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Die bewegte Geschichte des Hochhauses

Die Postkarte aus dem Jahr 1968 zeigt den Pirnaischen Platz mit dem markanten Hochhaus. © Sammlung Holger Naumann

Wer früher eine Wohnung in dem Gebäude bekam, gehörte zu den Gewinnern. Ganz anders als zuletzt. 

Früher stand früher an der Stelle des Hochhauses der Kaiserpalast. Das neobarocke Geschäftshaus, das im Krieg schwer getroffene wurde, ist 1951 abgerissen worden.

Gebaut wurde der 14-Geschosser von 1964 bis 1966 nach Plänen des Architekten Peter Sniegon sowie dem Architektenkollektiv Herbert Löschau, Hans Kriesche und Gerhard Landgraf. Zum Geburtstag der DDR am 7. Oktober 1966 wurde das Gebäude eröffnet. Wer eine für damalige Zeiten moderne Wohnung bekam, gehörte zu den Gewinnern. Die DDR-Fachpresse lobte die „hervorragende Gestaltung“.

Der Schriftzug „Der Sozialismus siegt“ war stadtbekannt. 1969 – zum 20. Jahrestag der DDR – wurde er am Dach angebracht. Der Dresdner Volksmund deutete es in seiner weichen Mundart in „Der Sozialismus siecht“ um. Die Buchstaben haben nicht einmal die politische Wende erlebt. 1987 wurden sie abgebaut und existieren heute wahrscheinlich nicht mehr.

„Der Sozialismus siecht“ hieß es im Volksmund - aber nur bis 1987 © Privatfoto: SZ/Archiv

Das „Gastmahl des Meeres“ dürfte vielen älteren Dresdnern in Erinnerung sein. Die Gaststätte war im Flachtrakt untergebracht, der erst Ende der 60er-Jahre angebaut wurde. „Forelle Müllerin“ kostete einst 5,50 Ostmark. Später zogen das Restaurant „Pirnaisches Tor“ und ein Delikatessenladen hinein. Inzwischen ist zumindest dieser Teil des Hauses saniert und beherbergt einen Lidl-Markt. Die Terrasse darauf ist aber längst verschwunden.

Vor knapp zehn Jahren verkaufte die Stadt das Gebäude für vier Millionen Euro an die israelische Segal-Group. Man vereinbarte eine umfassende Sanierung. Es geschah aber nichts. Das Haus wurde zu einem Symbol für den Verfall. In den vergangenen zehn Jahren berichtete die SZ unter anderem von Ratten und Kakerlaken im Gebäude. Auch die Polizei war in der Vergangenheit oft zu Gast.

Im Mai 2017 brannte eine Wohnung im fünften Stock des Hochhauses. Die Feuerwehr konnte das Feuer zwar löschen. Doch der Ruß lagerte sich in Fluren und den darüber liegenden Wohnungen ab.

2017 brannte eine Wohnung des Hochhauses.  © Roland Halkasch

Im Sommer 2017 veräußerte die Segal-Group das Haus an die Creo7 GmbH mit Sitz in Schönefeld. Diese kündigte kurz darauf an, das Hochhaus sanieren zu wollen. Doch die Bauaufsicht wollte nicht so lange warten. Sie beschloss im September 2017, das Gebäude räumen zu lassen. Etwa 40 Mieter lebten zu diesem Zeitpunkt noch darin. Um die 120 Wohnungen gab es. Die Verwaltung sprach von gravierenden Brandschutzmängeln. So gebe es keinen zweiten Rettungsweg und der erste über die Flure und das Treppenhaus erfülle nicht die Vorschriften der Sächsischen Bauordnung. Am 28. Februar 2018 gingen im Hochhaus die Lichter aus. (SZ/sr)