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„Der Werbe-Effekt der Arena ist unbezahlbar“

Erst Freiwild, bald Lindenberg: Auch bei großen Hausnummern wird Riesa populärer. Davon profitiert die Stadt.

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© Lutz Weidler

Riesa. Mit 10 000 Besuchern war die Sachsenarena im März restlos ausverkauft. Freiwild zog so viele Zuschauer an, wie seit mehr als zehn Jahren nicht. Mit Udo Lindenberg hat sich für 2017 der nächste Kracher angekündigt. Die SZ hat mit Oberbürgermeister und FVG-Aufsichtsrats-Chef Marco Müller über die Bedeutung solcher Großveranstaltungen für die Wirtschaft und das Image der Stadt gesprochen.

Herr Müller, mit Udo Lindenberg kommt Anfang 2017 eine echte Rock-Ikone in die Sachsenarena. Haben Sie schon Karten?

Ich will auf jeden Fall hingehen, muss mich aber noch um Karten bemühen. Ich habe heute schon gesehen, dass es nicht mehr viele gibt.

Sind Sie denn Lindenberg-Fan?

Ich habe einige CDs und höre die Musik gerne. Vor allem die älteren Stücke wie „Hinterm Horizont“. In erster Linie finde ich aber den Typ auch cool.

Wenn man sich die Veranstaltungen der letzten Jahre ansieht, dann bekommt man den Eindruck, die Sachsenarena löst sich langsam vom Image der Schlager-Halle und wird auch bei den größeren Nummern populär.

Der Eindruck täuscht nicht. Wir sind zunehmend bemüht, den Geschmack der Jugendlichen zu treffen. Aus Gesprächen weiß ich, dass die Zuschauer das wahrnehmen und sich darüber freuen. Bis Anfang September hatten wir schon zehn Prozent mehr Besucher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig ist der Stellenwert der Arena auch bei den Veranstaltern gestiegen. Das macht uns auch stolz, denn das ist immer ein Kampf, und man braucht auch ein Quäntchen Glück.

Immer wieder verweist die FVG auch auf die Bedeutung solcher Veranstaltungen für die Region ...

Das Angebot an sich ist natürlich ein Wirtschaftsfaktor für die Region. Wenn man an den Einzelhandel denkt, an die Gastronomie, Hoteliers oder auch an Busunternehmen. Sie alle profitieren von den Veranstaltungen.

Sicher profitiert auch das Image der Stadt von solchen Veranstaltungen. Lässt sich das eigentlich beziffern?

Wir erreichen über die Arena-Veranstaltungen unheimlich viele Menschen bundesweit, teilweise weltweit. Wenn es bei Florian Silbereisen am Sonntagabend in der ARD „herzlich willkommen aus Riesa“ heißt, dann sehen das 10 Millionen Menschen. Das ist ein wahnsinniger Werbeeffekt. Würden wir dafür Werbung schalten, das wäre unbezahlbar. Und dass in diesem Zusammenhang überregional über Riesa berichtet wird, sorgt auch für eine Identifikation der Bürger mit der Stadt, etwas, worauf sie stolz sein können.

Spricht man mit Veranstaltern, dann gibt es häufig Lob für die Organisation vor Ort. In welchen Punkten sehen Sie vielleicht trotzdem noch Verbesserungsbedarf?

Wir punkten mit der Funktionalität der Arena und der Professionalität des Teams. Wir könnten aber noch ganz andere Veranstaltungen herholen, wenn die Arena andere bauliche Voraussetzungen mitbrächte. Manche Bühnenbilder sind mittlerweile so hoch, dass sich einiges gar nicht realisieren lässt.

Zuletzt gab es seitens eines Stadtrats Kritik am Programm in der Arena, weil Bands wie Freiwild und die Krawallbrüder nicht unumstritten sind. Unabhängig von diesen konkreten Bands: Wo würden Sie bei der Programmauswahl die Grenze ziehen?

Erst einmal habe ich absolutes Vertrauen in die FVG-Mitarbeiter, die für das Programm zuständig sind. Wir werden keine Band – unabhängig von deren politischer Ausrichtung – in unsere Arena lassen, die Gewalt, den Krieg oder die Nazizeit verherrlicht. Abgesehen davon wollen wir aber ein breites Spektrum bedienen. Und die Zeiten der Zensur sind Gott sei Dank vorbei.

Sie haben es gerade gesagt: Das Programm gestaltet nicht der Aufsichtsratschef, sondern die Kollegen der FVG. Angenommen, Sie würden im Aufsichtsrat darüber entscheiden: Wen würden Sie gerne mal in die Arena holen wollen?

Es ist nicht so, dass ich mir jemanden erträume. Ich finde Gefallen an Schlager, Rock, auch an Punk und versuche so viel wie möglich mitzunehmen. Aber wenn ich so überlege: Ein Westernhagen-Konzert, bei dem dann „Freiheit“ in der Arena läuft, das wäre schon ein Gänsehaut-Moment.

Und als Aufsichtsratsvorsitzender geht’s vor dem Konzert noch mal in den Backstage-Bereich, um Westernhagen die Hand zu schütteln?

Da war ich tatsächlich häufig schon, zu den Aufzeichnungen zur Silbereisen-Show. Es ist schon interessant, den Unterschied zu sehen: wie glamourös es vor der Kamera aussieht, und wie es dann im Backstage zugeht.

Das Gespräch führte Stefan Lehmann.