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Der Zwiebelwettermann will in den Ruhestand

Dieter Wagner aus Oppach sagt aus dem Gemüse seit dem Jahr 2000 das Wetter für die Oberlausitz voraus. Sein Kalender für 2018 aber ist vielleicht der Letzte.

© Matthias Weber

Von Gabriela Lachnit

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Dieter Wagner hatte es in diesem Jahr sehr eilig, das Krankenhaus zu verlassen. Am Dreikönigstag, dem 6. Januar, wollte er das Wetter ablesen. „Da musste ich unbedingt nach Hause“, sagt der Rentner, den es zu Jahresbeginn gesundheitlich aus der Bahn geworfen hatte, wodurch ein Klinikaufenthalt nötig geworden war. Nach Wagners Worten hatte der Arzt ein Einsehen, denn es sei ja wichtig, dass er das Wetter für die Oberlausitz ankündigen könne, erzählt der Zwiebelwettermann.

Wie seit dem Jahr 2000 hat Dieter Wagner auch in der Silvesternacht 2017 die Vorbereitungen für die Wettervorhersage aus der Zwiebel getätigt. Von zwölf gleich großen Zwiebeln aus dem Supermarkt hat er jeweils die Hälfte auf einem Brett ausgelegt. Einige Schalen jeder Zwiebel hat er entfernt und in jede Hälfte einen gestrichenen Teelöffel Salz hineingegeben. Bis zum Dreikönigstag musste das Ganze sechs Tage lang am gleichen Ort aufbewahrt werden. Je nachdem, wie sich die Zwiebeln und das Salz verhalten, interpretiert Wagner das Wetter für den jeweiligen Monat.

In diesem Jahr allerdings war die Sache recht seltsam, sagt der Wetterprophet. „Die Zwiebeln sagten aus, dass es das ganze Jahr lang ziemlich schön sei mit viel Sonne und wenig Regen.“ Vor allem im Juni, Juli und August soll es sehr warm werden und häufig gewittern. Für manchen Monat sagte das Orakel Niederschläge am Monatsbeginn aus, für andere am Monatsende. „Aber dazwischen eben immer gutes Wetter.“ Weil das tatsächlich nicht eintreten könne, hat sich Dieter Wagner auf seine langjährigen Wetteraufzeichnungen und den Hundertjährigen Kalender besonnen. In diesem Jahr hat er in den Zwiebelkalender mehr als sonst eigene Erfahrungswerte einfließen lassen. Bei etwa 74 Prozent haben im Vorjahr seine Voraussagen gestimmt, erklärt der Zwiebelwettermann. Wenn das dieses Jahr auch wieder so passen würde, wäre er zufrieden.

Möglicherweise ist der diesjährige Zwiebelkalender der letzte, den er herausgibt. „Zurzeit bin ich gesundheitlich angeschlagen“, bekennt er und ergänzt, dass er im Mai seinen 80. Geburtstag feiern will. Er ist froh, dass er noch im Vorjahr die meisten Vorbereitungen für den Zwiebelwetterkalender 2018 abgeschlossen hatte. Dieses Jahr ist das der Venus, wie das Titelblatt des Kalenders verrät. Erneut hat Wagner passende Bilder und Sprüche ausgesucht, alles aufgeschrieben, liebevoll arrangiert und bebildert. Nur die Plätze für die Wettervorhersagen für jeden Monat blieben noch frei und unbeschrieben. Die hat er dann nach dem 6. Januar akribisch ausgefüllt.

Das Wetter macht, was es will

200 Exemplare des Kalenders für dieses Jahr hat der Oppacher in Löbau drucken lassen. Gebunden hat er sie wie immer zu Hause mit seiner Frau Brunhild. „Das war anstrengend und eine schwere Arbeit, die vielen Blätter in der Mitte fürs Heften mit der Nadel durchzustoßen“, sagt er.

Die Kalender sind bei ihm zu Hause sowie in der Postfiliale in Oppach und in Löbau im Geschäft von Bruno Schramm in der Eichelgasse 2 erhältlich. Einige Exemplare hat er bereits verschickt, aber die Zahl der Bestellungen ist nicht so hoch wie noch ein paar Jahre zuvor. Woran das liegt, weiß der Wetterprophet nicht so genau – vielleicht liegt es daran, dass das Wetter sowieso macht, was es will, meint er lachend.