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Der Zahnarzt bleibt im Dorf

Die Alten Post wird zum Ärztehaus. Dafür gibt die Gemeinde viel Geld aus.

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© Lutz Weidler

Von Jürgen Müller

Stauchitz. Die Gemeinde Stauchitz will im kommenden Jahr rund 170 000 Euro ausgeben, um die „Alte Post“ umzubauen. Dort soll eine Zahnarztpraxis entstehen. Eine Förderung ist derzeit nicht absehbar, so dass Stauchitz die Kosten wohl aus eigener Kraft wird stemmen müssen. Die Summe soll jedenfalls in dem Haushalt für 2017, der gerade aufgestellt wird, eingeplant werden.

Der Zahnarzt ist nicht neu, sondern es ist derjenige, der schon jetzt in Stauchitz praktiziert. Er will jedoch umziehen. „Mit der Investition stellen wir sicher, dass der Zahnarzt im Dorf bleibt“, so Bürgermeister Frank Seifert (parteilos). Die Umbaukosten würden zumindest teilweise über die Miete wieder hereingeholt.

Auch Hausärztin zieht um

Voraussichtlich im April nächsten Jahres will die Hausärztin Kerstin Neumann in die „Alte Post“ einziehen. Auch sie zieht innerhalb der Gemeinde mit ihrer Praxis um, praktiziert bisher in der Riesaer Straße 1.

Durch den Auszug einer Tagespflege wurden in der Alten Post Räume frei. Eine Physiotherapie befindet sich bereits in dem Gebäude. Stauchitz ist im Gegensatz zu vielen anderen, vergleichbaren Gemeinden relativ gut mit Ärzten versorgt. In Stauchitz praktizieren zwei Allgemeinärzte und ein Zahnarzt. Die „Alte Post“ eignet sich als Ärztehaus, weil das Haus verkehrsgünstig an einer Bushaltestelle gelegen ist. Außerdem gibt es ausreichend Parkplätze. In dem Haus befindet sich ein Fahrstuhl.

Nichts wird es dagegen mit einem Fußgängerüberweg an der Alten Poststraße. Wie Bauamtsleiter Dirk Zschoke sagte, müssten dazu pro Stunde 200 Fahrzeuge die Stelle passieren oder 50 Fußgänger die Straßenseite wechseln. Beides sei nicht zu erreichen. Eine Verkehrszählung gab es zwar noch nicht, aber die sei auch nicht notwendig. Zuständig ist das Landesamt für Straßenbau und Verkehr, weil es sich um eine Staatsstraße handelt. Das Einrichten eines Fußgängerüberweges würde rund 20 000 Euro kosten. Nötig sei nicht nur eine Fahrbahnmarkierung, sondern zum Beispiel auch das Aufstellen von beleuchteten Verkehrszeichen.

Die „Alte Post“ hat eine lange Geschichte. Von 1726 an befand sich dort tatsächlich eine Poststation mit Pferdewechsel. Nachdem die Station 1816 wieder aufgehoben war, richtete man darin einen Gasthof „Zur Alten Post“ ein. Dieser wurde noch bis 1996 als Gasthof genutzt, insgesamt 175 Jahre. Danach wurde der Saal abgerissen. Das ehemalige Rittergutshaus wurde bereits 1946/47 abgebrochen, die 1828/29 errichteten Wirtschaftsgebäude gestaltete man zu Wohnungen um. Zwei Wohnungen wurden von der Gemeinde renoviert und sollten für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden. Der Landkreis mietete die Wohnungen an, doch diese blieben leer. Zum Ende dieses Monats wurde der Mietvertrag gekündigt.