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Der Weihnachtsmann fährt durch Waltersdorf

Seit 40 Jahren warten Hunderte Menschen im Gebirgsort auf ihn. Einige kommen sogar extra aus Hamburg her.

© privat

Von Holger Gutte

Sorgenvoll blickt der Weihnachtsmann in Waltersdorf aus dem Fenster. So sehr hätte er sich gerade in diesem Jahr zu seinem Jubiläum Schnee an Heiligabend gewünscht. Und dabei wohnt er bereits mit Waltersdorf im höchsten Ort der Oberlausitz. „Seit 40 Jahren fahre ich nun schon ununterbrochen immer an Heiligabend mit einer Pferdekutsche durch Waltersdorf. Noch nie haben wir den Schlitten anspannen können“, sagt er. Entweder hat der Schnee dafür nicht gereicht oder es lag überhaupt keiner. Und daran wird sich nun auch in diesem Jahr am 24. Dezember nichts ändern.

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Schon sehr zeitig ist er an diesem Tag auf den Beinen. Nicht weil er die Geschenke für die Kinder noch einpacken muss – die sind längst alle in seinen Säcken verstaut. Auch der Weihnachtsmann macht sich gern schick. Erst recht für Heiligabend. Deshalb fährt der 67-Jährige schon um 8 Uhr zu Gabi Eberle nach Zittau. Die ehemalige Chefmaskenbildnerin vom Theater macht ihn schon seit einigen Jahren besonders hübsch für seinen großen Tag. Viel Zeit hat er aber nicht dafür. Denn schon um 9.30 Uhr wartet Jens Oguntke vom Pony-Hof in Hainewalde mit seiner Pferdekutsche auf ihn. Zwei Pferde will er in diesem Jahr wieder anspannen, weiß der Weihnachtsmann.

Um 10 Uhr will der Weihnachtsmann schließlich am Skiheim sein. Dort beginnt er traditionell seine Tour durch Waltersdorf. Er freut sich, dass dort unter den 50 bis 100 Wartenden oft viele Heimkehrer dabei sind, die es meist wegen der Arbeit in die Ferne zog. Hier zu Beginn seiner Tour genehmigt sich der Weihnachtsmann einen Schnaps. „Dort oben zieht es ganz schön“, sagt er. Also will er sich innerlich etwas aufwärmen. 50 Meter weiter nimmt er auch noch dankend einen Glühwein an. „Aber dann ist es gut. Die Leute sollen es mir bitte nicht übelnehmen, wenn ich danach keinen Alkohol mehr bei meinen Stopps trinken möchte“, sagt er. Schließlich ist er ja an diesem Tag vor allem für die Kinder unterwegs.

Und die winken ihm schon um 10.20 Uhr vor seinem zweiten Stopp am oberen Parkplatz von Weitem in großer Schar zu. Dort stehen meist an die 300 Leute, erzählt er. Etwa 20 Jahre lang sind darunter nun auch schon die Fahrgäste eines voll besetzten Reisebusses aus Hamburg. In seiner langjährigen Arbeit als Reiseleiter hatte der Weihnachtsmann einst die Kontakte zum norddeutschen Reiseunternehmen geknüpft – und bis heute halten sie an. Am Nachmittag will der 66-Jährige den Touristen in Oybin noch Weihnachtsgeschichten erzählen.

Bis dahin hat er in Waltersdorf aber noch jede Menge zu tun. Wenn er gegen 11.30 Uhr beim Quirle-Häusel zum dritten Mal eine Rast macht, wartet dort auf ihn erfahrungsgemäß noch eine viel größere Menschentraube als am oberen Parkplatz. Danach fährt er weiter zum Niederkretscham. Und weil der Weihnachtsmann sich Zeit für die Kinder nimmt, kann er nicht sagen, wann er wo im Ort sein wird. „Durch die vielen Handy-Fotos dauert es immer länger, bevor ich mich nach einem Stopp wieder auf den Weg machen kann, erzählt er. Es könnte 11.45 Uhr werden – vielleicht aber auch später – wenn er an seiner letzten Station an der Haltestelle „Weißer Hirsch“ ankommt.

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Mit leeren Säcken macht sich der Weihnachtsmann von dort aus aber nicht auf den Heimweg. Denn unterwegs tragen ihm die Kinder nicht nur Weihnachtsgedichte oder -lieder vor. Viele Kinder geben ihm noch einen Wunschzettel mit und hoffen, dass er erfüllt wird. Und jedes Jahr trennen sich an Heiligabend in Waltersdorf auch Kinder von ihrem Schnuller. „Die nehme ich natürlich gern mit, wenn sie mir ihre Huttis für immer anvertrauen wollen“, sagt er. Und dafür gibt es dann auch Belohnungen.