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Der Wasserretter aus dem Gebirge

Alexander Menzel will mit dem Verein Surf Life Rescue europaweit die Strände sicherer machen. Dessen Hauptbüro ist in der Oberlausitz.

© Matthias Weber

Von Elke Schmidt

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Alexander Menzel erinnert sich noch gut an diesen Tag. Der Großschönauer surfte vor fünf Jahren mit seinen Freunden an einem Strand in Frankreich. Das Wetter war gut, die Wellen hoch. Sie hatten wie immer viel Spaß bei ihrem Hobby, bis sie plötzlich aus ihrer guten Urlaubslaune gerissen wurden. Einer von ihnen verunglückte so schwer, dass er nicht mehr alleine aus dem Wasser kam. Das hätte schlimm ausgehen können, sagt Alexander Menzel. Im europäischen Ausland würden viele Strände aus Personalmangel selten oder gar nicht bewacht. Doch der Freund hatte Glück: Alexander Menzel ist ausgebildeter Rettungsschwimmer und konnte ihm das Leben retten.

Dieses Erlebnis lässt die Freunde nicht mehr los. Sie wollen darum selbst etwas dazu beitragen, die Strände zukünftig sicherer zu machen. Der Ernstfall kann schnell kommen und jeden Wassersportler treffen, das haben sie schließlich selbst erlebt. Es bleibt nicht beim Reden, die Freunde werden aktiv und gründen 2015 in Chemnitz den Verein „Surf Life Rescue“. Das steht für „Surfen Leben Retten“. Ziel ist nichts weniger als die Sicherheit der Badenden und Wassersportler an europäischen Stränden, Seen und bei Großveranstaltungen. Dabei wollen sie sich nicht auf ein Gebiet spezialisieren, sondern möglichst das gesamte Spektrum der Wasserrettung abdecken.

Die Voraussetzungen dafür bringen die 15 Freunde allesamt mit. Sie kennen sich immerhin seit über 20 Jahren. Damals trafen sich die Surfer zufällig an einem Strand in Frankreich. Wie in der Szene üblich, kommen sie ins Gespräch. Dabei stellten sie fest, dass sie alle aus Sachsen sind und schließen Freundschaft.

Sie bleiben Freunde und treffen sich einmal im Jahr an den schönsten Surfstränden in Europa. Außer dem Wassersport verbindet sie noch eine Leidenschaft. Sie alle sind ehrenamtlich bei den verschiedensten Hilfsorganisationen tätig, wie Bergwacht, Feuerwehr, THW oder, wie Alexander Menzel, bei der DLRG. Aber bis zu besagtem Tag vor fünf Jahren denken sie nicht daran, ihr Wissen auch im Urlaub anzuwenden.

Das hat sich jetzt geändert. Innerhalb von drei Jahren bauen sie aus dem Nichts einen europaweit tätigen Verein auf. Er hat das Ziel, in Notsituationen schnell zu reagieren um das Unfallopfer schnell medizinisch zu versorgen und ins nächste Krankenhaus zu transportieren. Vor allem wollen sie erreichen, dass an den europäischen Stränden flächendeckend mehr Personal mit guter Ausbildung eingesetzt wird.

Diese Idee kam gut an. Inzwischen hat der Verein etwa 350 Mitglieder in ganz Europa, darunter Franzosen, Italiener, Portugiesen, Luxemburger und Niederländer. Entsprechend ihrem Leitsatz „Von Surfern für Surfer“ kommen die vor allem, aber nicht nur aus der europäischen Surfszene. Natürlich hat der Verein auch Mitglieder aus Deutschland: Diese wohnen oft an der Küste, aber auch zum Beispiel in Bayern.

Alexander Menzel hat die Leitung des Hauptbüros des Vereins übernommen. Bisher war das in Großschönau, aber derzeit werden neue Räume gesucht. Die werden auch gebraucht, denn nach ein paar Anlaufschwierigkeiten wird ihr Angebot inzwischen gut angenommen. Allein 2017 hatten sie über 170 Einsätze. Noch arbeiten sie ausschließlich auf Anfrage bei verschiedenen Events. Dann wird der Termin per Facebook oder Whatsapp bekannt gegeben und gefragt, wer Zeit und Interesse hat. Die Mitglieder organisieren ihre Anreise selbst. Sie alle kennen sich untereinander und bilden auch Fahrgemeinschaften. Vor Ort gibt es eine Einsatzbesprechung mit den Verantwortlichen. Der Einsatz bei Veranstaltungen ist jedoch nur der Anfang, langfristig wollen sie eine europaweite Rufbereitschaft für Notfälle aufbauen.

Die Anforderungen an die Mitglieder der „Surf Life Rescue“, die mindestens 18 Jahre alt sein müssen, sind übrigens sehr hoch. „Wir wollen möglichst hohe Standards erfüllen“, sagt Alexander Menzel. Die Retter sollen jederzeit sicher sein und die Situation beherrschen. Der Großschönauer ist im Helikopter-Team des Vereins. Diese Helicopter-Rescue-Schwimmer müssen zum Beispiel nachweisen, dass sie im Meer auch bei hohem Wellengang für 30 Minuten alleine überleben können.

Der Verein ist bei Facebook unter dem Suchbegriff „Surf Life Rescue“ zu finden.