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„Der Wolf muss beherrschbar sein“

Auf dem Hubertusfest soll über Wildschweine geredet werden. Aber in aller Munde ist der Wolf. Kreisjägermeister Jörg Köhler spricht dazu im SZ-Interview.

© Klaus-Dieter Brühl

Herr Köhler, beim Jägerseminar im Rahmen des Hubertusfestes in Zabeltitz dreht sich diesmal alles um Wildschweine.

Ja, dieses Thema ist durch die Afrikanische Schweinepest von enormer Aktualität. Sie ist zwar noch in Tschechien, aber nicht mehr so weit von Sachsen entfernt. Ich bin in Kontakt mit dem Veterinäramt des Landkreises Meißen. Wenn es neue Entwicklungen gibt, werden wir sie am Sonntag auf dem Jägerseminar, das übrigens nicht nur für Jäger gedacht ist, bekannt geben.

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Um was geht es bei dem Seminar konkret?

Wir haben Dr. Oliver Keuling von der Tierärztlichen Hochschule Hannover als Gastreferenten eingeladen. Er spricht zu seinen Forschungen über das Schwarzwild. Da gibt es auch für alteingesessene Jäger einiges Interessantes über das Verhalten der Wildschweine zu erfahren.

Nichtsdestotrotz wird auf dem Hubertusfest in Zabeltitz auch viel über ein anderes Tier gesprochen, den Wolf im Raschütz. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Der Wolf ist da. Das kann man nicht leugnen. Jäger kriegen das ganz schnell mit, wenn sich irgendwo ein Rudel ansässig macht. Das sehen sie an Fährten und Losungen oder per Wildkamera. Ich habe den Wolf im Raschützwald zwar selbst noch nicht gesehen und kann mir kein Urteil erlauben. Aber ich glaube nicht, dass ein Fuchs das Kalb bei Oelsnitz gerissen hat.

Sehen die Jäger den Wolf als Konkurrenten an?

In gewisser Weise schon. Schließlich bezahlt der Jäger Pacht, Berufsgenossenschaftsbeiträge, Versicherung, Munition und alles, was dazugehört. Und er will mit dem Verkauf des geschossenen Wildfleisches zumindest einen Teil dieser Kosten decken. Jäger werden dadurch keine Millionäre. Aber wenigstens kostendeckend sollte es werden. Und wenn mit dem Wolf ein neuer Konkurrent da ist, wird es für den Jäger schwerer. Früher hat man Wilddiebe bestraft. Sogar drastisch. Aber der Wolf wird geschützt. Das beißt sich irgendwie.

Aber wie kann man den Verlust als Jäger ausgleichen?

Das kann man nicht. Das müsste eigentlich der Staat machen. Es ist ja bekannt, was ein Wolf in etwa täglich frisst. Und wenn es ein Rudel mit so und so vielen Tieren gibt, kann man abschätzen, wie viele Wildtiere sie jährlich töten, um zu überleben. Aber das ist illusorisch. Dieser staatliche Ausgleich wird nie kommen.

Die Jägerei ist ja ein Hobby.

Ich würde es eher als Passion bezeichnen.

Nun gut. Wenn der Jäger bei seiner Passion immer nur zuzahlen muss, wird es bald keine Jäger mehr geben, oder?

Das kann passieren. Wenn am Ende eines Jahres immer weniger erlegte Wildtiere zusammenkommen, dann ist das Revier einer Jagdgenossenschaft wertgemindert. Also, ich vertrete den Standpunkt, dass die Jagdgenossenschaft, also die Landeigner, auf die Barrikaden gehen müssen und sagen: Der Wolf entwertet mein Eigentum. Wenn zum Beispiel der Wolf im Rotwildrevier so sehr zugreift, dass das Rotwild abwandert, dann ist es kein Rotwildrevier mehr. Das wird pro Hektar höher bewertet als Niederwildreviere. Der Jagdverband ist jedenfalls der Auffassung, dass es eine Veränderung zum Wolf geben muss.

Was müsste passieren?

Jedes Jahr werden die Wölfe nicht weniger. Die paar, die überfahren werden, verringern nicht den Bestand. Es fehlt eine Entscheidung der Landesregierung. Für jedes Wild gibt es Vorgaben, wie hoch der Bestand sein soll. Jeder Jäger weiß ungefähr, wie viele Rehe er in seinem Revier haben soll, damit der Bestand nicht gefährdet ist. Schießt er in einem Jahr zu viele Rehe, lässt er sie im darauffolgenden Jahr etwas mehr in Ruhe. Und genauso müsste man auch mit den Wölfen umgehen. Sie müssen zahlenmäßig beherrscht werden, so wie es zum Beispiel die Schweden tun. Es werden immer mehr Wölfe auf weniger Raum. Wir Jäger sind uns einig, der Wolf sollte bewirtschaftet werden.

Gespräch: Jörg Richter

Hubertusfest am Alten Schloss Zabeltitz am Sonntag, 24.September, 9 bis 18 Uhr, Eintritt frei.