merken

Deutsche Schüler im oberen Mittelfeld

Seit dem Pisa-Schock vor gut zehn Jahren haben die Schüler in Deutschland unbestreitbar aufgeholt und sich im oberen Mittelfeld behauptet. Doch die bekannten Probleme bleiben.

© dpa

Berlin. Beim neuen internationalen Pisa-Schultest haben sich die 15-jährigen Schüler in Deutschland im oberen Mittelfeld behauptet. In Mathematik, Naturwissenschaften sowie im Lesen und Textverständnis erreichten sie Werte oberhalb des Durchschnitts der anderen Industrienationen. Auch die Zahl der leistungsschwachen Schüler ging in Deutschland leicht zurück. Gleichwohl können fast 18 Prozent der Heranwachsenden nur ganz einfache Mathe-Aufgaben lösen.

Eindeutige Pisa-Sieger sind nach den am Dienstag veröffentlichen Ergebnissen erneut die Schüler aus den asiatischen Regionen Shanghai, Singapur, Hongkong und Taipeh. 15-Jährige aus diesen Ländern sind Gleichaltrigen aus Deutschland allein in Mathematik um zwei bis drei Schuljahre voraus. Aber auch die Schüler aus der Schweiz und den Niederlanden finden sich in der weltweiten Mathe-Leistungstabelle unter den zehn Erstplatzierten.

Elbgalerie Riesa
Hier macht Shoppen glücklich!
Hier macht Shoppen glücklich!

"Alles bekommen. In Riesa." – dieses Motto lebt die Elbgalerie Riesa.

Bei Mathe und Naturwissenschaften sehr gut

Heikes Tacho und Marys Pocken - Aufgaben beim Pisa-Test

MATHEMATIK

Heike hat gerade ein neues Fahrrad bekommen. Es hat einen Tachometer. Dieser kann Heike die zurückgelegte Strecke und ihre Durchschnittsgeschwindigkeit für eine Tour anzeigen.

Frage 1: Auf einer Tour ist Heike 4 Kilometer in den ersten 10 Minuten gefahren und dann 2 Kilometer in den nächsten 5 Minuten. Welche der folgenden Aussagen ist richtig? A. Heikes Durchschnittsgeschwindigkeit war in den ersten 10 Minuten höher als in den nächsten 5 Minuten. B. Heikes Durchschnittsgeschwindigkeit war in den ersten 10 Minuten und in den nächsten 5 Minuten die gleiche. C. Heikes Durchschnittsgeschwindigkeit war in den ersten 10 Minuten niedriger als in den nächsten 5 Minuten. D. Es ist nicht möglich, anhand der Angaben etwas über Heikes Durchschnittsgeschwindigkeit zu sagen.

Richtige Antwort: B

Frage 2: Heike ist sechs Kilometer zum Haus ihrer Tante gefahren. Ihr Tachometer hat für die gesamte Tour durchschnittlich 18 Kilometer pro Stunde angezeigt.

Welche der folgenden Aussagen ist richtig? A. Heike hat 20 Minuten gebraucht, um zum Haus ihrer Tante zu kommen.

B. Heike hat 30 Minuten gebraucht, um zum Haus ihrer Tante zu kommen.

C. Heike hat 3 Stunden gebraucht, um zum Haus ihrer Tante zu kommen.

D. Es ist nicht möglich zu sagen, wie lange Heike gebraucht hat, um zum Haus ihrer Tante zu kommen.

Richtige Antwort: A

LESEKOMPETENZ

Ein Geizhals verkaufte alles, was er hatte, und kaufte einen Klumpen Gold, den er in einem Loch in der Erde neben einer alten Mauer vergrub. Jeden Tag ging er, um danach zu sehen. Einer seiner Arbeiter bemerkte die regelmäßigen Besuche des Geizhalses an dem Ort und beschloss, dessen Kommen und Gehen zu beobachten. Der Arbeiter entdeckte bald das Geheimnis des versteckten Schatzes, grub im Boden, fand den Klumpen Gold und stahl ihn. Der Geizhals fand das Loch bei seinem nächsten Besuch leer vor und begann, sich die Haare zu raufen und laut zu klagen. Ein Nachbar, der ihn in seiner Verzweiflung sah und den Grund dafür erfuhr, sagte zu ihm: „Bitte grämt Euch nicht so; nehmt Euch einen Stein, legt ihn ins Loch und stellt Euch vor, das Gold läge noch dort. Er wird Euch den gleichen Dienst erweisen, denn auch, als das Gold noch da war, besaßt Ihr es nicht, da Ihr nicht den geringsten Gebrauch davon gemacht habt.“

Aufgabe: Lies die untenstehenden Sätze und nummeriere sie in der Reihenfolge der Ereignisse im Text.

1. Der Geizhals entschloss sich, all sein Geld gegen einen Klumpen Gold zu tauschen

2. Ein Mann stahl das Gold des Geizhalses.

3. Der Geizhals grub ein Loch und versteckte seinen Schatz darin.

4. Der Nachbar des Geizhalses riet ihm, das Gold durch einen Stein zu ersetzen.

Richtige Antwort: Reihenfolge 1,3,2,4

NATURWISSENSCHAFT

Mary Montagu überlebte im Jahr 1715 eine Pockeninfektion, doch ihr Gesicht blieb mit Narben bedeckt. Während eines Türkei-Besuches im Jahr 1717 lernte sie ein dort übliches Verfahren kennen, die sogenannte Inokulation. Bei dieser Behandlung wurden Erreger einer schwachen Form des Pockenvirus in die Haut von gesunden jungen Menschen eingeritzt, woraufhin diese zwar erkrankten, aber in den meisten Fällen nur an einer leichten Form der Krankheit. Mary Montagu war davon so überzeugt, dass sie ihre Kinder auf diese Weise behandeln ließ. 1796 benutzte Edward Jenner die Inokulation mit Kuhpocken, einer verwandten Pockenart, um Antikörper gegen die Pocken zu erzeugen. Im Vergleich zur Inokulation mit Pocken hatte diese Behandlung weniger Nebenwirkungen, und die behandelte Person konnte niemanden anstecken. Die Behandlung ist als Impfung bekanntgeworden.

Frage: Gegen welche Art von Krankheiten kann man sich impfen lassen?

A. Erbkrankheiten wie die Bluterkrankheit.

B. Krankheiten, die von Viren verursacht werden, z.B. Kinderlähmung.

C. Krankheiten, die durch Funktionsschwächen des Körpers verursacht werden, z. B.. Zuckerkrankheit.

D. Jede Art von Krankheit, für die es keine Heilung gibt.

Richtige Antwort: B

1 / 10

Pisa - der weltweit größte Schulleistungstest

Pisa ist der weltweit größte Schulleistungstest. Die Abkürzung steht für „Programme for International Student Assessment“. Ausgerichtet wird Pisa von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris.

Getestet werden 15- bis 16-jährige Schüler. An der jüngsten Untersuchung im Frühjahr 2012 nahmen etwa 510.000 Heranwachsende aus 65 Nationen teil. Dazu zählen die 34 in der OECD zusammengeschlossenen wichtigsten Industrienationen sowie ihre Partnerländer und weitere aufstrebende Wirtschaftsregionen, vor allem in Asien. In Deutschland machten diesmal rund 5.000 Schüler mit.

Mit lebensnahen Testaufgaben wird bei Pisa überprüft, ob die Schüler das Erlernte auch im Alltagsleben einsetzen können. Schwerpunkt der Untersuchung war diesmal Mathematik. Zugleich wurden erneut die Kenntnisse in Naturwissenschaften getestet sowie Lesen und Textverständnis - die wichtigste Schlüsselkompetenz für das Lernen überhaupt.

Die Tests finden seit 2000 alle drei Jahre statt. Neben den Leistungen werden familiärer, sozialer und schulischer Hintergrund der jungen Menschen erfasst sowie Motivation, Lernmethoden und Unterstützung durch die Lehrer untersucht. Weltweit arbeiten mehr als 300 Wissenschaftler und ihre Mitarbeiter an der Erstellung und Auswertung der Tests.

1 / 4

Hintergrund: Das asiatische Bildungssystem - Drill, Druck und Demut

Ein Überblick: Im aktuellen Pisa-Test hängen die Schüler aus asiatischen Regionen wie Shanghai, Singapur, Hongkong oder Taipeh ihre europäischen Altersgenossen erneut klar ab. Die Gründe dafür liegen nach Überzeugung von Experten auch in einer sehr anderen Lernkultur.

Frontalunterricht: In den meisten asiatischen Schulen gibt es traditionellen Frontalunterricht. Freie, individuelle Lernformen und gemeinsames Arbeiten in Gruppen sind die Ausnahme. Stattdessen wird großer Wert auf Auswendiglernen und ständige Wiederholungen gelegt.

Drill: In China beginnt der Drill schon im Kindergarten. Zusätzlicher Unterricht morgens vor der Schule, am Abend oder an Wochenenden ist an der Tagesordnung. Auch für japanische Schüler gilt: Pauken, Pauken, Pauken. Dahinter steckt die Überzeugung, dass Bildungserfolg mit Fleiß erreichbar ist. In Südkorea müssen viele Jugendlichen nach dem Schulunterricht in „Vorbereitungsklassen“ oder bei Privatlehrern weiterlernen.

Wettbewerb: In vielen Bereichen der asiatischen Gesellschaften gibt es einen harten Konkurrenzkampf. Chinesische oder etwa japanische Schüler kommen nur mit Spitzennoten auf gute weiterführende Schulen oder Universitäten. Die Zulassungsprüfungen zu den Universitäten nennen die Japaner selbst eine „Prüfungshölle“.

Druck: In China lasten die Hoffnungen vieler Familien auf dem meist einzigen Kind. Es muss in der Schule etwas erreichen, um später beruflich voranzukommen - und die Altersversorgung der Eltern zu sichern. Auch für Japaner hängen die Berufs- und Lebenschancen noch immer weit mehr als in europäischen Ländern vom schulischen Erfolg ab.

Wohlstand: Das Bildungsniveau in Shanghai, Hongkong, Taipeh und Singapur dürfte aber auch deswegen so hoch sein, weil diese asiatischen Metropolen vergleichsweise wohlhabend sind und deswegen ein gutes Schulangebot haben. Auch gehören Familien in diesen Großstädten häufiger zum Bildungsbürgertum und können sich guten Nachhilfeunterricht für die Kinder leisten. (dpa)

1 / 6

Die Schüler in Deutschland erreichten diesmal beim Pisa-Schwerpunkt Mathematik 514 Punkte (2009: 513). Sie liegen damit 20 Punkte über dem Schnitt der anderen Pisa-Teilnehmerländer (494) - was einem Lernvorsprung von gut einem halben Schuljahr entspricht. Ähnliches gilt für die Naturwissenschaften. In der für das Lernen so wichtigen Disziplin Lesen/Textverständnis ist der deutsche Vorsprung allerdings nur halb so groß.

Pisa ist der weltweit größte Schulleistungstest. Er wird seit 2000 alle drei Jahre von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris vorgenommen. Weltweit nahmen diesmal 510.000 Schüler aus 65 Staaten und Regionen teil. In Deutschland wurden rund 5.000 Heranwachsende getestet.

Jungen sind in Deutschland mit ihren Mathe-Fähigkeiten gleichaltrigen Mädchen im Schnitt ein knappes halbes Schuljahr voraus. Der Vorsprung der Jungen hat sich im Vergleich zu früheren Pisa-Tests sogar noch vergrößert. Mädchen sind generell der Mathematik gegenüber negativer eingestellt. Ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist geringer, ebenso ihre Motivation und Lernausdauer.

Kinder von armen Eltern nicht so gut

Die in Deutschland ausgeprägte Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft hat sich nach der jüngsten Pisa-Erhebung leicht abgeschwächt. Gleichwohl haben Schüler aus sozial bessergestellten Familien in Mathematik im Schnitt einen Leistungsvorsprung von 43 Punkten gegenüber Gleichaltrigen aus armen Elternhäusern - was fast eineinhalb Schuljahren entspricht.

Bei Schülern mit Migrationshintergrund zeigt sich ein ähnliches Bild. Ihr Kenntnisrückstand zu gleichaltrigen Schülern mit deutscher Herkunft liegt im Schnitt bei 54 Punkten, das sind fast zwei Schuljahre.

Das nur äußerst mäßige deutsche Abschneiden vor allem bei der wichtigen Disziplin Lesen/Textverständnis beim ersten Pisa-Test im Jahr 2000 hatte in der Öffentlichkeit den sogenannten Pisa-Schock ausgelöst. Die Kultusminister hatten daraufhin zahlreiche Schulreformen auf den Weg gebracht, unter anderem einheitliche Bildungsstandards für alle 16 Bundesländer.

Wanka: Pisa-Schock hat Deutschland geweckt

Die amtierende Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) wertete die Ergebnisse des neuen internationalen Pisa-Schulleistungsvergleichs als Zeichen einer erfolgreichen Entwicklung. „Deutschland hat sich nicht nur schocken lassen, sondern auch wecken lassen durch Pisa“, sagte sie am Dienstag in Berlin mit Blick auf den „Pisa-Schock“ im Jahr 2000.

Deutschland hat sich nach Wankas Worten in allen Wissensgebieten über den OECD-Durchschnitt hinaus verbessert. In den Naturwissenschaften hätten deutsche Schüler den Aufstieg in die Spitzengruppe geschafft. In Mathematik seien mit Japan, Korea, den Niederlanden, Estland und der Schweiz „nur fünf Länder, die besser sind als Deutschland“. Die neuen Ergebnisse zeigten auch für die Leistungsschwächeren aus sozial benachteiligten Schichten „eine Aufstiegsdynamik in den letzten Jahren“. (dpa)