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Derbe Sprüche auf Striezelmarkt-Toiletten

Dresdner und Touristen ärgern sich gleichermaßen über unverschämte Zettel in den WC-Containern, die sie zum Putzen auffordern.

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Von Benjamin Grau

Die Leipzigerin Barbara Wehlmann konnte es kaum fassen, als sie kürzlich die Toiletten auf dem Striezelmarkt besuchte. „Setzen Sie sich gerne auf ein vollgesch... Klo?“, stand auf einem Zettel an der Innenseite der Kabine. Danach folgte die forsche Aufforderung, das WC nach Benutzung sauber zu machen.

„Das ist eine Unverschämtheit. Wofür kassieren die dann überhaupt noch 50 Cent“, ärgert sich die 64-Jährige. Sie betreut selbst Toiletten in Dresden und Leipzig und zeigte ihren Kollegen die unfreundliche Aufforderung. „Jeder war von dem Zettel geschockt“, sagt sie.

Für die 64-Jährige würde so eine Formulierung nicht infrage kommen. „Wir gehen anders mit unseren Kunden um“, betont Barbara Wehlmann. Seit zehn Jahren betreut sie Toiletten in einem großen Leipziger Kaufhaus, organisierte aber auch mobile WCs auf Weihnachtsmärkten und Konzerten. „Nach jeder Benutzung wird sauber gemacht“, erklärt die Dienstleisterin. Dafür bezahlten die Besucher dann gerne 50 Cent oder mehr. Doch durch solche unverschämten Zettel fühle sie ihren Berufsstand heruntergezogen. „Für das Putzen kassiere ich Geld, dafür habe ich Personal“, betont sie.

Auch andere Besucher des Striezelmarkts wundern sich über die drastische Putz-Aufforderung. „Es geht unter die Gürtellinie. Man hätte es anders formulieren können“, sagt Gabriele Würpel. Auch ihr Mann Rainer findet den Zettel „unverschämt“. Die 82-jährige Striezelmarktbesucherin Christa Binder sieht das genauso. Sie gibt allerdings zu bedenken, dass man eine Toilette ebenso sauber zu verlassen habe, wie man sie vorfinde.

Die SZ konfrontierte die Betreiberin der WCs vor Ort. Doch die reagierte verärgert und hüllte sich in Schweigen. Ihr Kollege verteidigt die derben Zettel. Sie seien gerechtfertigt. „Wissen Sie, wie die Toiletten teilweise hinterlassen werden?“, fragte er.

Entsetzt reagierte hingegen das Amt für Wirtschaftsförderung. Nachdem die SZ um eine Stellungnahme zu diesem Fall bat, wurden die Zettel noch am selben Abend abgenommen. „In dieser Form werden sie nicht mehr aufgehängt“, versichert Rico Nonnewitz von der Behörde. „Grundsätzlich ist die Bitte um Sauberkeit berechtigt, aber die Ausdrucksweise war nicht die beste“, findet er. Schließlich sollen sich die Besucher des Striezelmarkts in Dresden wohl fühlen. „87 Prozent der Gäste wollen wiederkommen, 99 Prozent empfehlen den Markt ihren Freunden, und so soll es auch bleiben“, versichert Nonnewitz.

Auch die Dresdner City-Managerin ist froh, dass die Zettel so schnell abgenommen wurden. „Diese unverschämte Formulierung ist unpassend und nicht wirklich tragbar“, sagt Tanja Terruli. Höfliche Aufforderungen zur Sauberkeit seien dagegen möglich. Ihr ist wichtig, dass sich alle in Dresden wohl fühlen. „Wir wollen die Menschen freundlich empfangen“, betont die City-Managerin.