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Deutsche Geiseln im Jemen laut Vermittlern frei

Die meisten Forderungen der Entführer sindoffenbar erfüllt worden.

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Von Ahmed Al-Haj, Sanaa

Die drei im Jemen entführten Deutschen sind nach Angaben von Vermittlern wieder frei. Die Deutschen sollten am späten Freitagnachmittag in der Hauptstadt Sanaa eintreffen, erklärte Ahmed Ubad Scherif, einer der Vermittler vom Stamm der Chawlan. Zunächst hielten sich die Freigelassenen im Haus des stellvertretenden Gouverneurs der Provinz im Südjemen auf.

Ein zweiter Stammesvermittler erklärte, die Entführer hätten ihre Geiseln freigelassen, nachdem die Regierung in Sanaa auf ihre Forderungen eingegangen sei, einige Stammesmitglieder aus jemenitischen Gefängnissen zu entlassen. Außerdem habe die jemenitische Regierung ein Lösegeld von 20 Millionen Rial (70000 Euro) gezahlt.

Berlin zögert mit Bestätigung

Die Freilassung der Geiseln wollte Außenamtssprecher Andreas Peschke in Berlin vorerst nicht bestätigen. Man verfüge derzeit nicht über eine gesicherte Grundlage, um etwas anderes zu erklären.

Bei den Deutschen handelt es sich um eine Entwicklungshelferin und ihre Eltern. Sie wurden am Montag rund 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Sanaa von Mitgliedern des Bani-Dhabjan-Stammes verschleppt. Anfang der Woche hatte ein Clansprecher erklärt, die Entführten würden wie Gäste behandelt, es werde ihnen nichts geschehen. Die jemenitische Regierung hatte Truppen in die Region entsandt.

Radikaler Geistlicher

Nach Angaben der Vermittler forderte Clanchef Scheik Abed Rabbo Saleh al Tam die Freilassung des jemenitischen Geistlichen Mohammed Ali Hassan al Moajad. Al Moajad wurde 2005 in New York wegen Unterstützung des Terrorismus zu 75 Jahren Haft verurteilt. Ein Berufungsgericht ordnete im Oktober ein Wiederaufnahmeverfahren an.

Der Geistliche wurde im Jahr 2003 von FBI-Informanten nach Deutschland gelockt und versprach in heimlich aufgezeichneten Gesprächen, dem Terrornetzwerk alQaida und der radikalislamischen Hamas Geld zukommen zu lassen. Er wurde von der deutschen Polizei festgenommen und an die USA überstellt. (AP)