merken

Der Wall für weniger Hochwasserschutz

Anwohner schlagen Alarm: Ein illegal aufgeschütterter Erdhaufen bedroht ein Biotop im Elbsandsteingebirge.

© D. Zschiedrich

Von Ines Mallek-Klein

Der Grill ist schon eingemottet. Er wartet auf den nächsten Sommer. Martina Löke liebt ihren Garten, wie die liebevoll abgesteckten Beete zeigen. Auf einem zeigen sich die Traubenhyazinthen mit ersten zarten Blättern. Eigentlich die Boten des Frühlings, nach einem hoffentlich nicht allzu schneereichen Winter. Denn wenn die Schneeschmelze schnell einsetzt, dann droht der Garten von Martina Löke in Cunnersdorf im Wasser zu versinken.

Anzeige
Gemeinsam allem gewachsen

Die Sparkassen-Versicherung Sachsen ist auch in dieser außergewöhnlichen Situation für ihre Kunden da.

Schuld daran ist ein neuer Erdwall, der sich keine zwanzig Meter weiter auftürmt. Er engt den Taubenbach ein und könnte bei Starkregen oder Schneeschmelze zu einem Rückstau führen, fürchtet Martina Löke. Sie hat sich sehr gewundert, als vor einigen Wochen die Lkws vorfuhren und tonnenweise Erde abgekippt haben, zumal sie in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bach ein Biotop vermutet.

Die Einwände von Martina Löke wurden erhört. Am 16. Oktober gab es einen Vororttermin mit Vertretern des Amtes für Gewässerschutz , der Bauaufsicht und der Nationalparkverwaltung. Letztere ist als Naturschutzfachbehörde zuständig, denn das betroffene Areal der alten Niedermühle liegt im Bereich des Landschaftsschutzgebietes Sächsische Schweiz.

Bei dem Oktober-Termin war schnell klar: Für die Erdablagerung gibt es keine Genehmigung. Ein privater Grundstückseigentümer hat sie im Nachgang beantragt. Ober er ein okay bekommt, wird gegenwärtig noch geprüft, heißt es dazu gestern aus dem Landratsamt in Pirna.

Immerhin in einem Punkt kann das Landesamt für Straßenbau und Verkehr beruhigen. Das abgelagerte Erdreich ist nicht mit Schadstoffen belastet. Es stammt aus den Baugruben, die für die neuen Stützwände entlang der S 169 ausgehoben werden mussten. Bodenproben wurden durchgeführt, sagt der Sprecher des Straßenbauamtes, Peter Welp. Verunreinigungen konnten nicht gefunden werden. Das Erdreich war aber aufgrund seiner Konsistenz nicht wieder einbaufähig. Dass es nun unmittelbar an der Niedermühle deponiert wurde, ist ungewöhnlich.

Der Gesetzgeber verlangt, dass generell möglichst wenig Flächen in Anspruch genommen werden. Geschieht das dennoch, so sind sie bis zum Abschluss der Bauarbeiten wieder zu beräumen. Diese Auflage erhielt auch die Baufirma Kleber-Heisserer aus Dippoldiswalde. Doch sie transportierte die Erdmassen nicht ab. Sie hat sie mit schwerer Technik verteilt und dabei auch in den angrenzenden Wald hineingeschoben, hat die Anwohnerin beobachtet. Der Geschäftsführer in Dippoldiswalde wollte sich dazu gestern nicht äußern, er verwies stattdessen auf die Behörden. Die hatten wiederum für den Mittwoch voriger Woche einen erneuten Besuch auf der Baustelle angekündigt. Doch der Termin fand gar nicht statt.

Stattdessen hat man Martina Löke angeboten, ihr gesamtes Grundstück um etwa einen Meter aufzuschütten, um die Gefahr einer Überflutung zu bannen. Doch da wären alle Blumen unter einer dicken Erdschicht begraben, einschließlich der Traubenhyazinthen. Für Martina Löke ist das keine Alternative. Auch ihre Befürchtung, dass mit dem Erdablagerungen ein Biotop zerstört wurde, kann noch nicht gänzlich ausgeräumt werden. Das Straßenbauamt teilt schriftlich mit, dass ihm ein Biotop an dieser Stelle nicht bekannt sei. Die Landesdirektion Sachsen prüft aber noch. Wenigstens eines ist jetzt schon sicher: Die neue Fläche soll nach Auskunft aus dem Landratsamt als Holzplatz genutzt werden.