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Der Uhrengehäuse-Spezialist geht

© Egbert Kamprath

Ronald Boldt startete spät in die Selbstständigkeit. Nun zieht sich der Glashütter Unternehmer in den Ruhestand zurück.

Von Maik Brückner

Glashütte. Ronald Boldt ist der Rückzug auf Raten offenbar geglückt. Gelassen und ruhig sitzt der Unternehmer in seinem Büro und nimmt sich Zeit, um auf die letzten 18 Jahre zurückzublicken. In denen ist es dem gebürtigen Leipziger gelungen, mit der Sächsischen Uhrentechnologie ein mittelständisches Unternehmen aufzubauen, dass es so kein zweites Mal im Müglitztal gibt. Boldt stellt Gehäuse für Armbanduhren her. Und das sehr erfolgreich. Als er 1999 startete, hatte er zwei Mitarbeiter, jetzt beschäftigt die Firma 36. „In dieser Größenordnung soll es bleiben“, sagt Boldt, der sich nach seinem 70. Geburtstag, den er am Donnerstag feierte, zur Ruhe setzen möchte. „Nicht ganz“, räumt er ein. Denn als Gesellschafter bleibt er dabei. Allerdings werde er nun nicht mehr dienstags, mittwochs und donnerstags hier anzutreffen sein, sondern viel seltener. Darauf hat er sich und das Unternehmen in den letzten fünf Jahren vorbereitet. Nach und nach übernahmen sein Sohn Daniel und die anderen leitenden Mitarbeiter mehr Verantwortung.

Musiker, Tüftler und Unternehmer

Erfolg nach kurzer Zeit 2005, sechs Jahre nach dem Start seiner Firma beschäftigte Ronald Boldt 19 Mitarbeiter. Die Firma fertigte damals Gehäuse für Taucheruhren der Anti-Terror-Gruppe GSG 9. Sein bereits damals geäußerter Wunsch, dass sich mehr Uhrenzulieferer in Glashütte ansiedeln sollten, hat sich nicht erfüllt.
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Wenn sein Rat gefragt ist, steht er weiterhin den Mitarbeitern zur Seite. Und die wissen das zu schätzen. Schließlich ist Boldt ein Techniker durch und durch. Er absolvierte eine Maschinenbau-Ausbildung mit Abitur und studierte nach dem Wehrdienst Feinwerktechnik an der TU Dresden, erwarb hier nach dem vierjährigen Studium 1972 den Titel Diplom-Ingenieur. Er blieb an der Uni und promovierte. Seit 1976 hat er den Doktortitel in der Tasche. Ein Jahr später wechselte er in die Praxis, zu den Glashütter Uhrenbetrieben (GUB).

„Dort hatte ich mit echten Produkten zu tun“, erinnert er sich. Und das gefiel ihm mehr als die reine Theorie. In der GUB war Boldt bis 1989 im Sondermaschinenbau tätig. Eine Arbeit, die ihn erfüllte. „Man baut Maschinen, die funktionieren, oder auch nicht.“ Einer seiner größten beruflichen Erfolge war der Bau der halbautomatischen Montagelinie, die die Uhrmacher bei mehreren Arbeitsgängen unterstützte. Da Boldt nicht der SED beitrat, konnte er nicht aufsteigen. Erst nach der Wende wurde er zum Chefkonstrukteur berufen, später wurde er Technischer Direktor und als Prokurist für Technik Teil der dreiköpfigen Geschäftsführung. Das sei keine leichte Zeit gewesen, erinnert er sich. Weil die Uhren aus Glashütte nicht mehr so gefragt waren, musste sich die Firma von vielen Mitarbeitern trennen.

Zwei Krisen überstanden

1995 wurde Boldt Leiter der Technologie bei der GUB. In dieser Zeit reifte der Gedanke, sich selbstständig zu machen. Denn in Glashütte wurde vieles produziert, nur keine Gehäuse. „Warum sollten wir diese Wertschöpfung nicht nach Glashütte holen?“, fragte er sich. Mit dem Diplomingenieur Walter Fricker, Inhaber und Geschäftsführer des renommierten Gehäuseproduktionsbetriebes Fricker in Pforzheim, und Diplomingenieur Lothar Schmidt, Geschäftsführer der Frankfurter Firma Sinn Spezialuhren, gründete als 52-Jähriger 1998 die Sächsische Uhrentechnologie GmbH (SUG). Obwohl das Ziel klar war, eigneten sich Boldt und seine Mitarbeiter vieles durch „Learning by Doing“ an. Die Firma musste unter anderem lernen, wie U-Boot-Stahl bearbeitet wird. Jeder Auftraggeber hat spezielle Wünsche, wie was zu fertigen ist. Boldt entmutigte das nicht. „Konstruieren hat mir immer Spaß gemacht“, sagt er. „Unsere technologischen Möglichkeiten sind mitgewachsen.“ Dennoch blieb die Firma nicht von Krisen verschont. Zwei werden Boldt in Erinnerung bleiben. So sorgte nicht nur die Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/08 für einen Dämpfer, sondern auch die Absatzprobleme der Schweizer Uhrenindustrie 2013, die auch in Glashütte zu spüren waren. Beide Krisen hat die SUG gut überstanden. Längst ist die Firma ein Spezialist. „Wir fertigen 30 verschiedene Modelle in Kleinserien.“

Dass Boldt trotz seiner 70 Jahre so agil wirkt, liegt an seiner Lebensgestaltung. Trotz der vielen Arbeit ließ er sein Privatleben nicht zu kurz kommen. Boldt hat schon als junger Mann an Marathons teilgenommen. Bis heute ist er ein aktiver Freizeitsportler. Und Musiker. Seit 1977 musiziert er als Banjospieler und Gitarrist bei der Oldtime-Jazzband „Elb Meadow Ramblers“. „Früher absolvierten wir bis zu 50 Auftritte im Jahr, jetzt sind es um die zehn.“ Um die Band ist im Laufe der Jahre ein Freundeskreis entstanden, den er nicht missen will. Hier hat er Leute, die ihm Kraft geben und mit denen er lachen kann.

Auch die Familie blieb ihn über die Jahre wichtig, wenngleich sie zurückstecken musste. Urlaub machen konnte er nur, wenn absehbar war, dass das Geschäft ohne ihn gut läuft. Deshalb starteten die Reisen meist sehr kurzfristig. Das ist nun vorbei. In den letzten Jahren hat er versucht, das nachzuholen. „Jedes Jahr bereise ich ein Land, zuletzt war ich in Kuba.“ Begleitet wird er von seiner Frau Dorothea, mit der er seit 1971 verheiratet ist und zwei Kinder hat. Zur Familie gehören inzwischen auch vier Enkelkinder, die zwischen sieben und 17 Jahren alt sind und die immer noch gern mit den Großeltern Urlaub machen. Ronald Boldt scheint nicht nur etwas von Uhren zu verstehen. Offenbar ist er auch ein Großvater, wie ihn sich Enkel wünschen.