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Der Weg aus der Armut

Für sein Projekt „Straßenschule“ hat der Verein Treberhilfe Dresden den Jugendhilfepreis Emil bekommen.

© Norbert Millauer

Von Nina Schirmer

Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Emil Tischbein ist ein mutiger Junge. Mit Scharfsinn und Courage gelingt es dem Helden aus Erich Kästners Kinderroman, einem Verbrecher das Handwerk zu legen. Emil ist engagiert. Deshalb ist der Romanheld auch Namensgeber für den Jugendhilfepreis der Stadt Dresden und der Ostsächsischen Sparkasse. Die mit 3 000 Euro dotierte Auszeichnung geht jährlich an Projekte, die sich mit bürgerlichem Engagement für Jugendliche einsetzen. Und so verhindern, dass die jungen Leute auf die schiefe Bahn geraten. Am Freitag wurde der Preis an das Projekt „KLub – die Straßenschule“ des Sozialvereins Treberhilfe verliehen.

In der Straßenschule lernen junge Menschen zwischen 17 und 28 Jahren, die aus verschiedenen Gründen keinen Schulabschluss geschafft haben. Ehrenamtliche Lehrer unterrichten die Jugendlichen in kleinen Gruppen und ganz individuell, um sie auf die Prüfungen für einen Haupt- oder Realschulabschluss vorzubereiten. „Wir wollen den Schülern zeigen, dass Bildung eine Möglichkeit ist, ihr Leben zu verändern“, erklärt die Projektleiterin Peggy Schramm. Denn die jungen Leute haben teilweise bereits auf der Straße gelebt. Ohne Abschluss finden sie keine Arbeit und haben kein Geld. Probleme im privaten Umfeld kommen oft hinzu. Einige der Schüler haben schon eigene Kinder und wollen nun Verantwortung übernehmen.

„Der Weg aus der Armut führt über die Bildung“, sagt Treberhilfe-Geschäftsführer Dieter Wolfer. Die Idee des Projekts stammt ursprünglich aus Lateinamerika. In der Straßenschule lernen die Schüler
ohne Druck. Es gibt keine Noten. Dafür aber regelmäßig Feedback-Gespräche mit Lehrern und Sozialarbeitern. Zurzeit besuchen 15 Jugendliche die Schule, von Montag bis Freitag, von 8 Uhr bis zum Nachmittag. „Wir haben aber keine starr festgelegten Zeiten“, sagt die Koordinatorin des Projekts, Beate Rohde. Die Pausen werden locker festgelegt.

Für die Sozialarbeiter sei es vor allem wichtig, eine individuelle Beziehung und Vertrauensbasis zu jedem einzelnen Lernenden aufzubauen. Die Schüler sollen sich wohlfühlen. Denn häufig war es genau der hohe Lerndruck in der großen Gruppe, an dem sie an einer normalen Schule gescheitert sind. Deshalb sind in einer Klasse der Straßenschule nie mehr als fünf Leute. Unterrichtet werden sie von Studenten, Doktoranden und pensionierten Lehrern.

Einmal im Jahr können die Schüler die Prüfung ablegen. Drei von ihnen haben einen Abschluss gemacht, seitdem das Bildungsprojekt im September 2014 gestartet ist. „Darauf sind wir besonders stolz“, sagt Projektleiterin Schramm bei der Preisverleihung. Auch nach dem Abschluss begleitet der Verein die jungen Leute weiter, vermittelt Ausbildungsangebote und hilft bei der Bewerbung. Eine der Schülerinnen hat vor Kurzem eine Ausbildung als Ergotherapeutin begonnen.

Neben der „Straßenschule“ hatten sich 21 weitere Initiativen um den Jugendhilfepreis Emil beworben – so viele wie noch nie. Fünf kamen in die engere Auswahl der Jury. Darunter das Projekt „Mirror“ des Männernetzwerks Dresden. Der Verein bietet Beratungsangebote für Eltern und insbesondere Väter an, die gegenüber ihren Kindern gewalttätig geworden sind. Gemeinsam mit den Sozialarbeitern wird nach Lösungswegen gesucht, die ein gewaltfreies Zusammenleben in der Familie ermöglichen.

Auch das Projekt „Fallschirm“ des Kinder- und Jugendhilfeverbands Freital gehörte zu den fünf Favoriten der Jury. Hier werden Heranwachsende mit aggressivem Verhalten und kriminellen Tendenzen betreut. Die Jugendlichen werden beispielsweise in Körperbeherrschung geschult. Es gibt Einzelgespräche mit Pädagogen und Ausflüge in der Gruppe.