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Döbeln

Der Retter der letzten Dampfmaschine

Dieter Kranz feiert seinen 80. Geburtstag. Ihm verdankt Roßwein ein gut erhaltenes Technisches Denkmal.

Der Retter der letzten Roßweiner Dampfmaschine Dieter Kranz wird an diesem Freitag 80 Jahre alt. Für sein Engagement und seine fachliche Kompetenz wird er weit über die Stadtgrenzen hinaus geschätzt.
Der Retter der letzten Roßweiner Dampfmaschine Dieter Kranz wird an diesem Freitag 80 Jahre alt. Für sein Engagement und seine fachliche Kompetenz wird er weit über die Stadtgrenzen hinaus geschätzt. © André Braun (Archiv)

Roßwein/Döbeln. Es klingt fast wie im Märchen, in dem Stroh zu Gold gesponnen werden soll. In diesem Fall handelt es sich um einen Schrotthaufen. Aus dem ist tatsächlich ein Schmuckstück geworden. Und der Döbelner Dieter Kranz, der an diesem Freitag 80 Jahre alt wird, hat großen Anteil daran.

Die Rede ist von den inzwischen zwei originalgetreu restaurierten Dampfmaschinen, die in der ehemaligen Tuchfabrik an der Roßweiner Stadtbadstraße gelegentlich noch wie am Schnürchen laufen. Das hätte sich vor reichlich 15 Jahren niemand vorstellen können – nicht einmal die später Beteiligten selbst. 

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2002 hatte das Muldenhochwasser auch die Hanomag-Dampfmaschine Baujahr 1911 geflutet. Noch vier Jahre später war die Technik schlammverkrustet. Ein Schrotthaufen, wie der Döbelner Unternehmer Ulrich Kuhn gern zugibt, der ebenfalls zu den Rettern der alten Technik gehört. Kuhn beschreibt seinen Mitstreiter als innovativen Menschen mit großem technischen Verständnis.

Als Diplom-Ingenieur für Verkehrstechnik ist Dieter Kranz ein gefragter Gutachter gewesen, mancher hat seine Verkehrsteilnehmerschulungen besucht, um im Straßenverkehr fit zu bleiben. Vor allem Döbelner kennen ihn noch unter dem Namen Holz-Kranz. Das kommt einfach davon, weil zunächst der Vater und später der Sohn einen Holzhandel an der Teichstraße führten. 

„Sie waren Lieferanten des zu DDR-Zeiten begehrten Bauholzes“, erinnert sich Jörg Liebig von der Denkmalschutzbehörde des Landkreises Mittelsachsen. Er durfte den Roßweiner Dampfmaschinenverein unter Leitung von Dieter Kranz 2012 mit dem Denkmalpreis Mittelsachsens auszeichnen.

„Ich schätze Dieter Kranz als Fachmann und Macher sehr“, sagt Liebig. Kranz sei zielstrebig. „Auf diesem Weg verlangt er seinen Mitstreitern mitunter weit Überdurchschnittliches ab und lebt es vorbildhaft vor“, findet der Denkmalschützer. 

„Aber wohl nur mit diesem enormen Schrittmaß war es möglich, die wirklich extreme Aufgabe zu erfüllen“, denkt Jörg Liebig. „Ohne Dieter Kranz gäbe es mit Sicherheit keine betriebsfähige Dampfmaschine in Roßwein mehr und die Technik wäre den Weg der Verschrottung gegangen“, ist er überzeugt.

Diesen Verlust will sich Reinhard Zerge gar nicht vorstellen. Der einstige Chef der Döbelner Stadtwerke hat als Kind die Dampfmaschine in Roßwein noch „schnaufen“ hören. Keine Frage, dass sein Unternehmen zu Beginn mit anderen Firmen der Region half, den Dampfkessel in Ordnung zu bringen. Als früherer Roßweiner freut er sich über das Technische Denkmal Dampfmaschine, das Zerge neben der Kamelie als eines der Aushängeschilder der Stadt sieht.

„Andere haben eine Burg, wir eine, indes sogar zwei funktionstüchtige Dampfmaschinen“, so Bürgermeister Veit Lindner. Er sei froh und dankbar für die Kraft und Zeit, die Kranz und seine Mitstreiter in die alte Technik und damit einen „Roßweiner Schatz“ gesteckt haben. (DA/sig)

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