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Der Turmbau zu Hinterhermsdorf

Zimmerleute runderneuern den Weifbergturm. Zu Besuch an einem Arbeitsplatz, der zurzeit einen besonderen Vorteil hat.

© Dirk Zschiedrich

Von Dirk Schulze

Hitnterhermsdorf. Die 250 Kilo Lärchenholz schweben knapp über den Wipfeln der umstehenden Fichten. Mit der linken am Joystick der Fernbedienung dirigiert Andreas Klemm den Kranausleger, mit der rechten Hand drückt er den 6,5-Meter-Balken behutsam in Position. Noch ein Stück schiebt sich der Ausleger heraus. Langsam schwebt der Balken in die achte Etage des Weifbergturms, an deren Rand der Zimmerermeister steht. 25 Meter über dem Erdboden sind das. „Bis hierhin war’s leicht“, sagt Klemm.

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Darunter: Mitarbeiter Ingo Großmann hebelt mit dem Nageleisen die Bohlen von den verfaulten Deckenbalken.
Darunter: Mitarbeiter Ingo Großmann hebelt mit dem Nageleisen die Bohlen von den verfaulten Deckenbalken. © Dirk Zschiedrich
Der 18 Jahre alte Aussichtsturm in Hinterhermsdorf wird derzeit komplett saniert.
Der 18 Jahre alte Aussichtsturm in Hinterhermsdorf wird derzeit komplett saniert. © Dirk Zschiedrich

Weiter reicht der Kranausleger nicht. Die übrigen zwei Etagen muss der helle Holzkoloss mit Muskelkraft hinauf. Körperlich nicht allzu schwer – dank Flaschenzug. Aber ein ganz schönes Gefädel. Senkrecht an der Kette hängend, müssen die drei Männer den 32 Zentimeter starken Balken durch die Öffnungen in den Zwischendecken zirkeln und, oben angekommen, richtig eindrehen.

Es ist nicht der schlechteste Arbeitsplatz, den man in der Sommerhitze haben kann. Auf der Aussichtsplattform hoch über dem Gipfel des Weifbergs in Hinterhermsdorf weht ein angenehm kühler Wind. In dieser Höhe zu arbeiten ist selbst für einen gestandenen Zimmermann außergewöhnlich. Mit seinen 37 Metern ist der Weifbergturm um ein Vielfaches höher als der Dachstuhl eines Einfamilienhauses. Er schaue lieber in die Ferne als grade runter, gibt Zimmerer Ingo Großmann zu. Besonders das Gerüststellen an der Außenseite sei nicht ohne gewesen. Und obwohl dabei die Sicherheit nicht zu kurz kommt – das Geländer bauen sich die Zimmerleute dann traditionell doch lieber selbst.

Nun bewegen sich die Männer sicheren Schrittes über die Lücken im Boden. Ein falscher Schritt und es ginge abwärts. Um die morschen Querbalken zu tauschen, müssen sie zunächst die darauf liegenden Bohlen entfernen. Azubi Max Schlafke löst mit dem Akkuschrauber die Schrauben. Geselle Ingo Großmann hebelt mit dem Nageleisen die Bohlen heraus. Ein Gutachter hat zuvor die Teile identifiziert, die getauscht werden müssen. Dass der im November 2000 eingeweihte Holzturm saniert werden muss, steht seit Langem fest. Eine Hälfte der Aussichtsplattform musste sogar schon gesperrt werden, so schlecht stand es um die Substanz. Seit Anfang Juni läuft die Generalüberholung, für Besucher ist der Turm deshalb gesperrt.

Der Weifbergturm steht auf acht Säulen. An denen sind zehn Kränze verschraubt, welche die einzelnen Etagen bilden. Darauf ruhen Deckenbalken für die Trittbohlen. Das Außengerüst ist intakt, sagt Zimmerermeister Andreas Klemm. Unter die Trittbohlen jedoch ist das Regenwasser gelaufen und hat sich in die Balken gesetzt. Viele sind über die Jahre regelrecht verfault. Sie sind aus Fichtenholz, was – diplomatisch ausgedrückt – wohl nicht die beste Wahl für diesen Zweck ist. Die Fichte wird jetzt durch Lärche ersetzt.

Diese besitzt einen höheren Harzgehalt und ist deshalb haltbarer, erklärt der Fachmann. Sämtliche Oberseiten der Balken werden zudem mit Wetterschutzblechen verschlagen, damit nicht wieder Wasser eindringt. Zudem wird der komplette Turm mit schützender Farbe bepinselt – künftig erstrahlt er in Grau.

Zeit und Muße, die Aussicht zu genießen haben die Zimmerleute nicht. Am Montag haben sie unten angefangen, die verfaulten Deckenbalken zu tauschen. Bis zum Freitagvormittag haben sich bis zur Aussichtsplattform in Etage zehn nach oben gearbeitet. Von hier aus geht es kommende Woche wieder nach unten. Sämtliche Trittbohlen auf allen zehn Etagen kommen raus und werden durch neue ersetzt. Wie viele Schrauben dafür ins Holz gedreht werden? Meister Klemm zuckt mit den Schultern. Auf jeden Fall zu viel zum Zählen. Für den Holzbau und das Streichen haben die Mühlsdorfer Zimmerleute noch bis Ende August Zeit. „Kriegen wir hin“, sagt Andreas Klemm.