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Der schlaue Stromzähler kommt

Die Stadtwerke Elbtal müssen 36 000 Stromzähler wechseln. Die neuen können nicht viel mehr als die alten.

© Norbert Millauer

Von Peggy Zill

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Radebeul. Der Abschied naht: Der vertraute schwarze Zähler mit der Drehscheibe hat ausgedient und wird durch digitale Zähler ersetzt. Im Januar beginnen die Stadtwerke Elbtal mit dem Wechsel. Bis 2032 sollen alle Verbraucher mit der modernen Zähltechnik ausgestattet sein.

Was können die neuen digitalen Stromzähler alles?

Es gibt zwei verschiedene Systeme. Die moderne Messeinrichtung und das intelligente Messsystem. Bei der modernen handelt es sich um einen Stromzähler mit digitaler Anzeige, der ein bisschen mehr kann, als der alte. Die Kunden können die Zähler mit Taschenlampe oder über Tasten bedienen und sich über ihren aktuellen Stromverbrauch, den des letzten Tages oder Monats informieren. Zum Ablesen muss trotzdem jemand vorbeikommen. Außer bei den Stadtwerken Elbtal. Hier sind die meisten Kunden sowieso Selbstableser.

Intelligent, also zum Smart-Meter, wird der Stromzähler erst, wenn er mit einer Kommunikationseinheit ausgestattet ist. Die sendet Daten an den Messstellenbetreiber. Die Kunden können ihren Verbrauch online anschauen.

Wer bekommt schlaue Zähler, wer nur moderne?

Wer weniger als 6 000 Kilowattstunden Strom verbraucht, bekommt einen modernen Zähler. Das sind bei den Stadtwerken Elbtal 90 Prozent der Kunden. Laut Annett Müller-Bühren, kaufmännische Geschäftsführerin, sind das 32 000 Stromzähler. Knapp 3 000 werden mit Smart-Metern ausgerüstet. Das sind meist Großkunden aus Industrie und Gewerbe.

Was kostet der Austausch und wie läuft er ab?

Jeder Kunde bekommt vorab Post, in der der Wechsel angekündigt wird. Ab Januar sollen die ersten neuen Zähler eingebaut werden.

Für die Kunden, die nur einen modernen Zähler eingebaut bekommen, entstehen keine zusätzlichen Kosten. Wer einen intelligenten bekommt, zahlt einen höheren Grundpreis.

Kosten für die Umstellung entstehen vor allem für die Stromanbieter. „Kostentreiber sind dabei nicht die Zähler an sich, sondern die Datenverarbeitung“, erklärt Annett Müller-Bühren. Es muss ein neues Rechenzentrum errichtet werden. Die Stadtwerke könnten das allein nicht kostendeckend umsetzen. Deshalb werden sie der Digimeto GmbH & Co. KG beitreten. Das ist ein Unternehmen, das Drewag und Enso gegründet haben und dem sich vier kommunale Energieversorger anschließen. Fast eine Million Zähler müssen gewechselt werden. Investiert wird ein zweistelliger Millionenbetrag. Geld, das dank der Zusammenarbeit in der Region bleibt.

Wie sind die Daten über Stromverbrauch geschützt?

Im Roman „Blackout“ haben Angreifer Smart-Meter manipuliert, um das europäische Stromnetz lahmzulegen. Es kommt fast zum Bürgerkrieg. Ein Szenario, vor dem man sich in Zukunft nicht fürchten muss. Denn der Datenschutz spielt eine wichtige Rolle bei der Umrüstung, wie Madeleine Stefanski von der Digimeto erklärt. Die Anforderungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) seien hoch. In einem aufwendigen Zertifizierungsverfahren werden das Unternehmen und die intelligenten Messsysteme auf Herz und Nieren geprüft und getestet. Erst wenn die Sicherheitsanforderungen erfüllt sind, wird ein entsprechendes Prüfsiegel erteilt. Sobald es drei Systeme auf dem Markt gibt, können sie verbaut werden. Annett Müller-Bühren rechnet damit, dass es dieses Anfang 2019 geben wird.

Welche Vorteile haben die neuen Zähler?

Noch ist vieles Zukunftsmusik. Aber denkbar wäre zum Beispiel ein kommunales Energiemanagement. Städte und Gemeinden können den Stromverbrauch einzelner Gebäude mit anderen vergleichen und erhalten so zum Beispiel Entscheidungsgrundlagen für energetische Sanierungen. Möglich wäre laut Annett Müller-Bühren auch, dass der Wasserverbrauch erfasst wird. „Wenn dieser stark steigt, kann schnell nach den Gründen gesucht werden.“ Für die Wohnungswirtschaft bietet das neue System Vorteile. Die können ihre Betriebskosten schneller erfassen.

„Möglichkeiten und Ideen gibt es viele“, sagt Madeleine Stefanski. Die Fernsteuerung der Heizung oder andere Smarthome-Anwendungen gibt es zwar jetzt schon, mit dem Smart-Meter ließe sich das in Zukunft bündeln. Während Alexa zum Beispiel über das Internet kommuniziert und man nicht weiß, wo die Daten herumschwirren, landen sie bei Digimeto in einem lokalen „Hochsicherheitstrakt“. Perspektivisch könnte der Stromverbrauch auch über eine Smartphone-App verglichen werden. Für die Stadtwerke werde auf jeden Fall die Abrechnung einfacher, sagt die Geschäftsführerin.