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Der schüchterne Superökonom wird 60

Ben Bernanke hat alles erreicht in der Wirtschaftswelt. Sein Wort kann Börsen taumeln oder jubeln lassen. Nur am Edelweiß ist er gescheitert.

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© AFP

Washington. Für einen der mächtigsten Männer der Finanzwelt wirkt Ben Bernanke überraschend zurückhaltend. Der scheidende Chef der US-Notenbank Federal Reserve spricht seine marktbewegenden Worte stets mit ruhiger, fast ausdrucksloser Stimme. Große Gesten sind nicht seine Sache. Von den Partys der Reichen und Bedeutenden in Washington hält er sich fern, lieber erledigt er mit seiner Ehefrau Anna den Abwasch und löst Kreuzworträtsel, schrieb das Magazin „Time“ einst.

Was für ein Kontrast: Sein schüchternes Auftreten und sanftmütiges Gesicht hinter dem weißen Vollbart lassen kaum erahnen, welch immensen Einfluss Benjamin Shalom Bernanke auf die globale Ökonomie hat. Er muss nur vage Andeutungen über leichte Änderungen der Geldpolitik seiner Zentralbank machen, und schon brechen auf den Weltmärkten Tumulte aus. Allmachtsfantasien scheint das beim Fed-Chef nicht auszulösen. Auch seinen 60. Geburtstag wird er heute wohl bescheiden feiern. Dabei könnte Bernanke, der sein Amt Ende Januar an Nachfolgerin Janet Yellen abgibt, angesichts seiner Bilderbuch-Karriere eine große Sause veranstalten. Er hat alles erreicht, was es in der Ökonomenwelt zu erreichen gibt. Schon als Jugendlicher fiel er durch seinen Intellekt auf. Mit elf Jahren gewann er den Buchstabierwettbewerb seines Heimatstaates South Carolina. Erst im bundesweiten Finale scheiterte er – am Wort „Edelweiß“.

Das Wirtschaftsstudium an der Elite-Uni Harvard schloss er mit Bestnote ab, den Doktortitel erwarb er am renommierten Massachusetts Institute of Technology. Fast 20 Jahre lehrte und forschte er als Professor an den berühmten Universitäten in Stanford und Princeton, bis er 2002 zur Fed wechselte. Der damalige Präsident George W. Bush machte Bernanke 2005 zu seinem obersten Wirtschaftsberater, nur um ihn kurz darauf für den noch ruhmreicheren Posten an der Spitze der Notenbank zu nominieren. Das wirkt heute wie eine Ironie der Geschichte, hatte sich der Ökonom doch vor allem mit Forschung über die große Depression der 30er-Jahre einen Namen gemacht. Nur eineinhalb Jahre nach seinem Antritt als oberster Währungshüter brach 2007 die heftigste Wirtschaftskrise seit damals über die USA herein.

Fachleute werden wohl noch lange darüber streiten, ob und wie sehr Bernanke dazu beigetragen hat, die US-Konjunktur wieder auf Trab zu bringen. Unter seiner Ägide hält die Notenbank seit Jahren den Zins bei knapp über null Prozent und steckte zudem 3,5 Billionen Dollar in Staatsanleihen und Hypothekenpapiere. Das ist historisch einmalig und nicht ohne Risiko. „Dieser schüchterne, methodische Ökonom hat sich unter dem Druck zum vielleicht innovativsten und mutigsten Führer in der Geschichte der Fed entwickelt“, urteilte die „New York Times“ jüngst.

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Offen ließ Bernanke bisher, wie er sich seine Zeit nach dem Abschied vom Fed-Vorsitz vorstellt. Wahrscheinlich ist wohl, dass sich Bernanke öfter im Stadion der Washingtoner Baseball-Mannschaft sehen lässt. Auch in den vergangenen Jahren schlich er sich in Jeans und mit einer Mütze auf dem Kopf zu den Spielen. (dpa)