Sie hoffe sehr, im nächsten Jahr wieder dabei sein zu können. Selbst wenn es dann wieder regnen sollte.

Den Schlusspunkt der Show setzt das Geschäft Brautzauber. Just in dem Moment, als die vier Bräute die Bühne betreten, kommt noch einmal eine kräftige, feuchte Windböe. Doch es bleibt alles trocken – die Modenacht wird wieder mal gekonnt durch den Regen geführt.

Das Ganze hat ja auch einen besonderen Charme – die widrigen Umstände und der glänzende Laufsteg. Dennoch ist Thomas Margenberg und Co. zu wünschen, dass der Regen nicht zur Modenacht-Tradition wird.