Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

Der Wunschbaum vom Bischofsweg

Eine Neustädterin holte eine asiatische Tradition in ihren Vorgarten und machte ihn damit stadtbekannt.

Teilen
Folgen
NEU!
© Katja Frohberg

Von Marie-Kristin Landes

Lang und kahl ragen im Bischofsweg 2 Äste über den Gehweg. Noch bis vor Kurzem wehten an ihnen bunte Zettel im Wind. Doch jetzt hat der sonderbare Baum sein zweites Laub aus Papier verloren.

Die meisten kennen das Gewächs aus der Neustadt als Wunschbaum. Viele Dresdner haben an seine Zweige ihre Wünsche gehängt. Doch nur die wenigsten wissen, von wem die Idee eigentlich stammt. „Ich hätte nie gedacht, dass so viele mit ihren Wünschen zu unserem Baum kommen würden“, sagt Katrin Lambrette. Die 39-jährige Psychotherapeutin ist die Frau, die hinter ihm steckt. Ihre ganz eigene Kreation ist er allerdings nicht. Vielmehr wurde sie durch das Internet dazu inspiriert. Dort entdeckte sie auf einem Blog zufällig das Foto eines Wunschbaums aus Kalifornien. Dieser ist in seinem Ursprung eng mit den Kulturen China und Indiens verwachsen. „Ich fand die Idee einfach toll und wollte das unbedingt mit meinen Kindern machen. Nur leider steht in meinem Vorgarten kein Zitronenbaum“, sagt die vierfache Mutter lachend. An einem der letzten warmen Tage hing sie zusammen mit ihrer Familie die ersten zehn Wünsche auf. Aus denen wurden schnell mehr. Fast täglich kamen Nachbarn oder Passanten vorbei. „Es war schön zu sehen, wie sie stehen blieben, ein wenig lasen und dann selbst etwas aufschrieben. Einige hinterließen sogar kleine Kontaktanzeigen“, sagt sie. Es hat sie sehr beeindruckt, dass sich kaum jemand etwas Materielles wünschte. Doch der Wunschbaum hat ihr nicht nur Freude, sondern auch viel Arbeit bereitet. Täglich musste sie neue Wunschzettel vorbereiten und Fäden spannen, um Platz an den Zweigen zu schaffen. „Die Pflege nimmt mehr Zeit in Anspruch als man denkt, und nicht von allen habe ich dafür Lob bekommen“, erzählt sie. Einige Besucher sollen nicht nur Müll im Vorgarten, sondern auch unfreundliche Nachrichten hinterlassen haben. Als dann das schlechte Wetter kam und aus den Wunschzetteln ein nasses Knäuel wurde, nahm sie alle ab.

Im nächsten Jahr möchte Katrin Lambrette ihre Aktion wiederbeleben. „Ich glaube, es ist wichtig, dass man seine Wünsche nicht für sich behält, sondern sie ausspricht und mit anderen teilt“, erklärt sie. Der neue Wunschbaum soll aber nicht in ihrem Vorgarten, sondern im Alaunpark stehen. Sie hofft, dass sie sich dann nicht mehr allein um ihn kümmern muss.