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Der Specht pickt an der Grundschule

Ein halbes Dutzend Löcher hat der Vogel bereits in die Fassade gehackt. Sie zu beseitigen, wird gar nicht so leicht.

An der Fassade der Grundschule Am Storchenbrunnen macht sich vermutlich ein Buntspecht zu schaffen. Auf den Bauablauf haben die Schäden keinen Einfluss. Sie zu beseitigen, ist aber aufwendig.
An der Fassade der Grundschule Am Storchenbrunnen macht sich vermutlich ein Buntspecht zu schaffen. Auf den Bauablauf haben die Schäden keinen Einfluss. Sie zu beseitigen, ist aber aufwendig. © Lutz Weidler

Riesa. Gesehen hat er den kleinen Übeltäter noch nicht, sagt der Bauarbeiter und schaut auf den Giebel der Grundschule Am Storchenbrunnen. „Auf der anderen Seite war er auch“, erzählt der Mann und widmet sich wieder seiner Arbeit. Die Schäden sind tatsächlich nicht zu übersehen. 

Mehrere kreisrunde Löcher klaffen in der Fassade des Schulgebäudes, das gerade für die Merzdorfer Oberschüler hergerichtet wird. Bisher seien fünf solcher Löcher festgestellt worden, heißt es aus dem Rathaus. Als hätte die Baustelle nicht mit den regelmäßigen Diebstählen genug zu tun, nun also auch noch Sachbeschädigung?

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Während aber die Suche nach den Buntmetalldieben ein Fall für die Polizei ist, hat die Riesaer Stadtverwaltung den Verantwortlichen für die Fassadenschäden recht schnell ausfindig gemacht. Im jüngsten Baubericht der Stadt heißt es zu dem Thema nur: „Ursache ist ein Specht, der nach Insekten sucht.“ Was kurios klingt, ist laut Vogelexperte Peter Kneis von Pro Natura durchaus nachvollziehbar. 

Denn die Vögel achteten bei der Futtersuche in erster Linie darauf, wie eine Oberfläche klingt: „Wenn der Specht an der Fassade landet, weil er dort beispielsweise eine Fliege fangen will, könnte die Fassade wegen der Dämmung klingen, wie hohles Holz.“ Und darin, sagt der Specht-Instinkt, finden sich für gewöhnlich Insekten. Mit einiger Wahrscheinlichkeit stecke ein Buntspecht dahinter. Die zweite in Riesa häufige Art, der Grünspecht, gehe in der Regel nicht an blanke Steinfassaden. Wären wie bei einem Fachwerkhaus noch Holzbalken dazwischen, sähe die Sache anders aus.

Ein Buntspecht hackt an der Fassade der Grundschule Am Storchenbrunnen.
Ein Buntspecht hackt an der Fassade der Grundschule Am Storchenbrunnen. © Sven Ellger

Bei der Futtersuche war das Tier bisher offenbar recht hartnäckig. „Das Phänomen ist seit Ende September zu beobachten“, erklärt Stadtsprecher Uwe Päsler. Betroffen sei bisher ausschließlich das Vorderhaus an der Alleestraße. „Orange mag er offenbar nicht, denn am Nebengebäude ist nichts.“ Die Stadt stellt der Vogel damit trotzdem vor ein Problem. Auf den Bauablauf an der Grundschule haben die Schäden laut Uwe Päsler zwar keinen Einfluss. „Außen ist fast alles fertig, innen laufen die Arbeiten auf vollen Touren.“ Dem für Februar geplanten Umzug der Oberschüler vom Merzdorfer Park in ihr Übergangsdomizil stehe also im Grunde nichts entgegen.

Verschlossen werden müssen die Löcher aber natürlich trotzdem, damit keine Feuchtigkeit in die Dämmung eindringt. Die Stellen, an denen der Buntspecht die Fassade aufgehämmert hat, liegen allerdings größtenteils weit oben, wo die Arbeiter nicht ohne Probleme herankommen. „Jetzt ist geplant, dass die Feuerwehr mal mit der Drehleiter den Zugang ermöglicht, sodass die Baufirma die Löcher schließen kann“, sagt der Stadtsprecher. Ob das dauerhaft hilft, könne in der Stadtverwaltung aber auch niemand sagen. Wie man den Vogel von der Fassade abhalten könne, wisse jedenfalls niemand in der Stadtverwaltung. „Eine richtige Gegenmaßnahme hat das Bauamt trotz intensiver Recherche im Netz noch nicht gefunden.“

Zumindest Vogelexperte Peter Kneis gibt sich verhalten optimistisch, dass der Spuk bald ein Ende haben könnte. Zwar gelte wirklich das Prinzip Hoffnung, denn auch ihm sei keine Möglichkeit bekannt, einen Specht zu vergrämen. „Aber wenn das individuelle Tier an der Fassade nichts zu fressen findet, dann wird es irgendwann aufhören“, glaubt Kneis. Einfach verschwinden wird der Specht jedenfalls nicht: Die Vögel können in unseren Breiten auch den Winter gut überstehen, erklärt der Ornithologe.