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Deutsch lernen anders herum

In der DAZ-Klasse im Gymnasium lernen Schüler auf sehr unterschiedlichem Niveau. Ein Projekt soll ihnen helfen.

© André Braun

Von Jens Hoyer

Arbeiten in Görlitz

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Döbeln. Ein Mädchen hat aufgeschrieben, wie schön Damaskus vor der Zerstörung war. Andere haben sich Tiergeschichten ausgedacht. Ein 15-jähriger Schüler aus Nigeria hat einen Text über einen blinden Jungen geschrieben. „Eine Welt ohne Farben“ hat er sie genannt und jetzt sitzt er mitten in der Aula an einem Tisch und übersetzt sie ins Deutsche. Aus dem Spanischen, denn Spanien war eine Etappe auf der Flucht aus der Unruheregion in Afrika, die der Junge ohne seine Eltern angetreten hat. In Deutschland lebt er bei Pflegeeltern und er besucht mit 23 anderen Schülern vieler Nationen die DAZ-Klasse im Lessing-Gymnasium. DAZ steht für „Deutsch als Fremdsprache“.

Maria Hummitzsch hilft dem Schüler beim Übersetzen. Gerade erklärt sie ihm Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Sie ist Übersetzerin von Beruf und sie hat das Projekt am Lessing-Gymnasium organisiert, bei dem es um die deutsche Sprache geht, aber mal ganz anders. Die Kinder schreiben Geschichten in ihrer Muttersprache und professionelle Übersetzer helfen ihnen, die Texte zu übertragen. Das sei ein ganz anderer Ansatz und trotzdem ein sehr intensives Auseinandersetzen mit der deutschen Sprache, erklärt die Leipzigerin, die in Döbeln selbst das Gymnasium besuchte. „Man merkt den Schülern an, dass es für sie ungewohnt ist, in ihrer Muttersprache schreiben zu dürfen. Aber sie blühen richtig auf.“ „In zwei Sprachen zu Hause“ heißt das Projekt des Deutschen Übersetzerfonds. Schulleiter Michael Höhme sei gleich begeistert gewesen und habe es unterstützt, erzählt Hummitzsch.

Auch André Krauß freut sich über die Hilfe. Er betreut die DAZ-Klasse, die im April dieses Jahres am Gymnasium etabliert wurde. 24 Schüler, die elf Sprachen sprechen, und nur ein Lehrer. Manchmal fühle er sich überfordert, sagt Krauß. In dem Projekt stehen ihm plötzlich eine Menge Hilfskräfte zu Verfügung, die sich intensiv mit den Schülern beschäftigen. Maria Hummitzsch, die Übersetzerin für Spanisch und Englisch ist, hat sieben weitere Kollegen aktiviert. Übersetzer für Arabisch und Thailändisch, Rumänisch und Bulgarisch. Nur für die afrikanischen Sprachen Oromo und Somali habe sie niemanden finden können. Die Texte dieser Schüler werden im Nachhinein noch übersetzt, sagt sie.

Die Voraussetzungen der Schüler seien sehr unterschiedlich. Einige haben einen sehr guten Stand, sprechen mehrerer Sprachen, sind sehr fit in der Schule. Der 15-jährige Nigerianer wird wahrscheinlich das Gymnasium besuchen können. Auf der anderen Seite stehen Kinder und Jugendliche mit abgeschnittenen Bildungsbiografien. Ein Junge aus dem syrischen Bergland habe praktisch keine Schule besuchen können und kann nicht schreiben. Ein kleines Mädchen aus Syrien hatte längere Zeit die Schule unterbrochen. „Aber die größeren Jungs kümmern sich um sie. Das klappt sehr gut“, sagt Maria Hummitzsch.

Manche Kinder sind schon zwei Jahre da, einige erst wenige Wochen. 24 Schüler auf unterschiedlichem Niveau in einer Klasse – Krauß muss daraus das Beste machen. Je nachdem, wie fit sie sind, gehen Schüler auch schon in Regelklassen stundenweise in den Unterricht. Oft wird auch in kleineren Gruppen gearbeitet, was den Unterricht entspannt, erzählt er. So gehen Schüler zum Lesen in die Schulbibliothek und werden dort von der Bibliothekarin betreut. „In der ersten und letzten Stunde versuchen wir immer etwas Gemeinsames zu machen“, erzählt der Lehrer. Da wird dann schon mal mit dem Nutella-Glas geübt. Es steht auf dem Tisch, unter dem Tisch. „Präpositionen sind für die Schüler eine Herausforderung“, so der Lehrer,