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Der Rücken ist das Problem

Arbeitnehmer in der Region fallen öfter und länger aus. Besonders eine Diagnose macht den Menschen zu schaffen.

© dpa

Von Franz Werfel

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Pirna. Auch im Jahr 2016 waren Arbeitnehmer im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wieder häufiger krankgeschrieben als die Menschen im sächsischen und bundesweiten Durchschnitt. Das geht aus dem Gesundheitsreport der Barmer-Krankenkasse hervor. Für ihre aktuelle Analyse hat sie die Krankendaten ihrer Versicherten aus dem Jahr 2016 ausgewertet. Diese können als valide auch für Versicherte anderer Krankenkassen zählen, denn die Barmer ist mit ihren 380 000 Versicherten die zweitgrößte Krankenkasse in Sachsen. Mehr Versicherte im Freistaat hat nur die AOK Plus, derzeit sind es rund 2,2 Millionen Menschen.

Unterschiede in Stadt und Land

Am seltensten krankgeschrieben in Sachsen waren die Dresdner. Mit einem Krankenstand von 4,64 Prozent lagen die Bürger der Landeshauptstadt sogar noch unter dem Bundesdurchschnitt von 4,84 Prozent. Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge liegt leicht über dem sächsischen Schnitt und kommt auf einen Krankenstand von 5,24. Diese Zahl bedeutet, dass an einem normalen Werktag von 1 000 Beschäftigten in der Region 52 krank waren. Im Schnitt wurde jeder Arbeitnehmer im Kreis 1,5-mal im Jahr krankgeschrieben und hatte insgesamt 19,1 gemeldete Krankentage. Bundesweit liegt der Schnitt bei 17,7 Krankentagen. Von 2014 bis 2016 ist der Krankenstand von 4,8 auf 5,2 Prozent gestiegen. Wenn Menschen krankgeschrieben wurden, mussten sie sich auch länger zu Hause auskurieren.

Waren es 2011 in Sachsen durchschnittlich noch 18 Fehltage pro Person, so sind es nun schon 19. Während der Landkreis im sächsischen Mittelfeld liegt, fällt auf, dass Arbeitnehmer in Nordsachsen und in den beiden ostsächsischen Landkreisen Bautzen und Görlitz deutlich öfter krankgeschrieben waren. Auch zeigt der Bericht, dass es große regionale Unterschiede bei den Ursachen für Arbeitsausfälle gibt. Während Dresdner am häufigsten wegen psychischer Probleme nicht zur Arbeit gehen konnten, gilt in vielen ländlichen Regionen der Rücken als oberster Jobkiller.

So auch im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge: Bei vier Fehltagen pro Arbeitnehmer wurde eine Krankheit des Muskel-Skelett-Systems diagnostiziert, drei Fehltage kamen durch Erkrankungen der Atemwege zustande. Wegen psychischer Krankheiten blieb ein Arbeitnehmer im Schnitt 2,8 Tage der Arbeit fern, Verletzungen waren bei 2,2 Tagen je Beschäftigtem der Grund für eine Krankschreibung. „Es ist erfreulich, dass die Fehltage bei all diesen Erkrankungen abgenommen haben“, sagt Tino Schwabe, Regionalgeschäftsführer der Barmer in Pirna. „Dennoch ist der Krankenstand insgesamt gestiegen und liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt.“

Wie andere Krankenkassen auch, will die Barmer mit der Gesundheitsvorsorge dort ihre Versicherten erreichen, wo sie sich oft aufhalten und wo viele Krankheiten entstehen: direkt am Arbeitsplatz. Deshalb hat sie ihre Angebote zum betrieblichen Gesundheitsmanagement ausgebaut. „Der Gesundheitsreport belegt, dass für die Gesundheit der Mitarbeiter eine Balance zwischen Beruf und Privatleben, zwischen Stress und Entspannung wichtig ist“, so Tino Schwabe. Er ist überzeugt, dass die Gesundheitsvorsorge in den Betrieben dafür einen wichtigen Beitrag leisten kann.

Diesen Eindruck teilt Constanze Wachsmann. Sie leitet das Dresdner Büro der auf Personalführung spezialisierten Kienbaum Unternehmensberatung. Bei vielen größeren mittelständischen Unternehmen gehöre es heute schon zur Unternehmenskultur, die eigenen Leute fit zu halten. „Das betriebliche Gesundheitsmanagement ist eine Investition, die sich auf jeden Fall lohnt“, so Wachsmann. Es gehe nicht nur um physische Belastung und Arbeitsschutz, auch der Arbeitsstress nehme zu – und damit die psychischen Belastungen der Mitarbeiter.

Viele Firmen helfen nach

Deshalb geht Tino Schwabe seit Jahren auf Firmen und Verwaltungen in der Region zu. Die Barmer vermittelt Gesundheitsexperten, Berater und Trainer in die Betriebe – je nach Bedarf. Dieser Service sei kostenlos und unabhängig davon, ob und wie viele Mitarbeiter bei der Barmer versichert seien. Firmen müssen nur die Honorare der Referenten übernehmen. „Wir bieten Stresstests an, Augen- und Herzuntersuchungen, vermitteln zu Rückenschulen und Präventionskursen, klären über hilfreiche Büromöbel wie höhenverstellbare Tische auf oder holen einen Lach-Yoga-Lehrer direkt in die Firma“, sagt Tino Schwabe. Gesundheitsaktionen hat er unter anderem schon bei den Verwaltungsmitarbeitern in Pirna oder im Landkreis angeboten, bei den Stadtwerken Pirna, dem Uhrenhersteller A. Lange & Söhne in Glashütte oder der Fahrzeugelektrik Pirna. In speziellen Seminaren für Führungskräfte will die Barmer diese dafür sensibilisieren, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter im Blick zu haben.

Unternehmer sollten ihren Angestellten gerade dann, wenn die Auftragsbücher voll sind, Zeit für die betriebliche Vorsorge geben, empfiehlt Tino Schwabe. „Dann ist das Stresslevel sowieso schon hoch“, sagt er.