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Der Schneeball im Ofen

Box-Profi Marco Huck eröffnet am Samstag die Muhammad-Ali-Trophy. Die SZ erklärt den 50-Millionen-Dollar-Wettstreit.

© dpa

Von Alexander Hiller

Marco Huck macht den Auftakt. Der ehemalige Profiboxweltmeister im Cruisergewicht eröffnet am Sonnabend in der Berliner Max-Schmeling-Halle die World Boxing Super Series um die Muhammad-Ali-Trophy. Die was? Die Sächsische Zeitung klärt die wichtigsten Fragen rund um das spektakuläre Turnier in den zwei Gewichtsklassen Cruiser- und Supermittelgewicht – in dem es um einen Prämienpool von 50 Millionen US-Dollar gehen soll.

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Wer steckt hinter der World Boxing Super Series?

Ein Geflecht aus Promotern, Medien-Managern und Investoren. Die in Zürich ansässige Comosa AG tritt offiziell als Veranstalter der WBSS auf. Dahinter verbirgt sich unter anderem der ehemalige Schweizer Vermögensverwalter Richard Schaefer, der inzwischen als einflussreichster Box-Promoter weltweit gilt – unter anderem Chef der „Golden Boy Promotion“ von Ex-Star Oscar de la Hoya war und jahrelang Superstar Floyd Mayweather promotete. Sein Kollege Wilfried und dessen Sohn Kalle Sauerland, Chef des deutschen Boxstalls Sauerland Promotion, gehören dazu. Wie auch die führenden Schweizer Medienunternehmer Bernhard Burgener, Peter Martin van Büren (bd. Highlight Communications) sowie deren schwedische Kollegen Peter Nørrelund und Jørgen Madsen Lindemann (bd. Modern Times Group).

Welche Kämpfer nehmen teil?

Nach Veranstalterangaben die jeweils besten Boxer der Welt in beiden Gewichtsklassen. Was nicht ganz stimmt. Für die Zulassung gab es jedoch eine klare Vorgabe: Jeder Bewerber musste zu den besten 15 Kämpfern in einem der vier großen Weltverbände gehören: WBA, WBC, WBO und IBF. Die letztliche Auswahl traf die Comosa AG mit einer Gruppe aus Verbandsoffiziellen, Journalisten sowie Boxprominenz.

Im Cruisergewicht (bis 90,72 kg) kann sich die Startliste sehen lassen: Huck-Gegner Alexander Usyk aus der Ukraine ist aktueller WBO-Weltmeister und Nummer eins der unabhängigen Weltrangliste. Der Lette Mairis Briedis besiegte Marco Huck zuletzt deutlich und geht als WBC-Champion ins Rennen. Murat Gassiew (IBF) ist dritter Starter mit einem gültigen WM-Gürtel. Der Kubaner Yunier Dorticos wird offiziell als WBA-Weltmeister ins Turnier eingeführt, diesen Status müsste er aber längst verloren haben. Der 31-Jährige hat seit 16 Monaten keinen Kampf mehr bestritten. Neben Huck treten der Russe Dmitry Kudryashov (Nummer 10 der Weltrangliste), der Pole Krzysztof Wlodarczyk (Nr. 14) und der zweite Kubaner Mike Perez, der die meisten seiner 25 Profikämpfe im Schwergewicht bestritten hat, als Außenseiter an.

In der zweiten Gewichtsklasse, dem Supermittelgewicht (bis 76,203 kg), ist die Promidichte nicht so hoch. Der Brite Georg Groves ist WBA-Superchampion. Rob Brant (USA/Nr. 23), Jamie Cox (GB/Nr. 41), Chris Eubank (GB/Nr. 2), Erik Skoglund (Schweden/Nr. 11), Avnic Yildirim (Türkei/Nr. 9), Callum Smith (GB/Nr. 5) und der Schweriner Jürgen Brähmer (Nr. 12) – der im höheren Halbschwergewicht zu Hause ist, komplettieren das Feld. Brähmers letzter Kampf im Supermittelgewicht liegt fünf Jahre zurück. Die Weltmeister Gilberto Ramirez (WBO) und Andre Dirrell (IBF) hatten offenbar andere Pläne oder wurden vom eigenen Boxstall noch für unreif erachtet – wie der Berliner Tyron Zeuge (WBA).

Wie funktioniert der Modus der World Boxing Super Series?

In den zwei Gewichtsklassen treten je acht Kämpfer im K.-o.-System an. Das Turnier besteht aus einem Viertelfinale, Halbfinale und Finale. Es kommt somit zu sieben Kämpfen pro Limit und 14 Duellen insgesamt. Die Fights des Viertelfinales finden im September und Oktober des Jahres 2017 statt, im Januar und Februar 2018 kommt es zu den Halbfinals. Die Finalisten treffen anschließend im Mai 2018 aufeinander. Die Ausrichtungsorte richten sich nach nationalen Interessen.

Wie wird das Preisgeld verteilt?

Das wird nicht offen kommuniziert. Laut Veranstalter sollen die beiden siegreichen Kämpfer jeweils etwa zehn Millionen Dollar einstreichen. Marco Huck hat erst kürzlich eine Veranstalter-Info dementiert, nach der jeder Starter in der ersten Runde die Garantie-Summe von 400 000 Dollar erhalten sollen. „Jeder erhält eine andere Gage, ansonsten gilt: Man redet nicht über Geld“, sagte der 32-jährige Huck.

Woher stammt das Geld?

Auch das behält die Comosa AG sorgsam für sich. Dafür stehen zunächst Investoren bereit. In Amerika und vor allem England – vier Briten im Supermittelgewicht – sollen die Einnahmen im Pay-per-View wieder viel Geld in die Kasse zurückspülen. Der Verkauf der Fernsehrechte in Deutschland soll aber zäh gewesen sein.

Was passiert bei Verletzungen?

Für jeden Kampf der WBSS stehen für den Verletzungsfall Ersatzboxer bereit: Zum Beispiel die beiden deutschen Profis Noel Gevor (Cruiser-) und Vincent Feigenbutz (Supermittelgewicht). „Die haben da nichts zu suchen. Wenn das passiert, endet es im Klamauk“, sagt Box-Kenner Jean-Marcel Nartz, der für mehrere deutsche Boxställe als Matchmaker arbeitete.

Wie stehen die Chancen der beiden deutschen Starter?

Jean-Marcel Nartz drückt seinem Freund Jürgen Brähmer ganz fest die Daumen, der am 28. Oktober auf den zwölf Jahre jüngeren Amerikaner Rob Brant trifft. Nartz glaubt aber nicht an die sportliche Chance des inzwischen 38-Jährigen. „Ich wünsche ihm den Turniersieg, glaube aber nicht, dass er das Viertelfinale übersteht“, sagt er. Brähmer koste es zu viel Substanz, aus seiner eigentlichen Gewichtsklasse – in der er bis Oktober 2016 WBO-Weltmeister war – entsprechende Kilos abzukochen.

Huck habe in dem Turnier gar nichts zu suchen. „Alexander Usyk ist ihm um zehn Längen überlegen. Der müsste schon die Arme hängen lassen und sagen: komm, schlag mich. Im Prinzip hat Huck eine Chance wie ein Schneeball im Ofen“, sagt Nartz. Sein ukrainischer Kontrahent wurde bei den Amateuren Olympiasieger, Europa- und Weltmeister. Der 31-Jährige verfügt über ein nahezu endloses Schlagrepertoire und die nötige Power in den Fäusten.

Wo sind die Kämpfe im TV zu sehen?

Die Mediengruppe ProSiebenSat.1 sicherte sich die exklusiven Übertragungen für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Der Konzern wird von allen Veranstaltungen der Trophy live berichten, auch von den Finalevents im Mai 2018 in Las Vegas.

Der Huck-Kampf wird am Sonnabend ab 22.15 Uhr auf Sat.1 gezeigt.