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Der Schlussmacher

Konstantin Werner hat keine Angst davor, schlechte Nachrichten zu überbringen. Hauptsache, er hat die Kontrolle.

© Christian Juppe

Von Juliane Richter

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Autofreunde, Besitzer von Oldtimer und Ost-Fahrzeugen aufgepasst.

So eine Beziehung kann schnell in die Brüche gehen. Konstantin Werner hat das selbst schon einige Male erlebt. Zuletzt, als er sich aus der Deckung der Fernbeziehung heraus in die erste gemeinsame Wohnung wagte. „Das Jahr davor hat alles gut geklappt. Aber nach anderthalb Monaten des Zusammenlebens war Schluss“, sagt der 30-Jährige mit einem Achselzucken. Mal ist es wie bei ihm der Alltag, der nicht funktioniert. Mal verliebt sich ein Partner in einen anderen Menschen.

Die Konsequenz bleibt, dass der eine dem anderen klarmachen muss, künftig ohne ihn leben zu wollen. Doch wie macht man richtig Schluss? Die Antwort darauf fällt Konstantin Werner schwer. „Ich weiß, wie man es nicht macht. Nämlich per SMS oder indem man sich gar nicht mehr meldet.“ Doch oft genug passiere genau das. Die Fronten sind verhärtet, der eine Partner ist den anderen leid oder hat sogar Angst vor ihm. Der 30-jährige, smarte Typ, der gern und rasant erzählt, bringt sich genau an diesem Punkt ins Spiel.

Seit Oktober ist er Dresdens Schlussmacher. Nach einer eigenen Berechnung glaubt er, dass in der Stadt etwa 650 potenzielle Kunden leben, die bei diesem Thema Hilfe benötigen. Seine Hilfe, wie er selbstbewusst sagt. Schon mehrmals habe er für andere Schluss gemacht – für 95 Euro pro Fall. Wie viele Fälle er genau hatte, will er nicht preisgeben. Aber gern berichtet er über den Ablauf dieses speziellen Services: Bei einem persönlichen Treffen erzählen seine Kunden, wie ihr Partner heißt und wo dieser anzutreffen ist. Manchmal zeigen sie auch ein Handyfoto. Werner geht dann zum angegebenen Zeitpunkt dorthin, bleibt vor der Türschwelle stehen und sagt seinen Standardspruch auf: „Mein Name ist Konstantin Werner. Ich leite ein Unternehmen, das Beziehungen beendet. Und mein(e) Klient(in) ist Ihr(e) Partner(in).“ Nicht jeder glaubt ihm das. Die Frage, ob er von der „Versteckten Kamera“ sei, gehört zu den harmlosen Formulierungen. Manchmal liest er deshalb einen Brief des Partners vor oder spricht sie als Identifikation zum Beispiel auf Tattoos an.

Vorab klärt er auch, ob der Verlassene gewalttätig ist. Dann nimmt Werner einen Sicherheitsmann zum Schutz mit. Die Arbeit ist für ihn immer wieder eine Überraschung. Eine 45-Jährige, die von ihrem deutlich jüngeren Freund verlassen wurde, rief nur „Pah. Das habe ich nicht nötig“, und schmiss die Tür zu. Ein zwei Meter großer Mann war wiederum so getroffen, dass er anfing zu weinen und Werner ihn in den Arm nahm. Trotz solcher Szenen empfindet er kein schlechtes Gewissen. „Ich weiß ja nicht, was die Leute für eine Beziehung geführt haben. Aus einer unglücklichen will ich ihnen auf jeden Fall heraushelfen.“ Manchmal übergibt er auch gleich noch einige persönliche Dinge seines Klienten. Ein Grundsatz ist jedoch, niemals die Wohnung zu betreten. Im Hausflur fühlt er sich sicherer, da werde niemand laut oder ausfällig.

Werner selbst ist derzeit Single, glaubt aber an die große Liebe. „Ich suche nach der einen perfekten Frau, die mich begeistert.“ Zehn Frauen, mit denen er langfristige Beziehungen geführt hat, konnten ihm das bisher nicht geben. Aber eine Frau hat er trotzdem fest ins Herz geschlossen: Chica himmelt ihn an und braucht ständig seine Aufmerksamkeit. Der Jack Russel Terrier ist fester Bestandteil seiner Wohngemeinschaft, die er mit einem anderen Mädchen führt. Von hier aus erledigt er auch den meisten Teil seiner Arbeit. Ein richtiges Büro gibt es noch nicht, ist aber geplant. Um das Geschäft weiter voranzubringen, hat Werner deshalb noch mehr Ideen – und einige auch schon umgesetzt. Zu seinen Angeboten gehört auch ein Treuetest. Für 175 Euro organisiert er eine Frau oder einen Mann, die „ins Beuteschema“ der zu testenden Person passen. Ein zufällig erscheinendes Treffen, eine eindeutige Reaktion des Getesteten – womöglich noch von einem Dritten fotografiert – und schnell kann eine Beziehung Geschichte sein. Konstantin Werner hat damit kein Problem. „Wenn jemand mich dafür bezahlt, dann bin ich das Arschloch.“

Nur bei einem Angebot waren die Reaktionen seiner Kunden zu negativ: Das perfekte Alibi, bei dem er gern auch mal geholfen hat, unerkannt einen Seitensprung zu begehen, hat er aus dem Portfolio genommen. Dafür erschließt sich der junge Geschäftsmann andere Themenfelder. Seit Neuestem ist er als Motivationscoach aktiv. Egal ob seine Kunden Abnehmen oder mit dem Rauchen aufhören wollen – er sei der Richtige, „der den Leuten auch mal in den Arsch tritt“. 19 Leute konnte er für seinen Gruppentreff bereits von sich und seinen Fähigkeiten überzeugen.

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