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Deutsche Spezialtaucher im Zgorzelecer Faulturm

Die Stadtwerker vermitteln Experten, die im 37 Grad warmen Schlamm arbeiten. In Polen ist man von dieser Hilfe begeistert.

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© SWG

„Prosze“ – „Gern geschehen.“ Zufrieden legt Jens Herzog, Leiter des Klärwerkes der Stadtwerke Görlitz AG, den Hörer wieder auf. Am anderen Ende der Leitung war Kasia Jackiewicz gewesen, die Leiterin der polnischen Kläranlage von Zgorzelec. Sie hatte sich gerade für die Hilfe der deutschen Kollegen bedankt.

Die Mitarbeiter der Stadtwerke Görlitz und des polnischen Wasserver- und -entsorgungsunternehmens „Pwik Nysa“ kooperieren seit Jahren im Wasser- und Abwasserbereich. „Entstanden ist die Zusammenarbeit vor etwa 15 Jahren, als wir unsere Technik im Klärwerk erneuert haben“ erinnert sich Jens Herzog. „Wir benötigten damals ein Messegerät nicht mehr und riefen die polnische Kläranlage an, ob sie nicht Interesse an dem Gerät hätte. Schließlich war es noch im guten Zustand.“ Die polnische Seite freute sich über den Anruf und nahm das Angebot gern an. Damit wurde der Grundstein für eine langjährige Partnerschaft gelegt. Inzwischen treffen sich die Abwasserexperten aus Görlitz und Zgorzelec mindestens zweimal jährlich.

Eines Tages bat Kasia Jackiewicz konkret um Hilfe: „In diesem Jahr wollten wir erstmals die Reinigung unseres Faulturms in Angriff nehmen“, erzählt sie. „Da wir wussten, dass die Görlitzer Stadtwerke seit 2007 Spezialtaucher mit der Reinigung ihres Faulturms beauftragt haben, wollten wir von ihrer Erfahrung profitieren.“ Da passte es gut, dass auch der Faulturm in der Görlitzer Anlage an der Rothenburger Straße gereinigt werden musste. Für Jens Herzog eine optimale Situation: „Wir konnten nicht nur über unsere Erfahrung berichten, sondern auch zwischen beiden Unternehmen vermitteln.“ So wurde die Reinigung beider Faultürme in den selben Zeitraum gelegt. Nachdem die Taucher vergangenen Monat in Zgorzelec im Einsatz waren, gingen sie anschließend in Görlitz ihrer Arbeit nach. Bei einer Schlammtemperatur von 37 Grad Celsius und ohne Sicht müssen sich die Taucher auf ihren Tastsinn verlassen, um sich im Faulturm zu orientieren. Ohne die eigene Hand vor Augen zu sehen, tasten sich die Männer durch den Schlamm. Dabei entfernen sie störende Ablagerungen wie Sand und Verzopfungen. Letzteres sind faserige Reste von Wattebäuschchen, Binden oder Tampons, die eigentlich nicht ins Abwasser gehören. Der nicht ganz ungefährliche Einsatz ermöglicht eine Reinigung des Turms ohne komplette Entleerung und Wiederinbetriebnahme über mehrere Monate.

Die Kollegen der Stadtwerke und der Pwik Nysa wollen sich Anfang nächsten Jahres treffen, um den Einsatz auszuwerten. Auch sind gemeinsame Abende außerhalb des Dienstes geplant. Die Kollegen teilen nicht nur ihre Erfahrungen im Abwasserbereich, sondern auch ihre Freude am Bowling. Regelmäßig fordern sie sich auf der Bahn heraus. „Nach 15 Jahren sind aus guten Arbeitskollegen auch Freunde geworden“ freut sich Herzog. (SZ)