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Der Überwacher

Andreas Peterle sorgt dafür, dass es in Dresdner Wohnungen immer warm ist – auch wenn mal die Technik streikt.

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© René Meinig

Von Nora Domschke

Vom Jungfacharbeiter zum Schichtleiter – so sieht die Karriereleiter von Andreas Peterle aus. Wohlgemerkt innerhalb eines Betriebs. Das können sicherlich nur wenige von ihrem beruflichen Weg sagen. Andreas Peterle ist stolz darauf. Gemeinsam mit dem Heizkraftwerk Reick feiert er in diesem Jahr seinen 40. Also nur in Bezug auf die Dienstjahre, gelebte sind es ein paar Jahre mehr. Mit 59 rückt die Rente in greifbare Nähe. Bis er den wohlverdienten Ruhestand genießen kann, stehen allerdings noch einige Herausforderungen an. Es soll schließlich nicht langweilig werden.

Auf dem Areal des Gaswerks entstand Mitte der 1970er-Jahre das Heizkraftwerk. Fotos: , René Meinig
Auf dem Areal des Gaswerks entstand Mitte der 1970er-Jahre das Heizkraftwerk. Fotos: , René Meinig © Drewag-Archiv

Langeweile gibt es bei ihm selten, sagt Peterle. Dabei drängt sich dem Besucher seines Arbeitsplatzes sofort die Frage auf: Was tut er eigentlich den ganzen Tag – hier in der zentralen Warte des Heizkraftwerks Reick? Vor den vielen Bildschirmen. Von hier aus kontrollieren Peterle und seine Kollegen zehn kleinere Kraftwerke des städtischen Versorgerunternehmens Drewag. Das Team in der Reicker Warte sorgt dafür, dass die Dresdner Haushalte genügend Fernwärme bekommen. Diese Wärme entsteht beim Erhitzen von Wasser. Eingeleitet in Turbinen, wurde mit dem Wasserdampf Strom erzeugt. Heute werden leichtes Heizöl oder Erdgas als Brennstoffe genutzt. Das war nicht immer so.

„Als ich 1976 im Kraftwerk angefangen habe, diente Schweröl als Brennstoff“, erinnert sich Peterle. Später, im Zuge der Ölkrise, kam wieder Kohle zum Einsatz. Deshalb blieb das Kohlekraftwerk Mitte, das eigentlich geschlossen werden sollte, am Netz.

Die Arbeit der Kraftwerker war damals vor allem eine körperliche. Das Schweröl musste von den Zügen abgeladen, die Wasseraufbereitung überwacht werden. Das Rüstzeug für diese Aufgaben bekam Andreas Peterle in der Lausitz. Dort fand er auch seinen große Liebe, die ihm dann 1976 sogar nach Dresden folgte.

Es sollte ein gemeinsamer Weg bis heute werden – nicht nur privat, auch beruflich, denn seine Frau arbeitet seitdem ebenfalls im Reicker Heizkraftwerk. Ein Jahr nach der Rückkehr in die Elbestadt kam die gemeinsame Tochter zur Welt. Am 5. November. „Deshalb weiß ich noch ganz genau, wann wir den Schlüssel zu unserer ersten Wohnung mit Fernwärmeanschluss bekommen haben“, sagt Peterle und lacht. Zehn Tage nach der Geburt zog das Ehepaar nach Prohlis, in eine Neubauwohnung in der Finsterwalder Straße. Möbel – Fehlanzeige. „Wir hatten einen Stuhl und einen geborgten Hocker.“ Es machte nichts, die Wohnung, gestellt von den Stadtwerken, war schon wie ein Sechser im Lotto. „Wir genossen es, einfach die Heizung aufzudrehen. Es war ja von uns erzeugte Wärme.“

Heute gibt es neben Familie Peterle noch einen Mitarbeiter, der von der ersten Stunde an dabei ist. Die Aufgaben haben sich enorm verändert: Kontrolle, darauf kommt es an. An den Bildschirmen werden alle Anlagen überwacht, die Arbeit spielt sich bis auf kleine Ausnahmen in der kürzlich umgebauten Leitwarte ab. Früher waren zehn Mitarbeiter pro Schicht nötig, heute erledigen die Arbeit drei. Immerhin sind es durch die Modernisierung nicht mehr 20 Bildschirme, die flackern. Neben dem Reicker Werk werden hier aber nicht nur weitere Drewag-Anlagen kontrolliert, sondern etwa auch die Pumpen in der Gläsernen Manufaktur. Gibt es in den Systemen Störungen, müssen Peterle und seine Kollegen die zuständigen Techniker informieren. An einen größeren Zwischenfall kann sich der Schichtleiter nicht erinnern. „Bis auf den harten Winter 1977/78, kurz nach der Inbetriebnahme.“ Das Werk war noch halb Baustelle und drohte einzufrieren. Der Arbeit der Kraftwerker ist es zu verdanken, dass es in Tausenden Prohliser und Leubener Haushalten trotzdem nicht kalt wurde. Das macht Peterle stolz. Seine nächste Herausforderung: Neben Heizkraftwerken, Biogas- und Fotovoltaiksystemen wird er demnächst auch Windkraftanlagen überwachen. „In diesem Job wird es eben nie langweilig.“