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„Der Weg der roten Fahne“ hält für die Ewigkeit

Restauratoren haben das Kunstwerk am Kulturpalast untersucht. Es soll auch nach der Sanierung erhalten bleiben. Das löst Diskussionen aus.

Von Bettina Klemm

Unbequeme Denkmale. Auf das Wandbild am Kulturpalast trifft das Thema des gestrigen Tages des offenen Denkmals besonders zu. Das 30 mal 10,5 Meter große Werk hatte den Arbeitstitel: „1849 - 1969: 120 Jahre Kampf der revolutionären Kräfte der Stadt für Fortschritt und Sozialismus“ und steht unter Denkmalschutz. „Es ist ein wichtiges zeitgeschichtliches Zeugnis“, sagt Bernhard Sterra, Chef des Denkmalschutzes.

Weil eine Platte herabgefallen war, wurde „Der Weg der roten Fahne“ hinter einem dunklen „Schamvorhang“ versteckt. Die Dresdner tun sich schwer mit dieser Geschichte. Schon die Entstehung ist spannend. So hat Antje Kirsch in den Archiven die Dokumente über den Wettbewerb und das Schaffen des Bildes verfolgt. „21 Künstler haben sich ursprünglich beteiligt“, sagte sie in ihrem Vortrag zum Tag des offenen Denkmals. So schlugen Rudolf Sitte und Vinzenz Wanitschke ein Betonrelief vor, das den Weg „vom Chaos zum Sieg es Sozialismus“ zeigen sollte. Doch mit dem Chaos hatte der Rat der Stadt weniger im Sinn und forderte eine Überarbeitung. Ein Entwurf stammt von Ralf Winkler, jenem Künstler, der später unter dem Namen A. R. Penck weltberühmt wurde. Sein Vorschlag für den Kulturpalast erinnert an Pharaonen. Weil die erste Runde nichts Passendes brachte, wurden 14 Künstler zusätzlich eingeladen und parallel eine Arbeitsgruppe mit Dozenten der Dresdner Kunsthochschule gebildet. Gerhard Bondzin, damals Rektor der Hochschule, hatte einen Entwurf in der Schublade, der für das Robotron-Gebäude gedacht war, sagt Kirsch.

Ursprünglich sollte das Wandbild gemalt werden. Doch aus Zeitgründen entschied man sich, die 450 Betonplatten mit einem Beschichtungsverfahren zu gestalten. Dabei wurden Glaskrösel und Keramikteile auf einen Kleber aufgebracht. Um die Urheberschaft dieses Verfahrens gibt es noch heute Streit.

Aber die Haltbarkeit des Bildes ist noch vollkommen gewährleistet. „Wir empfehlen, das Netz abzunehmen und die Oberfläche bei strenger denkmalgerechter Überwachung zu reinigen“, sagt Restauratorin Anne Hierholzer von der Hochschule für Bildende Künste. Im Auftrag des Hochbauamtes hat sie Stabilität und Sanierung des Wandbildes untersucht. Es war nur eins von über 50 Denkmalen, die gestern vorgestellt wurden. „Das Interesse daran war riesig“, schätzte Sterra ein.