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Weißwasser

Der Wassermann als neue Attraktion

In Halbendorf bereichert jetzt eine Sagenfigur das Ortsbild. Bei der Entstehung half der Umstand, dass ein sehr alter Baum weichen musste.

Die Sagenfigur "Wassermann" erfreut künftig in Halbendorf an der Groß Dübener Kreuzung. Der Schleifer Holzkünstler und Forstwirt Thomas Schwarz (2. v. li.) schuf sie aus einer über 100jährigen Stieleiche. Freitag war feierliche Einweihung. Die Domow
Die Sagenfigur "Wassermann" erfreut künftig in Halbendorf an der Groß Dübener Kreuzung. Der Schleifer Holzkünstler und Forstwirt Thomas Schwarz (2. v. li.) schuf sie aus einer über 100jährigen Stieleiche. Freitag war feierliche Einweihung. Die Domow © Andeas Kirschke

In der Niederlausitz heißt er sorbisch „Nykus“. In der Oberlausitz ist er „Hodernix“ oder „Wódny muž“. In Richtung Halbendorfer See blickt er jetzt, der Wassermann. Aus einer über 100-jährigen Stieleiche hat der Schleifer Holzkünstler und Forstwirt Thomas Schwarz seit März die Figur angefertigt. „In seinem Gesicht vereint der Wassermann sowohl Schabernack als auch Gutmütigkeit. Mir ging es um die Verbindung mit dem Ort“, sagte der Holzkünstler Freitag zur feierlichen Einweihung der Skulptur an der Groß Dübener Dorfkreuzung. Die Domowina-Ortsgruppe hatte dazu eingeladen.

Direkt über dem prägenden Motiv des Wassermanns steht Halbendorfs sorbischer Name „Brězowka“. Wuchtig wirkt er, dieser Stamm. Zur Skulptur gehört eine Bank. Sie zeigt Fisch, Wasser und Wellenbewegungen. „Die Bank habe ich aus der Krone der Stieleiche gefertigt“, sagt Thomas Schwarz. „Herausfordernd war: In dem Stamm gab es auch Metall, Verwachsungen und morsche Stellen. All das galt es zu verarbeiten.“Der Standort ist ganz gezielt ausgewählt. Die Skulptur steht inmitten eines kleinen Linden-Hains. Die Linde gilt als Symbol der Sorben.

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„Es ist jetzt meine dritte Skulptur eines Wassermanns“, erzählt der Holzkünstler. Immer wieder widmet er sich sorbischen Motiven. 2009 schnitzte er aus einer 320 Jahre alten Traubeneiche das Motiv einer Sorbin mit Kind und Schlangenkrone. Es erinnert an eine Schleifer Sage. Die Figur steht heute vor dem Schleifer Sorbischen Kulturzentrum.

Aus einem 400 Jahre alten Eichenstamm aus dem Tagebau-Vorfeld entstand 2010 die Skulptur des Trebendorfer Dudelsackspielers Hans Schuster (1910-1994). 2011 schuf Thomas Schwarz für Mulkwitz die Sagenfigur „Starker Lysina“. 2014 folgte der „Wassermann“ für den Ort Radewiese bei Heinersbrück in der Niederlausitz und 2015 die Sitzbank mit „Wassermann, Irrlicht, Lutki“ für den Witaj-Kindergarten Milenka in Rohne. 2020 entstand jetzt die Skulptur „Wassermann“ für Halbendorf.

Wie aber kommt die neue Sehenswürdigkeit an? Marlon Krautz (6), Anna Schutza (8), Judy Ahr (8) und Rudi Schutza (6) freuen sich über die Sagenfigur. Sie finden sie sehr lebendig und einladend. In sorbischer Tracht sind die Kinder am Freitagnachmittag zur Einweihung gekommen.„Die ursprüngliche Idee für die Sagenfigur kam von Gisela Kotissek. Sie regte an, dass man im Ort ein Wahrzeichen brauche. Das würde für uns die Verbundenheit zur Heimat stärken“, erzählt Arite Krautz-Marusch, Vorsitzende der 41 Mitglieder starken Domowina-Ortsgruppe. „Gelegenheit war dann 2013.“ Die Domowina-Ortsgruppe stellte bei der Gemeinde Groß Düben einen Antrag zur Herstellung einer Holzskulptur. Die Zeit war aber noch nicht reif. Es fehlten die finanziellen Mittel.

Der erste Versuch war gescheitert

2014 beschloss der Gemeinderat, die Halbendorfer Kindertagesstätte „Storchennest“ zu modernisieren und mit einem Anbau zu erweitern. „Dabei störte eine fast 100jährige Eiche, die damals am Hang wild aufgewachsen war und um diese die Kinder schon 1945 spielten“, erinnert Wolfgang Kotissek, 1979-2017 Leiter des Sorbischen Folkloreensembles Schleife, an die Geschichte. „Die Eiche musste weg, wurde aber nicht zu Brennholz, sondern erst einmal zum Holzkünstler Thomas Schwarz gebracht.“

Erneut stellte die Domowina-Ortsgruppe ihren Antrag von 2013. Dank Mitteln für die Gemeinde Groß Düben aus dem Sorbischen Kommunalprogramm des Freistaates Sachsen und dank Mitteln aus der Landespauschale des Freistaates Sachsen zur Förderung des ländlichen Raumes konnte die Skulptur entstehen. Eine fünfstellige Summe kostete die Fertigung. Mit ihren Erinnerungen an die Eiche half Einwohnerin Lenka Scholta. Sie wohnt gleich in der Nähe des Kindergartens.

„Zur entstandenen Skulptur kommen jetzt noch zwei Informationstafeln“, sagt Wolfgang Kotissek. „Eine erste Infotafel erinnert in Sorbisch und Deutsch an die Sage vom Wassermann. Sie zeigt Bezüge zu Halbendorf auf. Die zweite Infotafel erklärt, wie die Halbendorfer zu dieser Figur gekommen sind. Sie zeigt Bezüge zum Neptunfest auf.“ Es gilt als größtes Neptunfest in der Lausitz. Dieses Jahr sollte es am 17. Juli beginnen. Doch wegen der Corona-Pandemie fällt die 34. Auflage aus.

Umso erfreulicher wirkte der Termin der Einweihung für die Sagenfigur genau an diesem Tag. „Wassermann und Halbendorfer See – das passt gut zusammen. Eine originelle Idee ist diese Skulptur“, meint Lothar Ahr, der 1994-1999 Bürgermeister und 1999 bis 2009 Ortsvorsteher in Halbendorf war. Die Sagenfigur lädt zum Innehalten und Verweilen ein. Sie weckt Identität, Stolz und Verbundenheit zur Lausitz. „Die Initiative kam direkt aus der Einwohnerschaft. Und von ihr wurde die Idee dann umgesetzt“, freut sich auch Stephanie Bierholdt, seit 2017 Vorsitzende des Sorbischen Folkloreensembles Schleife. Die Sagenfigur, so hofft sie wie Wolfgang Kotissek, soll Besucher aus nah und fern erfreuen. Diese sollen mehr über die im Schleifer Kirchspiel lebendigen sorbischen Bräuche und Traditionen sowie über die Sagen erfahren. „Der Standort passt gut“, meint Stephanie Bierholdt. „Von hier blicken die Besucher zum Halbendorfer See. Von hier können sie zugleich die ortstypische Architektur mit vier-Seiten-Höfen und Klinkerbauweise entdecken.“

Andreas Kirschke

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