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Der Titel „Königin“ muss schon sein

Die Wahl der Deutschen Weinkönigin findet am Freitag in Neustadt an der Weinstraße statt. Eine Dresdnerin ist dabei.

© Sven Ellger

Von Marion Mück-Raab

Dresden. „Muss das noch Weinkönigin heißen?“ Das fragte letztes Jahr im September Julia Klöckner – stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU und früher selbst einmal höchste Repräsentantin des deutschen Weines. Sie schlug als Alternative „Botschafterin“ vor. Schon sie habe, und das ist jetzt mehr als zwanzig Jahre her, bei Auftritten die Krone oft in der Hand gehalten, anstatt sie auf den Kopf zu setzen.

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Doch beim Deutschen Weininstitut (DWI), das alljährlich die Wahl zur Deutschen Weinkönigin ausrichtet, will man so etwas gar nicht hören. Es muss bei der Weinkönigin bleiben. Die ist schließlich ein Marketinginstrument, „eines der genialsten des deutschen Weines“, schwärmt Geschäftsführerin Monika Reule. Seit 1950 organisiert das DWI die Königinnenwahl, bei der alle deutschen Weinbaugebiete mit ihrer amtierenden Gebietsweinkönigin antreten. Das Interesse daran, die Krone zu erobern, ist bei den jungen Frauen groß.

Das ist auch in diesem Jahr nicht anders: Dreizehn Bewerberinnen aus ganz Deutschland sind am vergangenen Wochenende beim Vorentscheid angetreten. Fast alle blond und im schicken Abendkleid stöckeln sie im Saalbau in Neustadt an der Weinstraße die steile Showtreppe herunter. Die jüngste Kandidatin – die 21-jährige Silena Werner – kommt aus Franken, die älteste Bewerberin stellt das Weinbaugebiet Sachsen mit der 28-jährigen Dresdnerin Friederike Wachtel. Eine hübscher als die andere. Wer aber meint, es reiche für den Job der Königin aus, gut auszusehen und ein bisschen Wein zu schlürfen, der täuscht sich: Wie viel von den jungen Frauen erwartet wird, zeigt schon der Vorentscheid. Welche Marktbedeutung haben Roséweine? Gibt es Goldriesling – und wenn ja, wo? Was bewirkt der Pilz Botrytis – schadet er dem Wein? Solche Fachfragen müssen die Kandidatinnen beantworten können, eine davon in englischer Sprache. Und da wird fließendes Englisch erwartet. Daneben geht es um Auftreten, Witz und Charme und Schlagfertigkeit – die ganze Frau steht auf dem Prüfstand. Es sind Betriebswirtinnen, Marketingmanagerinnen, Studentinnen, eine Lehrerin und natürlich auch Winzerinnen, die in Neustadt antreten. „Moderne junge Frauen“, sagt der Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert, der im Fanbus der Sachsen mit angereist ist. Er verfolgt die Wahlen seit mehr als zehn Jahren und ist immer wieder beeindruckt von dem Fachwissen der Kandidatinnen. Und auch von der Entwicklung, die eine Weinkönigin in dem Jahr ihrer Amtszeit macht: „Diese Frauen gewinnen an Selbstbewusstsein und Professionalität – so manche war nach einem Jahr kaum wiederzuerkennen.“ Kein Wunder – denn die Aufgaben einer Weinkönigin sind anspruchsvoll, in Sachen Wein bereist sie die ganze Welt. „Da macht man Erfahrungen für das ganze Leben,“ meint Hilbert. Und hofft natürlich, dass die Dresdnerin das Rennen macht.

Zweieinhalb Stunden dauert der Wettbewerb der „Queenies“, dann trifft die siebzigköpfige Jury, die aus Vertretern von Weinwirtschaft, Politik und Medien besteht, schließlich die Entscheidung. Unter dem Jubel ihrer Fans ziehen Charlotte Freiberger von der Hessischen Bergstraße, Katharina Staab von der Nahe, Silena Werner aus Franken, Laura Lahm aus Rheinhessen, Anastasia Kronauer aus der Pfalz und Friederike Wachtel aus Sachsen ins Finale ein. Sie alle wollen die Krone tragen – auf dem Kopf wohlgemerkt, nicht in der Hand.