Merken

Der Videobeweis kommt

Zuletzt häufen sich die Fehlentscheidungen der Schiedsrichter. Doch Hilfe naht.

Teilen
Folgen
© dpa

Von Jan Mies

Noch vor ein paar Monaten wurde der Videobeweis von vielen als Anfang vom Ende des deutschen Fußballs verteufelt. Doch nach gravierenden Fehlentscheidungen in dieser Saison kann die Einführung des technischen Hilfsmittels für die Schiedsrichter offenbar gar nicht schnell genug kommen. Schwalben, Ellbogenschläge, unberechtigte Platzverweise – die „Schiri-Patzer“ können ab der kommenden Saison sofort korrigiert werden.

„Wenn alles so funktioniert, dann werden wir mit Beginn der Saison 2017/18 online einsteigen“, sagte Hellmut Krug, Schiedsrichter-Manager der DFL, bei Sky: „Die Verbindung zwischen Schiedsrichter und Video-Assistent wird dann hergestellt. Der Video-Assistent hat dann die Möglichkeit, auf die Entscheidung des Schiedsrichters Einfluss zu nehmen.“ Nach den Vorgaben der Regelhüter des Weltverbandes Fifa sind grundsätzlich vier entscheidende Situationen durch den Video-Assistenten überprüfbar: Tor, Elfmeter, Platzverweis und Spielerverwechslung bei Gelben und Roten Karte. Das hätte zuletzt schon helfen können.

Beispiel Frankfurt: Beim 0:0 der Eintracht gegen 1899 Hoffenheim schlug Frankfurts Innenverteidiger David Abraham seinen Ellbogen mit voller Wucht ins Gesicht von 1899-Stürmer Sandro Wagner, Schiedsrichter Christian Dingert übersah die Tätlichkeit aber – und pfiff auch noch Freistoß gegen Wagner. Selbst Frankfurts Trainer Niko Kovac sah in der Szene „eine klare Rote Karte“ für Abraham. „Bei optimalem Verlauf hätten 80 Prozent der von uns als klare Fehler identifizierten Entscheidungen korrigiert werden können“, sagte Krug, der seit Saisonbeginn die Video-Testphase verantwortet, der Sport Bild. Der Videoschiedsrichter kann ab der kommenden Spielzeit immer dann angerufen werden, wenn der Referee auf dem Platz, der weiterhin das letzte Wort hat, eine Entscheidung getroffen hat.

Beispiel Leipzig: Beim 2:1 des damaligen Tabellenführers RB Leipzig gegen Schalke 04 am 3. Dezember fiel Schiedsrichter Bastian Dankert auf eine Schwalbe von RB-Stürmer Timo Werner herein, entschied auf Elfmeter und verwarnte Schalke-Keeper Ralf Fährmann sogar.

Derzeit wird das technische Hilfsmittel in einer „Offline“-Phase ohne Eingriff des Video-Assistenten in das Spielgeschehen getestet. „Wir bilden alle Schiedsrichter derzeit noch aus, es haben alle zwei Ausbildungsmodule offline durchlaufen. Wir müssen nun dazu übergehen, das Ganze auch online zu trainieren, das heißt: wir müssen es auf dem Platz umsetzen“, sagte Krug: „Das können und dürfen wir aber noch nicht in Wettbewerbsspielen. Also müssen wir Spiele organisieren.“ (sid)