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Der umstrittene Sieger

Nach seiner Sperre siegt Alexander Loginow erstmals im Weltcup. © dpa

Alexander Loginow gewinnt in Oberhof den Sprint. Doch freuen können sich darüber nur wenige.

Von Daniel Klein, Oberhof

Als der letzte Biathlet die Ziellinie überquert, ist Thomas Bach schon wieder weg. Die Siegehrung verpasst der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) dadurch, was ihn in diesem Fall aber sicher kaum stört. So muss er dem Sieger Alexander Loginow auch keinen Blumenstrauß überreichen, einem überführten, gesperrten und zurückgekehrten Dopingsünder. Auf solch ein Bild verzichtet man beim IOC gerne.

Gänzlich umschiffen kann Bach das Thema trotzdem nicht. In der Mix-Zone wird er nach dem Gewinner befragt. „Ich bin vor vielen Jahren als Athletensprecher angetreten und habe mit großer Überzeugung und mit Nachdruck lebenslange Sperren für Dopingsünder gefordert“, erklärte der weltweit oberste Sportfunktionär. „Aber in unserem Rechtssystem ist das nicht möglich. Jeder, der seine Strafe verbüßt hat, hat das Recht, wieder zu starten und gleich behandelt zu werden.“ Im November 2014 war Loginow für zwei Jahre gesperrt worden. Bei einer zwölf Monate zuvor entnommenen Probe war bei einem später durchgeführten Test Epo-Doping nachgewiesen worden.

Er verzichtete auf die Öffnung der B-Probe und wurde nach der Zwangspause vom russischen Verband sofort wieder ins Nationalteam berufen. Bei der WM in Hochfilzen im Februar 2017 kam es zum Eklat. Martin Fourcade fuhr ihm beim Staffelwechsel offenbar absichtlich in die Ski, bei der Siegerehrung verwehrte das russische Quartett dann den Franzosen demonstrativ den Handschlag. Fourcades Meinung über Loginow hat sich seitdem nicht geändert. „An seiner Stelle würde ich mich schämen“, erklärte der elfmalige Weltmeister. „Er scheint das zu genießen. Soll er doch.“

Die Vergangenheit holt Loginow immer wieder ein. In Oberhof feiert der 26-Jährige am Freitag seinen ersten Weltcupsieg, muss sich aber Fragen zu seiner Sperre anhören. „Ich blicke nicht zurück“, lautet seine knappe Standardantwort. Die wiederholt er in Thüringen, ergänzt sie aber: „Ich freue mich, dass andere Athleten mit mir gesprochen haben.“

Bei der Siegerehrung gratulieren ihm alle – auch Benedikt Doll und Arnd Peiffer, die im Sprintrennen Vierte und Fünfte werden. „Das Reglement sieht vor, dass man nach zwei Jahren zurückkommen darf. Das müssen wir akzeptieren“, erklärt Peiffer, der durch einen Fehler beim letzten seiner zehn Schüsse eine Podestplatzierung verpasste. Erik Lesser landet nach auskurierter Rückenverletzung auf dem 17. Platz, doch das alles wird an diesem Tag beinahe zur Nebensache. „Ich finde es auch nicht schön, aber wir müssen damit leben“, sagt Lesser über den Sieger. „Wenn er jetzt vornweg springt, dann ist es halt so. All die Jahre hat auch niemand an Martin Fourcade oder Johannes Thingnes Boe gezweifelt, die ähnlich schnell unterwegs sind.“ Selbst für Dopingsünder müsse im Fall ihrer Rückkehr die Unschuldsvermutung gelten.

Das fällt jedoch auch deshalb nicht leicht, weil sich die Aufarbeitung des russischen Dopingskandals in die Länge zieht und es auch fünf Jahre nach den Spielen von Sotschi kaum Ergebnisse gibt – weder Strafen noch Freisprüche. Stattdessen gibt es immer wieder Unruhe.

So durchsuchten kurz vor Weihnachten österreichische Behörden am Rand des Weltcups in Hochfilzen die Räume des russischen Teams. Der Einsatz stand im Zusammenhang mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen die inzwischen zurückgetretene Spitze der Internationalen Biathlon-Union, die positive Dopingproben russischer Sportler vertuscht haben soll. Bei wem bei der Razzia konkret nach Beweisen gesucht wurde, verriet ein russischer Sportjournalist, der ein Dokument auf Instagram veröffentlichte. Darauf standen fünf Namen – darunter auch der von Alexander Loginow.

TV-Tipp: Sa., 12.45 Uhr Verfolgung Frauen, 15 Uhr Männer. So., 11.45 Uhr Staffel Frauen, 14.30 Uhr Männer – alles live im ZDF und bei Eurosport.