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Der vergessene Brücken-Bogen

2013 ließ der Denkmalschutz einen Teil des Gießmannsdorfer Wehres in Hirschfelde bergen. Seitdem ist nichts passiert.

© Rafael Sampedro

Von Anja Beutler

Hirschfelde. Der Brückenbogen des alten Gießmannsdorfer Wehres steht im Hirschfelder Nirgendwo. Nicht weit entfernt von dem Punkt in der Neiße, wo das Bauwerk in den 1930ern einst errichtet wurde, verharrt es nun seit mittlerweile knapp fünf Jahren auf dem Trockenen in Sichtweite zum Hirschfelder Kraftwerksgebäude. Drum herum wuchert das Grün. Dabei gab es um das historische Stück Industriekultur 2013 enormen Wirbel und eine Hau-ruck-Aktion, die damals einiges Stirnrunzeln zur Folge hatte.

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Rückblende: Der Freistaat hatte nach dem Hochwasserjahr 2010 beschlossen, alle nicht mehr zwingend nötigen Brücken oder Wehre aus den großen Flüssen zu entfernen. Im Ernstfall sind sie nämlich unnötige Barrieren, die eine ohnehin angespannte Hochwassersituation drastisch verschlimmern können. Fünf Brücken standen damals für die Neiße auf der Abrissliste. Die Hirschfelder, die eigentlich die Bedienbrücke des Gießmannsdorfer Wehres war, zählte dazu und geriet als eine der ersten in den Blick. Kurz bevor die Baumaschinen der Landestalsperrenverwaltung (LTV) loslegen konnten, stoppte die Untere Denkmalschutzbehörde beim Landkreis den Abriss jedoch plötzlich und machte einen Denkmalwert geltend. Die LTV erhielt daraufhin die Auflage, ein 15 mal fünf Meter langes Brückenstück zu bergen und zu sichern. Nur dann werde der Abriss genehmigt. Der Aufforderung kam die LTV nach, barg am 20. September 2013 das Portal und stellte es ein Stück von der Neiße entfernt nahe einer Baumgruppe auf. Die Kosten für die fälligen Planungen, den Transport und die anschließenden Sicherungsarbeiten für das Aufstellen beliefen sich am Ende nach LTV-Angaben auf etwa 70 000 Euro.

Was aus dem Brückenbogenstück werden soll, war nach der Bergung in der Schwebe – ebenso wie die Frage, wem das Stück gemauerte Geschichte gehören sollte. Die Stadt Zittau teilte damals mit, man sehe sich nicht in der Pflicht. Die Hirschfelder Kraftwerksstiftung lehnte ebenfalls ab – daran erinnert sich Anja Nixdorf-Munkwitz auch heute noch. Als Stiftungsmitarbeiterin ist sie immer wieder im alten Kraftwerk. Dass sich bei dem früheren Brückenbogen inzwischen etwas getan hätte, konnte sie bislang allerdings nicht beobachten oder erkennen.

Warum tatsächlich alles im Stillstand verharrt, lässt sich nach SZ-Recherchen inzwischen sogar recht einfach erklären. Denn der Brückenbogen ist nach anfänglicher Aufregung bei allen Beteiligten schlicht in Vergessenheit geraten. Die Stadt Zittau hatte sich nämlich in der Folge bereit erklärt, den Bogen zu übernehmen. „Dazu sollte es einen Vertrag mit der LTV geben, die Eigentümerin des Bauwerkes ist“, bestätigt Zittaus Pressesprecher Kai Grebasch. Nach aktuellen Recherchen des Rathauses ist dies aber bislang nicht geschehen. Die LTV habe alte Unterlagen zu dem Bauwerk gesucht, aber keine finden können, eine andere Form von Vertrag habe es bislang ebenfalls nicht gegeben – so beschreibt es Grebasch aus Sicht der Stadt.

Das Bauaufsichtsamt des Landkreises selbst hat von diesen Verzögerungen offenbar keine Kenntnis. Auf SZ-Anfrage, wer denn für die Sicherung des Reliktes zuständig sei, verwies die Pressestelle auf die Stadt Zittau. Die beabsichtige nämlich, „dieses Teilstück im Rahmen der kulturhistorischen städtebaulichen Entwicklung zu verwenden“, heißt es da. Was das konkret bedeutet, und warum auch Zittau in diesem Zusammenhang keinen weiteren Ehrgeiz an den Tag gelegt hat, kann der Stadtsprecher ebenfalls klären: „Wir haben damals in der Tat Ideen gesammelt, was daraus werden soll. Ein Vorschlag war, es in der Mitte eines Kreisverkehres aufzustellen, der in Hirschfelde entstehen sollte“, sagt Grebasch. Allerdings ist der Bau des anvisierten Kreisels inzwischen nicht mehr aktuell, sodass diese favorisierte Idee derzeit nicht zum Tragen kommen könnte.

Um wieder neuen Schwung in die Sache zu bringen, müsste nun eben erst einmal das historische Bauteil in den Besitz der Stadt wechseln. „Ich denke schon, dass dies auch ohne alte Unterlagen mit einem entsprechenden Papier rechtskräftig festzuhalten geht“, gibt sich Grebasch optimistisch. Dann müsste sich die Stadt allerdings noch einmal intensiv mit neuen und sinnvollen Standorten beschäftigen. „Wir dachten, die Sache hat sich erledigt, jetzt ist sie – fast sprichwörtlich – wieder im Fluss“, bilanziert Kai Grebasch und spricht damit wohl das Gefühl aus, das alle Beteiligte in diesem Zusammenhang derzeit haben.