merken

Der Wunschkandidat

Maik Walpurgis ist Dynamo Dresdens neuer Cheftrainer. Sportchef Ralf Minge erklärt, warum die Suche fast drei Wochen gedauert hat.

© Robert Michael

Von Sven Geisler und Tino Meyer

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Shoppingvergnügen im Herzen der Altstadt

Die Altmarkt-Galerie: größte Shoppingvielfalt inmitten von Dresden. Wo, wenn nicht hier?

Als der Vertrag fix war, hat sich Maik Walpurgis zurückgelegt und „dieses tolle Flair genossen“. Gleich bei seinem ersten Abendessen in Dresden hatte der neue Trainer von Dynamo „ein richtig schönes Gefühl“, einen besseren Start konnte es für ihn also kaum geben. Vorausgegangen waren gut zwei Wochen, in denen er sich nicht sicher sein konnte, dass es wirklich klappt mit dem neuen Job. Dabei war er der erste Gesprächspartner gewesen nach der Trennung von Uwe Neuhaus. Das berichtet Ralf Minge bei der Pressekonferenz am Dienstagmittag, bei der er endlich seinen Wunschkandidaten präsentieren konnte.

Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen zu Dynamos neuem Cheftrainer.

Warum fiel Dynamos Wahl auf Maik Walpurgis?

Das ist eine lange Geschichte, meint Minge, begonnen hat sie zu seiner Zeit als Trainer der U23-Mannschaft von Bayer Leverkusen; das ist gefühlt eine Ewigkeit her. Vor vier Jahren hat er dann das erste Mal versucht, Walpurgis nach Dresden zu holen. Der sagte damals jedoch ab und blieb beim VfL Osnabrück. Diesmal war er frei und ist bereit, „die Aufgabe mit voller Energie anzugehen“, wie Walpurgis erklärt. Er sei als Trainer mit anderen Mannschaften bereits in Dresden gewesen und habe die „besondere Atmosphäre“ erlebt. „Umso reizvoller ist es, als Trainer mit der Mannschaft den Takt mit anzugeben und Akzente zu setzen mit der Art und Weise, wie wir Fußball spielen.“

Weshalb hat die Suche nach dem neuen Trainer so lange gedauert?

Erst knapp drei Wochen nach der Trennung von Neuhaus am 23. August beginnt der Nachfolger mit der Arbeit, in der trainingsintensiven Punktspielpause hat Cristian Fiel als Interimscoach die Mannschaft betreut. Minge sagt offen, dass man auch das Szenario geprüft habe, „ob wir die Hürden nehmen können“, um ihn zur Dauerlösung zu machen. Es sei seine Pflicht, im Interesse des Vereins verschiedene Möglichkeiten zu prüfen.

Minge hat mit anderen Trainern gesprochen, ohne dass er Namen nennt. Letztlich sei man aber zu dem Schluss gekommen, dass Walpurgis am besten passt. „Er hat die meisten Prozentpunkte, war nah dran an unserer Idealvorstellung, von daher ist er unser Wunschkandidat“, erklärt Minge.

Was waren die Knackpunkte in den Verhandlungen?

Die Laufzeit nicht. „Da hatten wir zuerst einen Haken dran“, sagt Dynamos Verhandlungsführer. Walpurgis’ Vertrag gilt bis Juni 2020 sowohl für die erste als auch die zweite Liga. „Eine gewisse Stressresistenz“, die in einem emotionalen Umfeld nötig sei, setzt Minge bei Walpurgis ebenso voraus. Die Kandidaten wurden nach fünf Kriterien bewertet, in vier Bereichen sei man sich mit Walpurgis schnell einig gewesen. Es sei „nicht in erster Linie eine finanzielle Frage“ gewesen, allerdings ist die nicht zu vernachlässigen. Immerhin muss Dynamo Neuhaus weiter bezahlen.

Ein Knackpunkt war die Zahl der Assistenten. Eigentlich sollte er nur einen mitbringen dürfen. Walpurgis wurden jedoch zwei gestattet. Ovid Hajou, 34 Jahre, absolviert wie Fiel gerade die Ausbildung zum Fußball-Lehrer, wird deshalb nicht immer in Dresden sein. Massimilian Porcello, 38, früherer Profi, erhält zunächst einen Vertrag für ein Jahr. „Sie sind mir persönlich für meine Arbeitsweise sehr wichtig“, sagt Walpurgis. Der Verein, das betont Minge, besteht darüber hinaus darauf, dass er bereit ist, den vorhandenen Stab einzubeziehen. Deshalb hat sich Walpurgis mit seinen neuen Kollegen bereits am Vormittag getroffen. Es sei wichtig, dass jeder Einzelne seine Fähigkeiten zu 100 Prozent einbringen kann, erklärt der neue Chef – und er betont: „Wir wollen einen fruchtbaren Boden schaffen, sodass sich jeder wohlfühlt.“

Wie geht es jetzt für Interimscoach Cristian Fiel weiter?

Er erhält ein großes Dankeschön von Minge und betreut ab sofort wieder Dynamos B-Jugend in der Bundesliga. „Er hat die Aufgabe als Interimstrainer nicht nur ausgeführt, sondern auch gelebt“, sagt Minge. Mit Akribie, Emotionalität und fachlicher Konsequenz. „Dadurch hat uns Fielo in die Lage versetzt, nicht unter extremen Druck zu geraten“, erklärt der Sportgeschäftsführer. „Wenn es noch ein paar Tage länger gedauert hätte, wäre es überhaupt kein Problem gewesen.“ Wenn man ihn befördert hätte, meint Minge zu Plan B, hätte er gleich drei Stufen in seiner Entwicklung übersprungen. „Er wird seinen Weg als Trainer machen.“

Was wird der neue Trainer ändern und für welche Spielweise steht er?

Das ist eine spannende Frage. Walpurgis bleibt mit seiner Antwort jedoch grundsätzlich allgemein. „Was wir machen: an einer klaren Organisation, einer Grundordnung und einer defensiven Stabilität arbeiten.“ Die Spieler kenne er zwar, obwohl er bisher keinen von ihnen trainiert hat. Was ihre Einsatzchancen betrifft, sei jedoch jeder „ein unbeschriebenes Blatt“, meint der Coach. „Ich freue mich auf die vielen Charaktere und guten Fußballer.“ Sein Anspruch sei es, jeden auf ein höheres Niveau zu heben.

Er wolle „aktiven Pressingfußball“ spielen lassen, sagt Walpurgis, also „dem Gegner unser Spiel aufzwingen, sehr ballorientiert im Schwarm verteidigen und möglichst frühzeitig Ballgewinne haben“. Das klingt nach einem guten Plan, wie schnell der umzusetzen ist, steht auf einem anderen Blatt. Bis zu seinem ersten Spiel als Verantwortlicher auf der Dresdner Bank am Freitag, 18.30 Uhr, bei Jahn Regensburg bleiben Walpurgis nur drei Trainingseinheiten. Deshalb gehe es jetzt darum, der Mannschaft so schnell wie möglich das Konzept zu vermitteln und „für jeden Spieler die ideale Position zu finden, auf der er seine Leistung ausschöpfen kann“. Erste Aufschlüsse gibt es am Freitag.