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Der tägliche Wahnsinn

Auf dem Weg zum Schulbus müssen die Kinder aus Heyda an der B 169 entlanglaufen, obwohl es eine ungefährlichere Alternative gibt.

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© Dietmar Thomas

Von Jens Hoyer

Heyda. Der Schulweg des sechsjährigen Franz führt über eine der gefährlichsten Straßen der Gegend. Wenn der Erstklässler zum Schulbus geht, stapft er neben seinem Papa Christian Morgner an der B 169 in Heyda entlang, auf dem Bankett, denn einen Fußweg gibt es nicht. Neben den beiden rauscht der Verkehr, Autos, Laster. 50 Stundenkilometer sind erlaubt, mancher fährt schneller. „Das ist kreuzgefährlich. Im vergangenen Jahr haben hier zwei Autos im Vorgarten gestanden“, sagte Christian Morgner. An dieser Stelle gibt es auch keine ordentliche Straßenbeleuchtung, und wenn im Winter geräumt wird, ist das Bankett zugeschoben. Dann müssen die Kinder auf der Fahrbahn gehen. An der Bundesstraße warten die Kinder an einer Haltestelle ohne Buswartehäuschen auf den Bus, der die Kinder über Otzdorf nach Waldheim bringt. Dabei gibt es eine deutlich bequemere und ungefährlichere Alternative.

Direkt vor der Haustür der Morgners an der Oberen Talstraße gibt es seit dem Ausbau der S 32 eine perfekte Haltestelle. Mit breitem Fußweg und Unterstellmöglichkeit. „Am Haus Nr. 4 ist extra eine große Lampe gesetzt worden, damit die Kinder sicherer über die Straße kommen. Vor dem Straßenbau haben wir uns dafür eingesetzt, dass ein Buswartehäuschen gebaut wird. Und jetzt fährt der Bus oben herum“, sagte Morgner.

Fünf Kinder aus Heyda steigen jeden Morgen um 6.36 Uhr an der B 169 zu, sagte Morgner. Schon vor zwei Jahren hatten sich vier Familien aus dem Ort vergeblich an das Landratsamt Mittelsachsen und die Firma Regiobus gewandt, um eine Veränderung herbeizuführen. Bis zum Ausbau und die Vollsperrung der S 32 hatte der Schulbus nämlich immer an der Oberen Talstraße in Heyda gehalten. Erst Ende 2013 war der Fahrplan geändert worden. Warum fährt er aber über die B 169? Nach Aussagen von Harald Neuhaus, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS), ist das notwendig, um die Schüler in Otzdorf abzuholen. Zwei Fahrten der Linie 923 sind so gelegt. „Würde der Bus, wie bei den anderen Fahrten, die Haltestelle Obere Talstraße anfahren, könnten die Schüler aus Otzdorf nicht nach Waldheim gebracht werden“, sagte Neuhaus auf Anfrage des DA. Für die Eltern ist das aber nicht nachvollziehbar. Der Bus könnte auch über Rudelsdorf nach Otzdorf fahren, dort wenden und dann nach Waldheim fahren. Am Nachmittag, wenn der Schulbus wieder von Waldheim retour kommt, fährt er nämlich auch nicht über die B 169. Der kleine Franz kann dann direkt vor der Haustür aussteigen, erklärt sein Vater.

Eine Alternative zur gefährlichen B 169 ist nach der Aussage von VMS-Chef Neuhaus der Bus der Linie 923, der schon früher nach Waldheim fährt. Die Schüler könnten an der Oberen Talstraße zusteigen. Der Bus endet dann auf dem Schützenplan in Waldheim und fährt von dort aus als Linie 922 in Richtung Hartha weiter. Die Kinder könnten auf dem Niedermarkt in Waldheim aussteigen, von wo aus bis zur Grundschule nur ein Fußweg von etwa zehn Minuten zurückzulegen sei. „Dieser Weg ist zwar ein wenig länger als von der Haltestelle Gartenstraße, die von der betreffenden Fahrt um 6.36 Uhr ab der Haltestelle B169 und von Otzdorf aus direkt angefahren wird, es kann jedoch bei dieser Variante ein höheres Maß an Sicherheit für die Kinder gewährleistet werden. Grund hierfür ist einerseits die bessere Beschaffenheit des Weges sowie auch die innerstädtische Umgebung im Vergleich zur vielbefahrenen Bundesstraße“, antworte Neuhaus.

Für die Eltern kommt diese Variante nicht infrage. Erstens müssten die Kinder fast eine halbe Stunde eher aufstehen – der Bus fährt bereits um 6.11 Uhr in Heyda ab. Zum anderen halten sie gerade die Haltestelle Gartenstraße für sicher. „Dort holt die Schülerlotsin die Kinder vom Bus ab und bringt sie in die Schule“, sagte Annett Morgner, die Mutter von Franz. Die Schülerlotsin ist eine Besonderheit der Waldheimer Grundschule. „Wir sind froh, dass die Maßnahme vom Arbeitsamt bis Februar 2017 verlängert wurde“, sagte Bürgermeister Steffen Ernst.