merken

Politik

Deutsche sprechen sich für Kita-Pflicht aus

Die Herkunft von Kindern entscheidet immer noch über Bildungschancen. Eine Mehrheit will deshalb, dass sich der Staat um Chancengleichheit kümmert.

© Christian Charisius/dpa (Symbolfoto)

Berlin. Zwei von drei Deutschen sind für eine Kita-Pflicht für Kinder ab vier Jahren. Im ifo-Bildungsbarometer, das am Mittwoch in Berlin vorgelegt wurde, sprachen sich 67 Prozent für eine solche Regelung aus. Eine deutliche Mehrheit von 78 Prozent befürwortet außerdem, dass Kitas für Kinder ab vier kostenlos sein sollten. Der SPD-Bildungsexperte Oliver Kaczmarek schloss am Mittwoch eine Kita-Pflicht nicht grundsätzlich aus. Familien- und Bildungspolitiker anderer Parteien winkten dagegen ab.

In der repräsentativen Umfrage des ifo-Instituts wurden die Menschen nach ihrer Meinung zu verschiedenen Reformideen für das deutsche Bildungssystem mit Blick auf mehr Chancengleichheit für alle Kinder befragt. 71 Prozent der Deutschen sind generell der Meinung, der Staat sollte mehr Geld für Kinder aus schlechter gestellten Familien ausgeben, um die Chancengleichheit zu erhöhen.

Anzeige
Karriere machen bei ENSO

Lust auf einen Job voller Energie? Dann kommen Sie am 21. September zum ENSO-Ausbildungstag auf die Hahnebergstraße 4 und informieren Sie sich von 10 bis 14 Uhr!

Philipp Lergetporer vom ifo Zentrum für Bildungsökonomik sagte, die Befragung habe gezeigt, dass es beim Thema Bildung eine große Reformbereitschaft in der Bevölkerung gebe. Von acht Reformvorschlägen, die man den Befragten zur Bewertung vorgelegt habe, seien sieben mehrheitsfähig.

So befürwortet eine Mehrheit neben der Kita-Pflicht und der kostenfreien Kinderbetreuung auch die Einführung von Ganztagsschulen, mehr Ausgaben für benachteiligte Schulen und höhere Lehrergehälter an sogenannten Brennpunktschulen. Am meisten Zustimmung bekommt ein Ausbau von Stipendienprogrammen für einkommensschwache Studenten (83 Prozent).

Die Pflicht schmeckt nicht allen

Die Idee einer Kindergartenpflicht wurde allerdings am Mittwoch von Bildungs- und Familienpolitikern verschiedener Parteien umgehend abgelehnt. Marcus Weinberg von der CDU sagte der "Welt", er sei zwar der festen Überzeugung, dass ein Kind von Betreuung und früher Bildung in der Kindertagesstätte profitiere. Man habe aber die individuellen Lebensmodelle der Familien zu respektieren.

Auch die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Margit Stumpp, zeigte sich skeptisch: Bevor über eine Kita-Pflicht nachgedacht werde, müssten die jetzt schon fehlenden Plätze geschaffen und es müsse in die Qualität investiert werden. Die Einführung einer Kindergartenpflicht sei so überflüssig wie ein Kropf, sagte der AfD-Bildungspolitiker Götz Frömming.

Der bildungspolitische Sprecher der SPD, Oliver Kaczmarek, verwies auf das "Gute-Kita-Gesetz" der Regierung, über das in den kommenden Jahren 5,5 Milliarden Euro vom Bund für die Kitas bereitgestellt werden. "Sollten wir feststellen, dass sich trotz dieser Offensive Eltern gegen einen Kita-Besuch entscheiden und die Leistungsunterschiede zwischen den Kindern mit und ohne Kita-Besuch bestehen bleiben, müssten wir über weitere Schritte nachdenken und dürften dabei eine Kita-Pflicht nicht ausschließen", sagte Kaczmarek der "Welt".

Mit dem "Gute-Kita-Gesetz" hat die Bundesregierung in der Bevölkerung offensichtlich einen Nerv getroffen: 84 Prozent der Befragten äußerten im Bildungsbarometer Zustimmung zum "Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung". Familienministerin Franziska Giffey (SPD) hatte es "Gute-Kita-Gesetz" getauft. Nur 7 Prozent sagten, sie seien sehr oder eher dagegen. 10 Prozent antworteten mit "weder dafür noch dagegen". Fließen können die Kita-Milliarden erst, wenn jedes Bundesland mit dem Bund einen Vertrag geschlossen hat, da Kinderbetreuung Ländersache ist. Das soll im Herbst erledigt sein. (dpa)