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Der vergessene Laster

In Radeberg blockiert ein Lkw die Fahrspur. Und nun schon seit vielen Monaten. Die Stadtverwaltung gibt zu: „Wir sind etwas ratlos.“

© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

Radeberg. Am Anfang haben sich die Anwohner an der Kleinwolmsdorfer Straße nichts dabei gedacht. Bauleute werden den Lkw mal kurz abgestellt haben. In ein paar Tagen ist er wieder weg. Als nach einer Woche nichts passierte, wuchs die Verwunderung. Wer lässt denn einen Lkw so lange herumstehen? Bei den Autofahrern stieg die Verärgerung. Das Ding steht schließlich auf der Straße und blockiert eine Fahrspur. Es ist ein Verkehrshindernis. Dann reichte es Anwohnern, sie riefen bei der Stadt an.

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Elke Müller, Leiterin des Radeberger Ordnungsamtes, wusste da schon Bescheid. „Die Firma, der der Wagen offenbar gehört, hatte sich gemeldet und angegeben, dass das Führerhaus eingefroren ist und der Lkw nicht weggefahren werden kann“, sagt sie. Dann stand auch ein Eimer unter dem Lkw. „Darin befand sich Kühlflüssigkeit“, sagt die Rathausmitarbeiterin. Von dem Bauunternehmen gab es aber die Zusage, dass der Lkw wieder abgeholt wird. Das war im März. Passiert ist seitdem nichts. Gut, der Eimer ist weg.

Aber noch schlimmer: Die Firma ist seit dem nicht mehr zu erreichen. „Wir haben es immer wieder probiert, telefonisch, per E-Mail und per Post. Es meldet sich einfach niemand. Wir wissen nicht, was da los ist, ob es das Unternehmen überhaupt noch gibt“, sagt die Amtsleiterin. Die Stadt befindet sich jetzt in einer Zwickmühle. Denn genau genommen verstößt der geparkte Laster nicht gegen irgendwelche Vorschriften. An dem Wagen sind Nummernschilder mit einer gültigen Tüv-Plakette. Erst im November ist der Wagen wieder dran.

Endstation Schrottplatz?

An der Tür ist sogar die Firma mit Namen, Telefonnummer und Adresse aufgeführt. Im Park- oder Halteverbot steht er auch nicht und die Durchfahrbreite neben ihm ist mit drei Metern noch ausreichend. „Nach der StVO sind keine Verstöße feststellbar“, sagt die Amtsleiterin.

Allerdings: Soll der Lkw bis zum Sankt Nimmerleinstag auf der Straße stehen, bis vielleicht ein Auto dagegen kracht, bis Öl ausläuft? „Wir sind etwas ratlos. Denn es gibt ja einen Halter. Einen Kuckuck wie bei Schrottautos können wir auch nicht drankleben. Denn der Wagen ist ja noch zugelassen.“ Bleibt die Variante, den Lkw von der Stadt abschleppen zu lassen. Damit wäre er zumindest von der Straße weg. „Für uns würden die Probleme dann erst beginnen“, sagt Stadtsprecher Jürgen Wähnert. Wir müssten ihn bei uns auf dem Stadtwirtschaftshof abstellen und sicherlich noch einige Zeit verstreichen lassen, bis sich der Besitzer vielleicht doch noch meldet. Fraglich ist auch, ob der Eigentümer dann die Kosten für das Abschleppen und die Aufbewahrung bezahlt.“

Wenn er sich nicht meldet, was dann? „Dann müsste die Stadt quasi das gute Stück einem Wertstoffhof übergeben. Was für uns zusätzlichen Aufwand bedeuten würde“, sagt Jürgen Wähnert. Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) jedenfalls ist klar dagegen. „Die Stadt ist kein Schrotthändler“, sagte er. Elke Müller und ihre Kollegen werden jetzt erst einmal weiterhin versuchen, den Eigentümer zu erreichen. „Vielleicht meldet sich ja doch jemand, vielleicht ist er eines Tages auch einfach verschwunden“, sagt der Stadtsprecher. Viel Hoffnung schwingt da nicht mit.