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Der Striegistalradweg kommt keinen Zentimeter voran

Der Radweg führt durch ein Naturschutzgebiet. Deshalb müssen strenge Auflagen beachtet werden.

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Von Petra Schumann

Hainichen - Der Bau des knapp 18 Kilometer langen Striegistalradweges auf der stillgelegten Bahnstrecke von Hainichen nach Roßwein kommt keinen Zentimeter voran. Karsten Mühlmann, Chef des Straßenbauamtes Chemnitz, sieht derzeit sogar die Eröffnung des so genannten Planfeststellungsverfahrens durch die Landesdirektion in Ferne rücken.

Der Hintergrund: Das Gebiet steht unter Naturschutz. Die Striegistäler wurden per EU-Richtlinie Anfang der 2000er Jahre als Flora-Fauna-Gebiet ausgewiesen. Und deshalb, so verlangt es die Gesetzgebung, muss ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden. Ursprünglich sollten ab 15. Januar 2010 nun schätzungsweise 30 Träger öffentlicher Belange – von Naturschutzverbänden über Anliegerkommunen, von Polizei bis Bergbaubehörden – ihre Hinweise und Einwände zum geplanten Bau des Radweges formulieren können. Doch die Stadt Hainichen habe für den zweiten Bauabschnitt bis Schlegel, der als Bundesstraßen begleitende Maßnahme vom Straßenbauamt zu 100 Prozent gefördert wird, ihre „Hausaufgaben“ noch nicht erledigt, meint Karsten Mühlmann. Da der Bau des Weges einen Eingriff in die Natur darstellt, müssen so genannte Ausgleichsflächen (zum Beispiel Grünflächen) nicht nur gesondert ausgewiesen, sondern zum Großteil auch von der Stadt gekauft werden. Mühlmann bezweifelt, dass man das in den nächsten Wochen im Rathaus hinbekommt. „Wir sind dran“, versichert hingegen Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD). Auch sei derzeit noch nicht klar, ob die gesamte Strecke bis Roßwein in einem Ritt oder in zwei Abschnitten gebaut wird. Im ersten Fall betrage die Bauzeit, so Mühlmann, ein Jahr, was wiederum die Naturschützer auf den Plan rufen würde. Denn es wurden Eisvögel, Wasseramseln, Schwarzstörche und andere geschützte Tierarten festgestellt. Um deren Brutzeit nicht zu stören, dürfte nur zwischen August und März Technik rollen. Im zweiten Fall würde der Bau über zwei Jahre erfolgen. Das erhöht die Kosten.

Ein weiteres großes Problem stellen die Brücken dar. Aus Gründen des Naturschutzes müssen die Bauwerke während der Erneuerung entweder vor Ort absolut dicht eingehaust und gereinigt werden. Oder sie müssen abgebaut werden, um sie dann außerhalb des Flora-Fauna-Gebietes zu reinigen. Das wird zu einer Kostenexplosion des gesamten Vorhabens führen. Greysinger ist ungehalten, ob der sich stets neu auftürmenden bürokratischen Hürden. „Dabei erreichen mich fast täglich Anfragen, wann der Bau weitergeht.“ (FP)